Zell: Variante vier könnte die Lösung bringen
So kann es nicht mehr weitergehen auf dem Friedhof in Zell. Da sind sich sowohl die Bürgerinnen und Bürger in Zell als auch die Stadt Dietfurt einig. - Foto: Porschert
Zell

Ortssprecher und Stadtrat Andreas Porschert (CWU) begrüßte dazu Bürgermeisterin Carolin Braun (SPD), Albert Schweiger und Stefan Ehrl von der Stadtverwaltung, Architekt Martin Kölbl aus Pilsach und einen Vertreter des Bestattungsunternehmen Jakobs aus Oberbürg. Kurz stellte Porschert die derzeitige Situation dar. Demnach wurde der Friedhof 1968 von der Gemeinde Zell so gebaut, wie er sich heute noch darstellt. Die Gräber wurden damals noch von Hand ausgehoben. Mit der Gebietsreform wurde der Friedhof an die Stadt Dietfurt weitergegeben. Diese schloss 1980 einen Vertrag mit einem Bestattungsinstitut ab. Doch in etwa seit 2005 gebe es immer mehr Probleme mit den in die Jahre gekommenen Gräbereinfassungen, so Porschert. Schon bei kleineren Belastungen würden Grabeinfassungen kaputt gehen. Sie mussten als teure Einzelreparatur - öfters auch zulasten des Bestattungsunternehmens - wieder hergestellt werden. Die Stadt reagierte auf diese Probleme mit längeren Eisenschienen und speziellen Überfahrrampen, damit der Bestatter seinen Bagger bei den hinteren Gräbern platzieren konnte.

Doch auch diese Anschaffung war für den Bestatter keine praktikable Dauerlösung sodass er im vergangenen Jahr den Bestattungsvertrag aufgekündigt hat. Mit einer abgehandelten Übergangslösung, in der die Stadt zusicherte, dass der Zeller Friedhof entsprechend umgestaltet wird, wurde die Kündigung wieder aufgehoben.

Für die erforderliche Umgestaltung erteilte die Stadt den Auftrag an den Landschaftsarchitekten Kölbl. Der arbeitete drei Vorschläge aus, die bereits in der Zeller Bürgerversammlung kurz vorgestellt wurden. Doch bereits bei diesem Treffen zeigte sich, dass die drei Vorschläge nicht unbedingt den Wünschen der Zeller entsprechen. Ein von der Stadt erstellter Fragebogen sollte über die gewünschte Umgestaltung entscheiden. Weil die Zeller sich bei den drei Vorschlägen nicht wieder fanden, drängten sie vor Abgabe der Fragebogen auf diese Versammlung.

Nachdem Porschert einige Bilder zur aktuellen Situation gezeigt hatte, stellten er und der Landschaftsarchitekt die im Fragebogen aufgeführten Vorschläge zum besseren Verständnis nochmals vor. Kölbl betonte, dass das Bestattungsinstitut mit dem Bagger ungefährdet auch die hintersten Gräber erreichen müsse und sich daraus gewisse Zwänge ergeben würden. Kölbl favorisierte die Lösungsvorschläge zwei und drei. Bei denen würde die jetzige Betonkonstruktion komplett entfernt werden und durch Grabeinfassungen aus Naturstein oder Corten-stahl ersetzt, die Gehwege als Schotterbeet oder losem Pflasterverbund hergestellt. Da jedoch bei beiden Lösungen rund ein Drittel des Sarges unter dem lose gestalteten Gehweg liegt, wurden diese beiden Vorschläge von den Anwesenden mehrheitlich abgelehnt. Ortssprecher Porschert sprach deshalb nochmals die größeren Probleme an, die sich im vorgestellten Vorschlag eins verbergen. Hier ist der vordere Querriegel wegen der Überfahrung statisch so voluminös ausgelegt, dass er über 400 Kilogramm wiegt und nicht einmal mehr mit dem Friedhofbagger entfernt werden kann.

Daraus folgt, dass das Bestattungsunternehmen mindestens 80 Zentimeter unter diesem Riegel durchbaggern muss, damit er die erforderliche Grablänge erreicht. Daraus folgt, dass der Sarg bei der Bestattung nicht mehr waagrecht abgesenkt werden kann, sondern nach der Beerdigung fast senkrecht gestellt werden muss. Bei einer Bestattung in Normaltiefe und vor allem in der letzten Reihe, wo die Gräber noch kürzer sind, ist die Sargeinbettung fast nicht mehr möglich oder gar unmöglich. Ein weiteres Problem ist, dass der Sarg nach dem Einsargen unter dem Querriegel nicht mehr mit der erforderlichen Erdschicht bedeckt werden kann, so dass im Laufe der Verwesung Geruchsbelästigungen auftreten könnten. Der Vertreter des Bestattungsunternehmens bestätigte, dass es sich bei diesen Gegebenheiten um extrem schwierige Bestattungen handle und eine würdevolle Beerdigung nicht mehr möglich sei. Da auch die Zeller Bürgern diese Art Beerdigung als unwürdig betrachteten, wurde der Vorschlag abgelehnt.

In der weiteren Diskussion wurden mehrere Lösungsvarianten vorgeschlagen die aber alle nicht wirklich zielführend waren. So näherte man sich im Laufe der Diskussion immer mehr Vorschlag Nummer vier, den Porschert bereits ausgearbeitet hatte. Auch bei diesem müssen noch einige Ausführungsdetails eingearbeitet werden und die statische Belastung geprüft. Dieser Auftrag wurde dem Landschaftsarchitekten Kölbl mitgegeben.

Bürgermeisterin Braun, die eigentlich mehr zu den Vorschlägen zwei und drei tendierte, sagte zu, dass sie die Vorstellungen der Zeller respektiere und dass die Stadt Dietfurt einen neuen Fragebogen erstellen werde, in dem Vorschlag Nummer vier aufgenommen werden soll. Deshalb ist der bisher verteilte Fragebogen ungültig und wird neu verteilt. In diesem Fragebogen wird auch das Thema Urnengräber aufgenommen.