Beilngries: Den Kanal stets im Blick
Foto: Fabian Rieger
Beilngries

Geisterschiffe gibt es nicht. Zumindest nicht auf dem Main-Donau-Kanal. Auf dem Radargerät ist der lange niederländische Lastkahn bereits zu erkennen, als er für das menschliche Auge noch viel zu weit entfernt ist. Bauer und Richter tauschen sich kurz aus, sie sind sich einig. Hier ist eine Kontrolle sinnvoll. Wenn es auf dem Kanal auch deutlich gemächlicher zugeht als auf den Verkehrsadern an Land, so müssen die Kapitäne doch viele Regeln beachten. Ist genügend Besatzung auf dem Schiff? Werden die Ruhezeiten eingehalten? Ist das Schiff in einem einwandfreien Zustand? Und ist der Kapitän nüchtern?

All das wollen die beiden Beamten der Beilngrieser Wasserschutzpolizei bei ihrem niederländischen Gegenverkehr nun genauer wissen. Das große Schiff kommt näher und passiert das Gefährt der Wasserschutzpolizei. Bauer und Richter wenden, kündigen dem Kapitän über Funk ihre Kontrolle an - und wenige Minuten später ist Richter, ein Mann der ersten Stunden bei der Wasserschutzpolizei in Beilngries, auf das Güterschiff umgestiegen. Der Kapitän ist freundlich, ein kurzer Plausch, er bringt Sonnenblumenkerne von Ungarn nach Amsterdam. Zu verbergen habe er nichts, er zeigt bereitwillig seine Unterlagen. "Alles sehr ordentlich. Man sieht gleich, wenn jemand sein Schiff in einem guten Zustand hält", sagt der erfahrene Polizist. Zu beanstanden gibt es auf den ersten Blick nichts. Der Kapitän muss kurz an den Funk, er kündigt sich in der Schleuse Berching an. Richter fährt mit seiner Kontrolle fort, es gibt keine Auffälligkeiten, der niederländische Steuermann kann seine Fahrt unbehelligt fortsetzen.

Es läuft nicht immer so unproblematisch, wie Richter - zurück auf dem Polizeischiff - berichtet. Im Laufe der Jahre erlebt man so Einiges. Die Zeiten hätten sich massiv geändert. "Früher war auf dem Kanal alles ruhiger und familiärer", erzählt Richter aus den Anfangstagen vor rund 25 Jahren, als der Kanal gerade erst geflutet worden war. Damals sei kaum daran zu denken gewesen, dass im Zuständigkeitsbereich der Beilngrieser - 72 Kilometer, von der Schleuse Hilpoltstein bis zur Donau - nachts ein Schiff auf dem Kanal fährt. Heute herrscht rund um die Uhr Betrieb. Der Druck auf die Unternehmen und somit auch auf die Kapitäne werde immer größer, berichtet Bauer. "Das ist die Schnelllebigkeit unserer Zeit." Pausen könne man sich nicht leisten. Ruht das Schiff einen Tag, bringt das für die Firma einen Verlust von etwa 3000 Euro mit sich.

Dieser Druck wirkt sich auch auf die Vergehen aus, denen die Beilngrieser Beamten regelmäßig auf die Schliche kommen. Um Geld zu sparen, wird beispielsweise die Besatzung kleiner gehalten, als sie eigentlich sein müsste. Wenn so etwas auffällt, gibt es Ärger für den Kapitän und das Unternehmen. Besonders problematisch wird es dann, wenn ein Unfall passiert. Schwerere Zusammenstöße gibt es immer wieder - besonders im Herbst, wenn der dichte Nebel über den Kanal zieht. Insgesamt hätten die Schiffsunfälle zugenommen, so die Beobachtung der Polizisten. Ein Unglück mit tödlichem Ausgang mussten die Beilngrieser auf der großen Wasserstraße in dem Vierteljahrhundert zwar glücklicherweise noch nicht aufnehmen. Oftmals würden hier allerdings schlichtweg Glück und Pech - oder aber Schicksal und Vorsehung, ganz wie man es sehen möchte - eine Rolle spielen, so die erfahrenen Kollegen. Auf der Altmühl habe es hingegen vor Jahren einen tödlichen Kanuunfall gegeben, berichtet Richter. Auch da seien er und seine Kollegen als zuständige Polizeitruppe gerufen worden.

Von einer Verbesserung sprechen die beiden Beamten hinsichtlich der Umweltdelikte, ein weiterer Bereich ihrer täglichen Arbeit. Hier sei das Bewusstsein der Menschen im Laufe der Jahre stark gewachsen. Einheimische, die ihren Müll im Wald entsorgen, seien glücklicherweise seltener geworden. Dies liege auch daran, dass Spaziergänger sofort Alarm schlagen, wenn ihnen in Wald und Flur etwas auffällt. "Die Menschen wollen ihre Umwelt sauber, und das ist auch gut so", stellt der neue Leiter der Wasserschutzpolizei fest.

Unvorbereitet tritt Bauer diese Aufgabe im Übrigen nicht an. Bereits in den vergangenen Jahren hatte er diese Aufgabe kommissarisch inne. Seit 1. Juni dieses Jahres ist er nun offiziell der Leiter der Abteilung, die in der Regel fünf Mitarbeiter - die Sollstärke wäre sieben - umfasst. Die Liste von Bauers Vorgängern ist nicht allzu umfangreich. Leiter der ersten Stunde war Harald Knauer. Er leistete bis zum Sommer 1998 Pionierarbeit, ehe er das Steuerrad an seinen erfahrenen Kollegen Georg Schießl weitergab. Im Sommer 2007 folgte dann Georg Lindl auf Schießl, als Letzterer die Leitung über die gesamte Beilngrieser Dienststelle übernahm. Bauer hat nun wiederum Lindls Nachfolge angetreten. Begleitet wurden und werden alle vier Männer vom Schiff der Dienststelle. Auch kein Geisterschiff - doch es tut seit einem Vierteljahrhundert zuverlässig seinen Dienst.