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Siemens-Vorstand Janina Kugel über Führung, Frauenquote und soziale Netzwerke

"Jeder ist ein Talent"

Ingolstadt
erstellt am 15.04.2015 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 24.04.2015 um 11:14 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Siemens-Vorstand Janina Kugel verlässt gerne mal mittags die Firma, um ihre Zwillinge auf dem Schulfest zu besuchen. Warum das mehr als in Ordnung ist, erklärte sie am Dienstag beim HR-Forum an der Technischen Hochschule Ingolstadt (THI). Es ging um Führung, Unternehmenskultur und Vielfalt.
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Ingolstadt: "Jeder ist ein Talent"
Janina Kugel, Vorstandsmitglied und Arbeitsdirektorin der Siemens AG, beim HR-Forum an der Technischen Hochschule Ingolstadt. - Foto: Hauser
Ingolstadt

Die 45-Jährige kommt in hellrosa Bluse, schwarzem Rock und hochhackigen Schuhen erfrischend anders daher als ihre männlichen Pendants auf der oberen Führungsetage, und auch ihre Ideen sind kreativ, ungewöhnlich, manchmal provokant. „Jeder ist ein Talent“, sagt sie, und man hört ein leises Raunen im vollen Hörsaal. Natürlich gebe es Mitarbeiter, die einfach keine Lust haben, erklärt die Arbeitsdirektorin der Siemens AG, die auch Mitglied im Hochschulrat der THI ist. Doch statt bei schwachen Leistungen die Strukturen zu verändern oder Druck auszuüben, gebe es oft eine einfache Lösung. „Man muss sich als Unternehmen fragen: Haben wir die Leute richtig eingesetzt“ Kugel glaubt, dass es für jeden Mitarbeiter einen Platz im Unternehmen gibt, auf dem er leistungsfähig ist.

Der häufigste Grund für destruktives Verhalten von Mitarbeitern oder eine Kündigung ist ohnehin schlechte Führung, betont Kugel. Es sei besonders als Manager wichtig, ehrlich zu sein und bei Problemen zuzuhören. „Rumschreier sind nicht akzeptabel.“

Auch Respekt helfe, besonders bei internationalen Teams weiter. Davon gibt es bei Siemens viele, da die Firma in 190 Ländern aktiv ist. „Zum Beispiel halten wir keine Meetings ab, wenn Menschen beten wollen“, erklärt das Vorstandsmitglied. Ob man dann überhaupt noch Meetings halten könne bei so vielen verschiedenen Religionen, will ein Zuhörer wissen. „Ist es wirklich schlimm, Meetings in einem Zeitraum von sechs Stunden zu planen statt in acht“ fragt Kugel zurück. Sie habe bisher noch keine negativen Auswirkungen auf das Team festgestellt, im Gegenteil steige die Bereitschaft, auch etwas für das Unternehmen zu tun. Nach demselben Muster verhält sich Kugel auch, wenn sie in muslimischen Ländern geschäftlich unterwegs ist. „In Saudi-Arabien trage ich einen Vollschleier.“ Man müsse sich eben an die örtlichen Gegebenheiten anpassen. „Was ich sage, ist trotzdem das Gleiche.“

Auch beim Thema Frauenquote hat Kugel eine ungewöhnliche Meinung. „Ist die Quote wirklich das Heilmittel“, fragt sie. Grundsätzlich müssten die Probleme gesellschaftlich gelöst werden. „In Frankreich ist es normal, dass die Kinder ganztags in der Kita sind. Dort gibt es weder Rabenmütter noch Ehegattensplitting.“ Auch die Diskussion um Führung in Teilzeit „ist eine deutsche Diskussion“. Sie kenne eine bessere Lösung: Flexibilität, und zwar beim Unternehmen sowie auch beim Mitarbeiter. So verkündet Kugel demonstrativ, wenn sie am Nachmittag die Firma verlässt, um ihre Kinder beim Schulfest zu besuchen. Im Gegenzug loggt sie sich abends auch mal in ein Online-Chat ein, um an einem internationalen Meeting teilzunehmen.

Ein digitales Werkzeug, das sie für unabdingbar hält, genau wie soziale Netzwerke: „Als Unternehmen ist es heute nicht mehr o. k., kein Social Media zu benutzen.“ Die Vorteile seien enorm. Bei Siemens können wichtige Konferenzen zum Beispiel im Livestream verfolgt werden. „So erreichen wir nicht nur 120 Teilnehmer, sondern zweieinhalbtausend Mitarbeiter, die alle Inhalte vollkommen ungefiltert sehen.“

Ob neue Errungenschaften wie das Smartphone nicht auch viel Effizienz kaputtmachen, will ein Dozent wissen. Kugels Antwort bringt die Zuhörer zum Lachen: „Diese Dinger haben auch einen Aus-Knopf.“

Von Desirée Brenner
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