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An der KU wird die Arbeit mit Asylbewerbern wissenschaftlich begleitet

Studenten helfen Flüchtlingen

Eichstätt
erstellt am 18.09.2013 um 21:01 Uhr
aktualisiert am 19.09.2013 um 23:35 Uhr | x gelesen
Eichstätt (DK) Der Strom der Flüchtlinge nach Deutschland reißt nicht ab. An der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) hat sich jetzt ein Kreis gebildet, der diese Menschen vielseitig unterstützt. Jetzt wird dieses Engagement innerhalb eines Bachelor-Moduls mit ECTS-Punkten belohnt.
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Eichstätt: Studenten helfen Flüchtlingen
Gemeinsames Kochen und Essen schafft Brücken: Diese Erfahrung haben Flüchtlinge wie Studenten - wie hier vor zwei Wochen in der Katholischen Hochschulgemeinde in Eichstätt - schon gemacht. Der Aspekt des Miteinanders soll auch in das Modul, das ab dem Wintersemester belegt werden kann, einfließen. - Foto: M. Schneider
Eichstätt
Am Anfang stand das theoretische Konstrukt eines interdisziplinären Moduls. Christopher Knoll (33), vor drei Jahren Vorsitzender des Studentischen Konvents an der KU, hat es in Eichstätt eingeführt. Das Bachelor-System war gerade etabliert, verschult und starr. „Ich wollte etwas Cooles machen“, meint er im Rückblick. Er und seine Kollegen im Vorstand haben sich an englischsprachigen Universitäten umgesehen. Dort haben Studenten die Möglichkeit, selbst Seminare zu entwerfen. Das Wichtigste dabei: „Sie sollen und müssen einen Mehrwert haben, der nicht wissenschaftlich begründet ist.“ Das Schlagwort ist „studentische Selbstverantwortung“.

So ein Modul biete sich also auch in Eichstätt an. Es blieb aber vorerst bei der theoretischen Existenz, bis vor etwa einem Jahr die Flüchtlingsproblematik auch in den Landkreis Eichstätt drängte. Da hat sich Politikstudentin Anna Peschke (21) ein Herz genommen und angefangen, sich mit ein paar wenigen Mitstreitern um die Asylbewerber zu kümmern. Die Initiative „Tun.Starthilfe für Flüchtlinge im Landkreis Eichstätt“ war geboren.

Peschke und Knoll, die privat ein Paar sind, wussten irgendwann: „Das ist die Praxis, mit der wir dieses Modul füllen können.“ Die Studenten könnten hier ihre Kompetenzen, die für die Flüchtlingsarbeit relevant seien, einbringen. „Es geht nicht um ein bloßes Punktesammeln“, so Peschke. Es sei kein Pflichtmodul und die zehn ECTS-Punkte (Punkte, mit denen der Arbeitsaufwand der Studenten bewertet werden), die angerechnet würden, bekomme keiner geschenkt. Präsident Richard Schenk nahm den Vorschlag zur Kenntnis, Uni-Kanzler Thomas Kleinert gab grünes Licht und machte auch ein bisschen Geld locker, und Gaby Gien, Professorin vom Lehrstuhl Didaktik der deutschen Sprache war begeistert vom Vorschlag der Studenten. „Wir begleiten das ehrenamtliche Engagement gerne wissenschaftlich“, sagt Gien. Als wesentliches Element des Ganzen sehe sie das „Fremdverstehen“. Das könne beispielsweise beim gemeinsamen Kochen und Essen gut gelernt werden. Das Modul sei gerade an einer Uni wie Eichstätt ein „Pfund, mit dem es zu wuchern gilt“.

Einmal in der Woche, immer donnerstags, treffen sich die angemeldeten Studenten – nach momentanem Stand der Anmeldungen sind es rund 40 aus acht verschiedenen Fachrichtungen. Vier Aufgabenfelder müssen beackert werden. Jeder konnte sich aussuchen, wo er seine Kompetenzen sieht: Deutschunterricht in Zweier-Teams dort, wo die Flüchtlinge untergebracht sind, individuelle Betreuung der Flüchtlinge in Zusammenarbeit mit der Caritas, verschiedene Wege der Öffentlichkeitsarbeit und die Organisation im Hintergrund. Hier geht es auch um das Einwerben von Drittmitteln. „Wir wollen das Modul nachhaltig anlegen“, sagen Peschke, Knoll und Gien übereinstimmend. Neben den Praxiselementen gibt es alle 14 Tage einen Vortrag im Rahmen einer Ringvorlesung (siehe eigenen Bericht). Dabei wird die Thematik aus einer spezifischen Disziplin heraus beleuchtet. Natürlich müssen auch Leistungsnachweise erbracht werden, wie Gaby Gien betont. Nicht nur das selbstständige Arbeiten sei dabei wichtig. Es gilt unter anderem, ein Portfolio über die Arbeit zu erstellen. „So macht Uni Spaß“, zeigt sich Gien überzeugt – wohl für Studenten wie für Dozenten. Denn: Das Ringvorlesungsprogramm sei innerhalb von drei Stunden gestanden und die Kollegen engagieren sich hier, wie die Studenten, letztlich ehrenamtlich.

 

Von Marco Schneider
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