Mittwoch, 21. November 2018
Lade Login-Box.

Die Lust am Philosophieren

Eichstätt
erstellt am 02.08.2011 um 19:05 Uhr
aktualisiert am 20.04.2017 um 10:29 Uhr | x gelesen
Eichstätt (DK) Sie philosophieren für ihr Leben gern. Und genau deshalb sind sie noch bis Freitag in Eichstätt – um in der Sommerschule und in der internationalen Sommerakademie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) über Naturrecht und Menschenrechte zu diskutieren.
Textgröße
Drucken
Eichstätt: Die Lust am Philosophieren
Philosophen unter sich: Martin Groos vom International Office der KU Eichstätt-Ingolstadt, Lucas Danco, Robin Weiß und Prof. Walter Schweidler (von links) diskutieren auch nach den Vorlesungen noch - Foto: Doyé
Eichstätt
Lucas Danco ist 19 Jahre alt und hat vor ein paar Wochen am Wilhelms-Gymnasium in Stuttgart sein Abitur gemacht. Robin Weiß ist 18 und hat dieses Ziel im nächsten Jahr am Franziskanergymnasium in Kreuzburg vor sich. Die beiden haben eine Leidenschaft: Philosophie. In Eichstätt können sie mit 28 weiteren Teilnehmern – Schüler und Abiturienten – an zwölf Tagen in ihrem Hobby schwelgen. Sechs Stunden am Tag hören sie Vorlesungen, führen Diskussionen, arbeiten in Gruppen und vor allem reden über Gott und die Welt.

Rund 400 Gymnasien in Bayern hat Walter Schweidler, Philosophie-Professor an der KU, angeschrieben. 50 Gymnasiasten haben sich mit einer Empfehlung ihres Direktors und einem selber verfassten Motivationsschreiben für zwei Wochen Schule in den Ferien beworben – 30 wurden genommen. Parallel dazu läuft an der KU die internationale Sommerakademie mit Vorträgen auf Englisch. Eine multikulturelle Gruppe mit Studenten unter anderem aus Usbekistan, Pakistan, Italien, Brasilien, Afghanistan, der Ukraine und den USA hat sich hier zusammengefunden. Und das ist fast der größte Schatz, den Danco und Weiß von Eichstätt mit nach Hause nehmen: Kontakte zu Leuten aus aller Welt, die eine große Passion verbindet: die Philosophie. Die treffen bei Seminaren in ganz Deutschland immer wieder aufeinander.

Lucas Danco und Robin Weiß sind begeistert von dem, was in Eichstätt geboten wird – und das alles für nur 140 Euro. Und sie sind erstaunt, wenn man sie fragt, warum sie in ihrer freien Zeit im Hörsaal sitzen. „Darüber habe ich ehrlich gesagt noch gar nicht nachgedacht“, meint Robin Weiß. „Aber ich bin auch einer, der seine Zeit nutzen will.“ Zum Beispiel in der Schule in verschiedenen Ämtern oder bei der Stiftung für politische und christliche Jugendbildung, durch die er erst vor ein paar Monaten bei einem Seminar in Rom auf die Philosophie und auf die Sommerschule in Eichstätt gestoßen ist.

Lucas Danco beschäftigt sich dagegen schon seit der 10. Klasse mit philosophischen Themen. Er findet es schade, dass das Thema an den Schulen viel zu kurz kommt. „Dabei findet man mehr Philosophie im Alltag, als man denkt. Man muss nur die Augen offen halten – und zuhören.“ Auch bei anderen Themen. Zum Beispiel beim gemeinsamen Frühstück mit den internationalen Studenten der Sommerakademie. Danco: „Das ist schon toll, wenn mir ein Student aus Afghanistan erzählt, wie es wirklich in seinem Land zugeht.“ Oder wenn Studenten aus Bulgarien und der West-Ukraine über Russland diskutieren. „Wenn ich gewusst hätte, wie erfolgreich der Austausch zwischen den Schülern und Studenten ist, hätte ich mehr gemeinsame Veranstaltungen auf das Programm gesetzt“, zieht Prof. Schweidler ein vorläufiges Fazit aus den beiden Seminaren, immer mit dem Blick nach vorne, die Synergieeffekte bei den nächsten Sommerschulen zu nutzen.

Die Philosophie soll nach dem Willen des künftigen Präsidenten, Richard Schenk, an der KU gestärkt werden. Im kommenden Wintersemester wird das Studienfach erstmals im Rahmen des Flexiblen Bachelors angeboten. Mit den beiden philosophischen Sommerangeboten will Schweidler sein Fach und die katholische Universität über die Grenzen Bayerns hinaus bekannt machen. Nötig ist das, denn vorerst hat die Philosphie erst einen Master-Studenten.

Für Robin Weiß ist Eichstätt sozusagen der Nabel der Welt: „Ich komme aus einem kleinen Dorf und Eichstätt ist für mich eine richtig große Stadt. Die romantische Altmühl und die barocken Bauten ...“ Er könnte sich durchaus vorstellen, hier zu studieren. Aber nur, wenn es mit Plan A nicht klappt. Sein Berufswunsch, der an erster Stelle steht: Pilot bei der Lufthansa. Und Lucas Danco hat vor drei Tagen die Zusage für einen Studienplatz in Heidelberg in Jura bekommen. Philosophische Gedanken, so sind sie fest überzeugt, können in jedem Beruf mit einfließen.

Von Verena Doyé
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!