Eichstätt: Dreierfusion vor dem Scheitern
Die Sparkasse Eichstätt (hier die Zentrale in der Gabrielistraße) will die Gespräche mit der Sparkasse Ingolstadt fortsetzen, auch wenn die Dreierfusion mit Pfaffenhofen platzen sollte. - Foto: Chloupek
Eichstätt

Vorzeitig hat der Pfaffenhofener Rathauschef Freitagvormittag die Sitzung des Lenkungsausschusses verlassen. Wenn seine Vorstellungen einer "gerechten und fairen" Verteilung der Gewerbesteuer nicht durchsetzbar seien, seien aus seiner Sicht die Gespräche beendet, soll er erklärt haben. Am Nachmittag zog er dann endgültig einen Schlussstrich und ließ wissen, dass er sich aus den laufenden Gesprächen zurückziehe. Aus Eichstätter und Ingolstädter Sicht allerdings werden die Forderungen aus Pfaffenhofen als "deutlich überzogen" bezeichnet. Beide wollen an der Fusion festhalten.

Herker will dem Vernehmen nach den größten Anteil an der Gewerbesteuer in einer fusionierten Großbank. Seiner Berechnung zufolge würden lediglich Stadt und Landkreis Pfaffenhofen dazugewinnen, Eichstätt (Stadt und Kreis) sowie Ingolstadt müssten Verluste hinnehmen. Er begründet dies unter anderem damit, dass die Pfaffenhofener das größte Einsparungspotenzial mitbrächten. Denn die Pfaffenhofener Bank ist im Vergleich zu den "personell sehr schlank aufgestellten" Instituten Eichstätt und Ingolstadt das Institut mit der relativ höchsten Zahl an Mitarbeitern - bei gleichzeitig geringerer Ertragskraft. Damit hat Pfaffenhofen einen hohen Lohnsummenanteil und so auch eine hohe Gewerbesteuer. Mit dieser Rechnung hat sich Thomas Herker bei der Sitzung allerdings nicht durchsetzen können. Herker habe dann seine Sachen gepackt und die Verhandlungen verlassen, hieß es aus Teilnehmerkreisen.

Eichstätts Oberbürgermeister Andreas Steppberger, der bereits im Vorfeld gegenüber unserer Zeitung gefordert hatte, dass es im Falle einer Fusion "nicht nur einen Gewinner" geben dürfe, sagte nach der Sitzung am Freitag: "Sollte Pfaffenhofen bei seiner Forderung bleiben, kommen wir nicht zusammen." Dann, so der Eichstätter Rathauschef, würden wohl Eichstätt und Ingolstadt die Gespräche zu zweit weiterführen.

Steppberger wies darauf hin, dass die Entscheidung nicht alleine bei der Stadt Pfaffenhofen liege. Das Sagen hat letztendlich zunächst der Verwaltungsrat, der nächste Woche zusammentritt, und nicht nur Herker als stellvertretender Vorsitzender, und schließlich die Kommunalparlamente (Städte, Gemeinden und Landkreise).

Für ihn, so Steppberger, gebe es keine Alternative zu einer Fusion, um auch in Zukunft eine starke und wirtschaftlich gesunde Sparkasse in der Region zu haben. "Ich will mir nicht vorwerfen lassen, nichts gegen den Niedergang unserer Sparkasse, der angesichts der Rahmenbedingungen kommen wird, unternommen zu haben. Im Gegenteil, ich möchte rückblickend stolz darauf sein, die Zeichen der Zeit erkannt und gehandelt zu haben."

Aufgeben will Steppberger die Dreierfusion noch nicht. Denn anders als sein Pfaffenhofener Kollege hätten der Pfaffenhofener Verwaltungsratsvorsitzende, nämlich Landrat Martin Wolf, und der Sparkassenvorstandsvorsitzende Norbert Lienhardt die Gespräche mit Ingolstadts OB Christian Lösel und Ingolstadts Vorstandsvorsitzendem Dieter Seehofer sowie ihm, Landrat Anton Knapp und Vorstandsvorsitzendem Emmeran Hollweck am Freitagvormittag fortgesetzt. Und: Eichstätt und Ingolstadt seien sich bei der Verteilung der Gewerbesteuer auch sehr nahe. "Jeder Seite ist klar, dass Nachteile kompensiert werden müssen und es nicht nur einen Gewinner geben kann." Ingolstadts OB Christian Lösel sagte, man müsse jetzt einige Tage ins Land gehen lassen, dann sehe man weiter. Eine Dreierkoalition hätte Vorteile für alle: "Wenn es Nachteile gibt, werden wir die ausgleichen."

Auch Eichstätts Landrat Anton Knapp, der stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats ist, bekräftigte seinen Willen zur Fusion. "Für die Region wäre eine Dreierfusion optimal", sagte er. Aber auch eine Zweierkonstellation sei nach wie vor sinnvoll.

Der Eichstätter Sparkassenchef Emmeran Hollweck hielt sich am Freitag nach der Sitzung mit Äußerungen zurück. Seine Verärgerung über die Vorgehensweise des Pfaffenhofener Rathauschefs allerdings war ihm allerdings deutlich ins Gesicht geschrieben. Er habe, so Hollweck, die Entscheidung Herkers, den Verhandlungstisch zu verlassen, "zur Kenntnis genommen".