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Wohnungssuche ist für Studenten in München schwierig – in Regensburg hatten Abiturientinnen Glück

Netter Nichtraucher sucht WG-Platz

Ingolstadt
erstellt am 04.09.2013 um 19:32 Uhr
aktualisiert am 04.09.2013 um 19:38 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Noch schlafen sie in ihren Mädchenzimmer zu Hause. In ein paar Wochen beziehen Stefanie Meilinger (20) und Anna Fricker (19) ihre Studentenbude in Regensburg. Durch Zufall fanden sie ganz schnell eine Drei-Zimmer-Wohnung für ihre WG. Davon kann Simon Stappen (18) nur träumen.
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Ingolstadt: Netter Nichtraucher sucht WG-Platz
Auszug aus dem Mädchenzimmer: Anna Fricker (links) und Stefanie Meilinger packen letzte Kisten mit Sachen, die sie in ihrer WG in Regensburg gebrauchen können - Foto: oh
Ingolstadt
Für Anna Fricker war schon vor dem Abitur am Apian-Gymnasium in Ingolstadt klar: Sie studiert Jura und zwar in Regensburg. Stefanie Meilinger dagegen wusste zwar, dass sie Mathematik und BWL studieren möchte, zögerte aber noch, ob in Ulm oder Regensburg. Als sich die Drei-Zimmer-Wohnung in Regensburg anbot, weil Bekannte von Anna Fricker Nachwuchs bekommen und in ein Haus ziehen, war das für die beiden jungen Frauen wie ein Sechser im Lotto. Erschwingliche Miete, fünf Minuten zur Innenstadt, zehn Minuten zur Uni, Tiefgaragenplatz. Freunde von Anna Fricker frotzelten: „Das ist gar keine Studentenbude, das ist eine Luxus-WG.“ Für Stefanie Meilinger stand fest: Ich ziehe zu meiner besten Freundin.

Bleibt noch das dritte Zimmer. Das wollten die beiden Abiturientinnen an einen männlichen Bewohner vermieten. „Damit es keine Zickenkriege gibt“, sagt Anna Fricker lachend. Sie schalteten eine Anzeige im Internetportal „WG-gesucht.de“ und bekamen innerhalb von zwei Tagen rund 20 Anfragen. Das WG-Casting hätte beginnen können („Es waren wirklich sympathische Jungs dabei“), wenn sich nicht der beste Freund der beiden kurzfristig entschlossen hätte, ebenfalls in Regensburg Mathe zu studieren. Damit war die Dreier-WG komplett.

Jetzt wird an der Einrichtung gebastelt. „Dabei ist von Vorteil, dass wir uns so gut kennen und den gleichen Geschmack haben“, sagt Anna Fricker. Flur, Bad und Küche werden gemeinsam gestaltet, das eigene Zimmer bekommt dann eine individuelle Note. Mit rund 1000 Euro rechnen die Studentinnen für die Finanzierung der Möbel. Dafür haben sie nach dem Abi gearbeitet und hoffen auf einen Zuschuss von den Eltern – auch beim Studium. Mit 500 Euro monatlich wollen sie auskommen.

Sie wollten zwar von zu Hause ausziehen, aber dann doch nicht zu weit von ihrer Heimat entfernt sein, damit sie schnell wieder zu Hause sind, wenn das Heimweh nach Mamas Küche überhand nimmt. „Aber kochen können wir alle“, sagt Stefanie Meilinger. Den Ingolstädter Abiturientinnen ist klar, dass die Ingolstädter Präsenz in Regensburg groß ist. „Wir wollen auf alle Fälle andere Leute kennenlernen“, sagt Anna Fricker. Jetzt beherrscht erst einmal die Vorfreude auf eine eigene Wohnung ihr Leben. Untrügliches Indiz für eine erfolgreiche Abnabelung von zu Hause: Eine Waschmaschine wird auch noch gekauft.

Das würde sich Simon Stappen auch wünschen. Der 18-Jährige studiert ab Oktober in München und hat noch keine Bleibe. Seit Wochen klappert er bei seiner Wohnungssuche unterschiedliche Internetportale ab, schaut regelmäßig auf das schwarze Brett seiner Uni, bittet Freunde in München um Mithilfe – bislang alles ohne Erfolg. Folgenden Hilferuf hat er auf die Homepage der TU München gestellt: Ich bin ein 18-jähriger Fast-Student der TU München, Studiengang Technologie- und Managementorientierte BWL und komme aus Ingolstadt. Folglich bin ich auf der Suche nach einem Platz in einer netten und aufgeschlossenen WG oder Zimmer. Ich bin Nichtraucher, stets aktiv, unternehmungsfreudig und lerne gerne Neues kennen. . . Meine Freizeit verbringe ich oft mit Freunden, gehe ins Fitnesscenter oder spiele Computer, mache Party oder lese gemütlich Zeitung. Da ich gern gut esse, koche ich häufig. . . „Wenn ich überhaupt etwas gehört habe, dann waren es Absagen“, sagt der künftige Student. Die seltene Fächerkombination war es, die ihn nach München verschlagen hat. Das Studium in dieser Zusammenstellung gibt es nur noch in Mannheim: Dort hat er mit seinem Abi-Schnitt von 1,6 knapp einen Studienplatz verpasst – eine Wohnung hatte er dort dagegen schon.

In München hat er zwar einen Studienplatz, aber keine Wohnung. 450 Euro pro Monat ist für ihn die Schmerzgrenze, die er für Miete ausgeben würde. „Ich will auf keinen Fall pendeln. Zur Not bezahle ich vorübergehend den Abzocker-Preis von 750 Euro, die private Anbieter für ein 25-Quadratmeter-Zimmer verlangen. Dann muss ich halt den Start in mein Studium teuer bezahlen. Im Sommersemester soll die Lage entspannter sein“, erklärt Stappen. Noch steht die Auslosung einiger Studentenwohnheime aus. „Vielleicht liegt ja in den nächsten Tagen eine Zusage im Briefkasten“, meint er zuversichtlich.

Von Verena Doyé
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