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Die Querdenker an der WFI

Ingolstadt
erstellt am 01.12.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 20.04.2017 um 10:26 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Unternehmensberater sind Querdenker – steht provokativ auf der Internetseite von Project e.V. Seit zwölf Jahren denkt die studentische Unternehmensberatung der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät (WFI) der KU Eichstätt-Ingolstadt quer – für Unternehmen jeder Größenordnung.
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Ingolstadt: Die Querdenker an der WFI
Da geht’s lang: Die Vorsitzenden der studentischen Unternehmensberatung Project e.V., Sören Günther, Rebecca Koch und René Biller (von links), tauschen sich in der Cafeteria de WFI über das neueste Projekt aus. - Foto: Doyé
Ingolstadt
Obwohl Rebecca Koch, René Biller und Sören Günther erst im dritten Semester Betriebswirtschaftslehre an der WFI studieren, sind sie schon im Vorstand eines Unternehmens. Die drei BWL-Studenten stehen an der Spitze von Project e.V., der größten Studentenorganisation an der WFI. 20 Studenten aus Ingolstadt organisieren den Verein, sichten Angebote von Unternehmen und erarbeiten Beratungsmöglichkeiten. Momentan laufen fünf Projekte. "Das ist viel", beurteilt die 1. Vorsitzende des Vereins, Rebecca Koch, die gegenwärtige Situation.

Mit den drei bewusst ausgewählten Schwerpunkten Marktforschung, Marketing und Logistik will sich die WFI-Beratung von anderen Beratungsfirmen abgrenzen. Koch: "Warum sollten Unternehmen auf uns zurückgreifen" Die Firmen haben bisher gute Erfahrungen mit der studentischen Beratung aus Ingolstadt gemacht. Die Werbung erfolgt meist durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Sören Günther, der für die Finanzen bei Project e.V. zuständig ist: "Einer Firma hat zum Beispiel unsere Homepage so gut gefallen, dass sie auf uns zugekommen ist." Das Klientel reicht vom Kleinunternehmen bis zum Großkonzern.

Und so läuft es ab: Die Firmen wenden sich mit einer Anfrage an die WFI-Beratung. Stimmen die Vorstellungen der Unternehmen mit denen der WFI überein, kommt es zum Vertragsabschluss. Danach stellt Project e.V. ein passendes Team zusammen. Eine hochschulinterne Ausschreibung erfolgt, die Bewerbungen werden gesichtet und die geeigneten Kandidaten ausgesucht. "Teilweise sprechen wir auch Master-Studenten, die auf das jeweilige Gebiet spezialisiert sind, direkt an," erklärt Rebecca Koch. Zwei Studenten von der benachbaren Ingolstädter Fachhochschule bringen ihr Wissen als angehende Wirtschaftsingenieure ein, sind jetzt aber bei der neu gegründeten FH-Beratungsfirma tätig. Die Aufgaben der WFI-Beratung liegen meist im Bereich Marktforschung. Die Studenten formulieren Fragen, führen Interviews, werten die Antworten aus und fertigen Statistiken an – immer im engen Kontakt zu den Unternehmen.

Die Arbeit in dieser Unternehmensberatung bringt für alle einen Gewinn: Die Studenten, die den Zuschlag für ein Projekt bekommen, verdienen sich ein paar Euro nebenbei. Die Mitglieder von Project e.V. erleben bei ihrer Arbeit, wie eine Unternehmensberatung funktioniert, und was es heißt, Mitarbeiter zu motivieren und zu führen. René Biller hat zum Beispiel gerade ein Projekt, bei dem er 16 Mitarbeiter bei der Stange halten muss. "Das ist eine gute Erfahrung für den späteren Beruf. Man lernt die Struktur eines kleinen Unternehmens kennen", meint er. Die drei können sich durchaus vorstellen, später einmal in eine Unternehmensberatung einzusteigen. Bei einem Workshop lernten sie den Beruf schon einmal einen Tag in einer großen, namhaften Unternehmensberatung in München kennen. Sie profitieren außerdem von den Erfahrungen der WFI-Alumni, die zu Studentenzeiten ebenfalls bei Project e.V. aktiv waren, und bei einer Info-Veranstaltung von ihren ersten 100 Tagen bei einer professionellen Beratung berichteten.

Die Mitglieder von Project e.V. arbeiten ehrenamtlich, wobei ihr Engagement manchmal 20 Wochenstunden übersteigt. "Es ist so etwas wie ein Halbtagesjob", meint René Biller, und Rebecca Koch ergänzt: "Die Unternehmen nehmen natürlich keine Rücksicht darauf, ob gerade Prüfungszeit ist." Dann schiebt sie Sören Günther noch ein paar Rechnungen rüber. Als gelernter Bankkaufmann ist er für den Posten des Finanzvorstands geradezu prädestiniert, muss die Steuererklärung machen und die Gemeinnützigkeit des Vereins nachweisen.

Wie so oft ist auch bei dieser studentischen Organisation das kurze Bachelor-Studium ein Problem. Deshalb sollte man nach Meinung der Project-Mitarbeiter schon im ersten Semester bei der Beratung einsteigen, im dritten Semester eine Funktion übernehmen, weil im fünften Semester Auslandsaufenthalte anstehen, und nach dem sechsten Semester ist schon Schluss mit dem Studium.

Von Verena Doyé
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