Beilngries: "Den Kindern diesen Zauber lassen"
Bischofskleid und Mitra: Die Gewänder der Nikolausdarsteller wurden aus ausrangierten Messkleidern genäht. Auch Umhang, Perücke und Mitra, die Bischofsmütze, werden gut gepflegt, damit sie jährlich zum Einsatz kommen können. Elfriede Bruckschlögl schaut genau, dass ihre Nikolausdarsteller Franz Bruckschlögl (l.) und Simon Schmid sowie Richard Pfaller (nicht am Bild) für Groß und Klein einen ordentlichen und imposanten Auftritt haben. - Foto: Adam
Beilngries

All die Erzählungen von Mama oder Papa, aus dem Kindergarten oder der Schule sind plötzlich real - der Nikolaus mit seinem roten Umhang, dem Bischofsstab und der Mitra ist wirklich da. Da grübeln auch die Kleinsten: Hoffentlich war ich brav genug? Wird er mir Geschenke bringen - oder eher schimpfen? Ein dickes goldenes Buch hat er dabei, hoffentlich steht da nicht zu viel Kritik drin. Woher er das nur alles weiß? Nächstes Jahr, da bin ich braver, ganz bestimmt, wenn er nur heute nicht zu sehr schimpft.

"Wenn der Nikolaus kommt, sind auch die heftigsten Rabauken plötzlich kleinlaut", weiß Franz Bruckschlögl. Gemeinsam mit Richard Pfaller und Simon Schmid übernimmt er in diesen Tagen den Nikolausdienst der Pfarrei, kommt auf Anmeldung als heiliger Mann ins Haus, liest aus seinem goldenen Buch, spricht mit den Kindern und verteilt natürlich auch Geschenke. Bereits zum sechsten Mal wird dieser Dienst angeboten und die Nachfrage ist durchaus groß, bestätigt Pfarrgemeinderatsvorsitzende Elfriede Bruckschlögl, über die die Terminkoordination läuft. Im Vorfeld des Besuchs sind die Eltern oder Großeltern gefragt. Wer den Nikolaus bestellt, muss per Mail eine Liste mit Lob- und Schandtaten der Kinder - oder auch der Erwachsenen, die erwähnt werden sollen - schicken. Ausführliche Texte sind nicht erforderlich, Stichpunkte reichen, daraus bildet sich der Nikolaus dann seinen Vortrag. Denn agiert wird spontan - und das ist auch nötig.

"Es ist auch für uns immer wieder spannend, kein Besuch ist wie der andere", erzählt Schmid. Er ist überzeugt: "Wie der Besuch abläuft, wie die Kinder das in Erinnerung behalten, das steht und fällt mit der Vorbereitung der Eltern." Schön findet er es, wenn an dem Abend oder Spätnachmittag schon alle auf ihn warten, die Familie, manchmal sogar mit weiteren Verwandten oder Nachbarn zusammensitzt, gemeinsam Adventslieder gesungen, Geschichten gelesen oder erzählt werden. Kerzen brennen, Plätzchen stehen am Tisch, weihnachtliche Stimmung herrscht. Oft hätten Kinder dann ein Gedicht vorbereitet oder auch einen Wunschzettel fürs Christkind zum Mitgeben gemalt.

Auch wenn es einigen Mut erfordere, das Gedicht zu sagen, ein Lied zu singen, viele Mädchen und Buben würden es zwar aufgeregt, aber doch stolz meistern. "Ich habe aber auch schon erlebt, dass die Mutter und das Kleinkind in einer Ecke des Wohnzimmers mit mir reden, während der Vater am Fernseher sitzt und der große Bruder am Handy spielt. Da muss man sich eben auf jede Situation einstellen", weiß Bruckschlögl. Er erinnert sich an einen Vater, der mit ihm sogar gleich nach dem Eintritt ins Haus erst einmal diskutierten wollte, wer der Nikolaus eigentlich sei, woher er komme. "Natürlich sind wir auch auf so etwas gut vorbereitet", sagt Bruckschlögl schmunzelnd.

Die Geschenke, die der Nikolaus bringt, werden von den Eltern kurz vor dem Besuch vor die Haustüre gestellt. "So haben wir immer den richtigen Sack dabei und es kann nichts verwechselt werden", erklären die erfahrenen Nikolausdarsteller.

Gebucht wird der Nikolaus auch ab und zu in Gaststätten, für Vereinsveranstaltungen oder andere Gruppen. "Ich war einmal zu einem Beilngrieser Chor eingeladen, der Chorleiter hatte keine Ahnung, er war wirklich erschrocken. Ich hatte natürlich eine lange Liste mit Informationen dabei und spätestens, als ich dann am Ende einen Likör aus dem Sack gezaubert habe, war die Stimmung bestens. Sie haben mir dann ein Lied vorgesungen, es war super. An dem Tag hat mich wirklich niemand erkannt, sie haben einige Zeit gerätselt, wer der Nikolaus war", erzählt einer der beiden Nikolausdarsteller, der auch heute noch schmunzelnd seine Identität nicht preisgibt.

Der Nikolaus ist eine Respektsperson, diese Erfahrung hat Simon Schmid oft schon gemacht. Kein Wunder, denn mit seinen 1,96 Meter Körpergröße überragt Schmid nicht nur alle Kinder, sondern auch viel Erwachsene. Da gehört schon einiger Mut dazu, den Bischofsstab für den Nikolaus zu halten. "Das wagen die meisten Kleinen nur, wenn der Papa mithilft", erzählt Schmid. Davon, schon den Kleinsten deutlich zu sagen, dass der Besuch nicht der echte Nikolaus ist, halten Schmid und Bruckschlögl nichts. "Man soll den Kindern doch diesen Zauber, diesen Glauben, auch diese Erinnerungen lassen. Ich meine, sie glauben wirklich gerne dran, es ist für sie ein beeindruckendes positives Erlebnis. Dann folgt eine längere Zeit der Zweifel, wenn sie älter werden, das ist immer spannend. Es ist doch schade, wenn man ihnen diese Entwicklung vorwegnimmt", meint Bruckschlögl.

Der vorerst letzte Besuch heuer ist für 9. Dezember vorgesehen, nicht zwingend am 6. Dezember kommt der Nikolaus ins Haus. Gebucht werden kann noch für 15 Euro bei Elfriede Bruckschlögl oder im Pfarrbüro Beilngries. Der Erlös aus der Aktion wird für die Renovierung der Orgel in der Kirche St. Walburga gespendet.