Wichtiger Moment: Bürgermeister Alexander Anetsberger (Mitte) hat am Mittwoch die Auftragsvergabe im Förderverfahren zum Breitbandausbau an die Telekom, vertreten durch Stefan Hanke (rechts) und Josef Markl (links), unterschrieben.
Wichtiger Moment: Bürgermeister Alexander Anetsberger (Mitte) hat am Mittwoch die Auftragsvergabe im Förderverfahren zum Breitbandausbau an die Telekom, vertreten durch Stefan Hanke (rechts) und Josef Markl (links), unterschrieben. Der Breitbandpate der Stadt, Robert Lenz (stehend, links), und Sebastian Prechtl vom Beratungsbüro IK-T wohnten dem offiziellen Akt bei.
Fabian Rieger
Beilngries

Der Weg zum schnellen Internet ist alles andere als einfach. Diese Aussage würde wohl jeder, der die Entwicklungen der vergangenen Jahre in der Großgemeinde Beilngries mitverfolgt hat, sofort unterschreiben. Bürgermeister Alexander Anetsberger ging am Mittwochnachmittag anlässlich der Vertragsunterzeichnung mit der Telekom bei einem Pressetermin noch einmal auf die Vorgeschichte ein.

Bekanntermaßen sollen in der Großgemeinde zwei Wege zum Ziel führen. Zum einen haben sich Telekommunikationsunternehmen - vorrangig Inexio - bereiterklärt, in einigen Orten (siehe eigenen Bericht) einen eigenwirtschaftlichen Ausbau zu leisten. Die Kosten trägt hierbei ausschließlich die Firma. Inzwischen sind die Arbeiten - mit Ausnahme von Oberndorf, wo es wohl bis zum Jahresende dauert, und Beilngries, wo derzeit die Telekom für alle sichtbar beschäftigt ist - abgeschlossen. Die Kunden werden nach und nach angeschrieben mit dem Angebot, zu neuen Tarifen deutlich höhere Bandbreiten zu buchen. 30 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) sollen es in allen Dörfern mindestens sein. Die Glasfaserkabel wurden dabei nur bis zum jeweiligen Kabelverzweiger verlegt. "Die letzte Meile" bis zum Haus wird nach wie vor über Kupferleitungen überbrückt, was zu Bandbreitenverlusten führen kann. "Für alle Bürger stellt sich aber auf jeden Fall eine deutliche Verbesserung ein", versicherte der Bürgermeister.

Der zweite Weg zum schnellen Internet geht über den Ausbau der Stadt im Förderverfahren. Die bayerische Staatsregierung hatte dazu für Beilngries maximal 830 000 Euro beziehungsweise 70 Prozent der Kosten, die von der Stadt zu tragen sind, zur Verfügung gestellt. Nach mehreren Ausschreibungsrunden hat sich dabei nun die Telekom durchgesetzt. Insgesamt kostet diese Ausbauvariante 1,3 Millionen Euro. Zieht man den Eigenanteil der Telekom ab, bleiben für die Gemeinde Kosten in Höhe von 827 607 Euro. Davon werden wiederum 70 Prozent über Fördergelder gedeckt, sodass die Stadt letztlich einen Eigenanteil in Höhe von rund 250 000 Euro stemmen muss.

Die Besonderheit besteht darin, dass in allen Ortsteilen, die hier zum Zuge kommen, die Glasfaserkabel bis in die Haushalte verlegt werden. Anetsberger sieht dadurch - nach aktuellem Stand der Technik - wohl für Jahrzehnte die Endstufe des Breitbandausbaus erreicht. Der Anbieter wird auf alle Haushalte im ausgeschriebenen Gebiet zukommen, wie Stefan Hanke vom Infrastrukturvertrieb des Unternehmens mitteilte. Niemand ist verpflichtet, sein Haus anzuschließen. Bessere Internetleistungen gibt es dann aber auch nicht. Wer sich derweil entschließt, einen Anschluss bis ins Haus legen zu lassen, muss dafür einmalig 799 Euro bezahlen. Wer sich erst in einigen Jahren zu einem entsprechenden Anschluss durchringen kann, muss dann eventuell mit einer höheren Summe rechnen. Damit das Internet auch tatsächlich schneller geht, muss zudem noch ein entsprechender Tarif gebucht werden.

Vertraglich ist geregelt, dass die Telekom den Ausbau bis Ende 2019 vollständig über die Bühne bringen muss - ein sportlicher Zeitplan, wie Technikmitarbeiter Josef Markl betonte. Anetsberger kündigte dennoch an, mit dem Unternehmen Gespräche führen zu wollen, ob es nicht möglich sei, einige Gemeindeteile vielleicht schon schneller an die Datenautobahn zu bringen. Sollte es technisch möglich sein, sei das natürlich auch im Interesse des Anbieters, ließ Hanke wissen. Es werde aber nicht so sein, dass ein Dorf nach dem anderen das schnelle Internet erhält. Vielmehr wird es wohl in den meisten Fällen auf eine zeitgleiche Freischaltung nach Abschluss des Ausbaus hinauslaufen.

Dass es damit im Förderverfahren zu "einem gehörigen Verzug" kommt, wollte Anetsberger gar nicht bestreiten. "Mein früheres Versprechen, dass der Breitbandausbau bis Ende 2017 komplett abgeschlossen sein wird, musste ich kassieren", räumte er ein. Hintergrund sei die zweimalige Wiederholung der Ausschreibung. Dadurch habe man aber nun ein exzellentes Ergebnis erreichen können, wie auch Sebastian Prechtl vom beratenden Unternehmen Innovative Kommunikations-Technologien (IK-T) bestätigte. "Wir beschreiten einen sehr nachhaltigen Weg, wenn er auch etwas länger dauert", bilanzierte der Rathauschef.

Für die Stadt Beilngries ist das Thema schnelles Internet damit aber noch nicht abgeschlossen. Man strebt laut Anetsberger an, auch in denjenigen Dörfern, in denen derzeit über den eigenwirtschaftlichen Ausbau nur die Verbindung bis zum Kabelverzweiger hergestellt wurde, auf absehbare Zeit die Verbindungen bis in jeden Haushalt zu erreichen. Wann es so weit sein wird, konnte das Gemeindeoberhaupt derweil noch nicht sagen. Das hänge nicht zuletzt auch davon ab, ob und in welcher Form künftig weitere Förderprogramme aufgelegt werden.

VERSCHIEDENE AUSBAUARTEN

Den beiden Wegen zum schnelleren Internet - eigenwirtschaftlicher Ausbau und Ausbau der Stadt über das Förderprogramm - sind jeweils etwa die Hälfte der Orte in der Großgemeinde zuzurechnen. Der eigenwirtschaftliche Ausbau ist in Biberbach, Kevenhüll, Kottingwörth, Paulushofen, Neuzell, Irfersdorf, Aschbuch und Grampersdorf bereits über die Bühne gegangen. Gleiches gilt für Teile von Beilngries und Hirschberg. In Oberndorf steht ernoch bevor.

Über das Förderprogramm werden folgende Ortsteile mit schnellem Internet versorgt: Wolfsbuch, Arnbuch, Kirchbuch, Eglofsdorf, Amtmannsdorf, Leising, Gösselthal, Wiesenhofen, Kaldorf und Litterzhofen. Gleiches gilt für die Beilngrieser Kanalsiedlung, wobei hier nur eine Verbindung bis zum Kabelverzweiger hergestellt wird. Auch dabei sollen aber Geschwindigkeiten von 100 Megabit pro Sekunde erreicht werden, wie gestern zu erfahren war. | rgf