Frank Stachel mit dem "Pille Palais"-Orden.
Eichstätt
Gags am laufenden Band und tolle Stimmung prägten auch die sechste Auflage der Prunksitzung im Gutmann. Einige bekannte Gesichter fehlten zwar, Klaus Dorsch etwa saß im Publikum, mied aber die Bühne, doch hatte das Präsidium Verstärkung von außerhalb einfliegen lassen. Zusammen mit den bewährten Kräften bescherten die "Zuagroasten" dem bunt maskierten Publikum vier unvergessliche Stunden. Auf eine kleine Veränderung im Präsidium machten "Big Boss" Stephan "Kuddel" Kaspar und der vielseitige Hofmarschall Christian Alberter aufmerksam: Schorsch Heberl hat sich mittlerweile vom bloßen Praktikanten zum Mundschenk hochgedient.

Im zehnten Jahr seines Bestehens hat der MuT gerade bei der Prunksitzung Wert auf ein gehobenes intellektuelle Niveau gelegt und die akademischen Stars der nahen alma mater zu Beiträgen aufgefordert, die, wie nicht anders zu erwarten, vor brillanten geistigen Höhenflügen nur so sprühten. Ein gern gesehener Gast war daher Frau Professorin Dr. Amalia Stürzenhofecker-Pasadelski, die aus ihrer Winter-Vortragsreihe "Eingeborenen-Forschung" parlierte. Die Professorin alias Melanie Arzenheimer dozierte über die Frage, wie Eichstätt in der Wissenschaft wahrgenommen werde, und ob es überhaupt jemand wahrnehme. Das festzustellen war teilweise schwierig, denn eine Forschergruppe hat beispielsweise aus "Seidlkreuz-Süd" nicht mehr herausgefunden und gilt derzeit als verschollen.

Drittschönste Autobahn

Andererseits nehme der Radlweg am Freiwasser den Rang als drittschönste Autobahn der Republik ein. Als Gründe habe die Jury den mehrspurigen Ausbau und den dezenten Hinweis im Beton auf die Richtgeschwindigkeit von 133 angeführt.

"The Lady is a Tramp" lautete die mit schmelzendem Timbre gegebene Antwort auf die professoralen Ausführungen. Privatdozent Dr. Joachim Grzega meinte damit vermutlich nicht Melanie Arzenheimer, sondern eher die Dom- und Bischofsstadt. Jedenfalls war die Textzeile "Run away from Eichstätt, when it’s cold" klar und deutlich zu verstehen. Dabei war der "Singende Dozent" doch gerade erst "frisch aus Las Vegas" (Stephan Kaspar) eingetroffen. Grzega parodierte nicht nur Dean Martin, sondern legte auch einen fantastischen Stepptanz hin und – zu lebhaftem Swing – eine wunderbare Pantomime über einen Rhetoriker im Stile von Jerry Lewis.

Die Beiträge blieben hochklassig: Thomas Hausner, Kabarettist und Schauspieler aus Weißenburg, erläuterte die Unterschiede zwischen Mann und Frau ("Sie passen einfach nicht zusammen"), wobei er einige Anleihen von Jürgen von der Lippe machte, und hatte etliche urkomische Geschichten parat, die fast das Leben hätte schreiben können.

Drei Damen (Andrea Meier, Nicoletta Alberter und Melli Arzenbeimer), die sich zur perfekten Hausfrau ausbilden lassen wollten, zeigten ein umwerfendes Küchenballett.

Der Sandlerkönig

Einen Vorgeschmack auf die neue Produktion des MuT – ab Herbst zu sehen – gab Georg Hirmer. Er trug die tragisch-komische Ballade vom "Sandlerkönig Eberhard" vor. Henkerskapelle und Sängerin Eva Bauer gaben ordentlich Gas und jagten die Stimmung in ungeahnte Sphären. Den Abschluss bildete "Der Seil", Christian Selig aus Dollnstein, mit Improvisationstalent, viel Geräusper, einer fremden Klampfe und einem Krümelmonster-Rucksack.

Für manche der besten Acts sorgte aber das Publikum selbst im ausverkauften Haus: Mit donnernden "Pille Palais"-Schlachtrufen und spontan intonierten "Viva Colonia"-Gesängen.