Arnsberg: Der "Helmbrecht" wird Teil der Ortsgeschichte
 
Arnsberg
1987 war es die 900-Jahr-Feier des Ortes, 1998 hatte die abgeschlossene Dorferneuerung den Anlass gegeben, und 2012 soll nun die erste urkundliche Erwähnung Arnsbergs vor 925 Jahren den Rahmen für das Festspiel bilden. „Wir haben immer auf eine neue Gelegenheit gewartet, das Stück zu spielen“, sagt Festleiter Karl-Heinz Partsch. Der „Helm-brecht“, an sich ein Bauernepos aus dem Inntal (siehe Infokasten), wird so mehr und mehr auch Teil der Arnsberger Geschichte.

Die vier örtlichen Vereine – Feuerwehr, FC, Gartenbauverein und die Junge Katholische Dorfgemeinschaft – sind schon seit zwei Jahren mit den Vorbereitungen beschäftigt. Es soll am 5. August auch einen großen historischen Markt geben, es wird sogar ein eigener „Helmbrecht Sud“ gebraut, der am 29. Juni verkostet wird.

Höhepunkt wird ab dem 20. Juli das Festspiel selbst sein – und dafür wird jetzt schon seit Wochen jedes Wochenende eifrig geprobt. Schließlich gilt es, insgesamt gut 30 Rollen auf der Freiluftbühne unter einen Hut zu bringen.

Gallus Lindner, der 1987 und 1998 die Titelrolle des jungen Meier Helmbrecht übernommen hatte, spielt jetzt, inzwischen in Ehren ergraut, den Part von Helmbrechts Vater. Und er führt erstmals auch Regie. Die Doppelbelastung hat es natürlich in sich: Lindner muss nicht nur selber seine Rolle im Griff haben, sondern auch schauen, dass die Truppe richtig agiert. Sein Resümee bei der Probe am Freitag: „Des passt scho. Es wird.“

Seine Mitspieler scheinen wirklich pflegeleicht zu sein – und einige sind ja schon „alte Hasen“: Anni Schielein zum Beispiel spielte schon vor 14 Jahren die Helmbrechtin. Ihren Text hatte sie deshalb schnell wieder beieinander, „mit dem Spiel kommt alles wieder in Erinnerung“.

Der neue Helmbrecht junior freilich, der 28-jährige Matthias Stark, musste sich den ganzen Text neu erarbeiten. Aber auch er meint: „Ich hab mir’s schwieriger vorgestellt. Durch die Reimform kann man sich’s leichter merken.“ Wie kommt der in München wohnende Bauingenieur nun zu der Rolle des Bauernburschen, der als Raubritter zum „Bauernhenker“ wird und ein höchst unrühmliches Ende nimmt? Ganz einfach: Das Stück wird heuer auf dem Hof seiner Eltern mitten im Ort gespielt, deren „Banzn-Hof“ wird dafür zum „Helmbrechts-Hof“ umgebaut.

Die moderne Hausfassade wird mit Holz verkleidet, es gibt ein neues Tor, und um Platz für die beiden überdachten Zuschauertribünen zu schaffen (dieselben wie beim Eichstätter „Schwedenbrand“ 2010, bemerkt Festleiter Partsch), muss selbst der wunderbare Flieder gestutzt werden. Und mittendrin sitzt Souffleuse Sylvia Weber versteckt in einer gemauerten Brunnenattrappe, was bei Texthängern während der Probe immer wieder für Heiterkeit sorgt, wenn „der Brunnen spricht“.

In Arnsberg leben gut 300 Menschen – und nahezu jede Familie trägt irgendwie dazu bei, dass das Festspiel gelingen möge, die Gemeinde unterstützt die Anschaffung von Kostümen und Requisiten mit 3000 Euro, um den Rest kümmern sich die Schauspieler selbst.

Zu den acht Aufführungen werden insgesamt gut 2400 Zuschauer erwartet. 1074 der Plätze sind über Gutscheine bereits verkauft. Jetzt läuft der reguläre Vorverkauf (siehe Infokasten), bei dem auch die Gutscheine zügig in Karten eingelöst werden sollen.