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Rauchen aufhören: Wasser trinken, Obst essen, Zähne putzen

erstellt am 02.06.2015 um 14:41 Uhr
aktualisiert am 13.07.2015 um 17:42 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (dk) Unsere Telefonaktion zum Weltnichtrauchertag hatte eine tolle Resonanz. Die Berater der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung waren fast ununterbrochen im Gespräch. Hier die häufigsten Fragen und die Antworten zu Thema: Wie werde ich zum Nichtraucher?
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Angesichts von 700.000 Toten im Jahr durch das Rauchen sucht die Europäische Union nach Wegen, besonders junge Menschen vom Griff zur Zigarette abzuhalten. EU will junge Leute vom Rauchen abhalten
Angesichts von 700.000 Toten im Jahr durch das Rauchen sucht die Europäische Union nach Wegen, besonders junge Menschen vom Griff zur Zigarette abzuhalten.
© 2013 AFP
Die Raucherei will ich unbedingt aufgeben. Aber wie ich morgens ohne die Zigarette zum Kaffee klar kommen soll, ist mir nicht völlig schleierhaft. Haben Sie eine Idee?

Ich rate Ihnen, das morgendliche Ritual so grundlegend zu verändern, dass die Zigarette darin keinen Platz mehr hat: Vielleicht gehen Sie gleich nach dem Aufstehen an die frische Luft oder essen einen Apfel? Vielleicht kommen Sie auch mit lockerer Morgengymnastik, mit wechselwarmen Duschen oder mit rhythmischer Musik in Schwung? Überlegen Sie, was für Sie passt. Vielleicht schreiben Sie es auf, damit es zur Hand ist, wenn es ernst wird.

Muss ich denn morgens auch auf den Kaffee verzichten?

Wenn Sie immer zum Kaffee geraucht haben, dann wird Ihnen die Entwöhnung leichter fallen, wenn Sie in der ersten Zeit als Nichtraucher vielleicht auf schwarzen oder grünen Tee oder Kakao umsteigen. Es geht darum, dem Gehirn das Nichtrauchen nicht zusätzlich dadurch zu erschweren, dass ihm regelmäßig Auslösereize für Rauchverlangen - wie etwa der genannte Kaffee oder auch mit dem Rauchen verknüpfte Orte - präsentiert werden. Vielleicht können Sie Ihr Heißgetränk in einen anderen Raum oder an einem anderen Platz zu sich nehmen oder die Tasse austauschen. Wenn Sie auf den Kaffee gar nicht verzichten können, dann konzentrieren Sie sich ganz bewusst auf den rauchfreien Genuss. Denn Nichtraucher haben viel intensivere Geschmackserlebnisse als Raucher.

Sollte ich vor dem Stopp-Tag die restlichen Zigaretten wegwerfen?

Ja, machen Sie Ihre Wohnung zu einer rauchfreien Zone. Entsorgen Sie dafür alle Utensilien, die Sie mit dem Konsum einer Zigarette verbinden. Sie können auch Ihre Kleidungsstücke, Gardinen und Kissenbezüge waschen, um sie vom Rauchgeruch zu befreien. Besorgen Sie reichlich Dinge, um Ihre Hände zu beschäftigen, z. B. Murmeln oder einen Knetball. Kaufen Sie Kaugummis, zuckerfreie Bonbons oder Obst und Gemüse, das Ihnen schmeckt, denn in einem vollen Mund hat die Zigarette keinen Platz.

Hilft es, wenn ich die letzte Zigarette, die ich rauche, so richtig zelebriere?

Es kann den endgültigen Schluss betonen, wenn man den Abschied vom Rauchen feiert. Kaufen Sie sich frische Blumen oder gestalten Sie die einstige Raucherecke in ihrer Wohnung um. Mancher zerschneidet auch die restlichen Zigaretten in der Schachtel oder verbrennt sie in einem Lagerfeuer. Egal wie - versuchen Sie, Ihrem Stopp-Tag eine besondere Bedeutung zu geben.

Wie kommt man am besten mit den Entzugserscheinungen klar?

Stellen Sie sich darauf ein und denken Sie daran, dass Entzugserscheinungen ein normales Zeichen der Tabakentwöhnung sind. Die körperlichen Entzugssymptome, wie erhöhte Reizbarkeit, Müdigkeit oder starkes Rauchverlangen, können Sie durch Nikotinersatzstoffe abmildern. In der Apotheke bekommt man Nikotinpflaster, -kaugummi, -lutschtabletten oder -spray. Beachten Sie genau die Gebrauchshinweise auf dem Beipackzettel und lassen Sie sich beraten, welches Präparat und welche Stärke für Sie optimal sind. Außerdem hilft Bewegung gegen Entzugserscheinungen – das haben Studien zeigen können. Und praktischerweise erhöhen regelmäßige Bewegungseinheiten auch noch das allgemeine Wohlbefinden.

Ich rauche schon dreißig Jahre, habe weder Husten noch andere Atemprobleme. Was soll die Entwöhnung noch bringen?

Es sind nicht nur die Atemwege, die durch das Rauchen Schaden nehmen. Raucher haben zum Beispiel ein extrem erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ein 60-jähriger Raucher weist das Herzinfarktrisiko eines 79-jährigen Nichtrauchers auf. Studien belegen, dass Raucher im Durchschnitt zehn Jahre früher als Nichtraucher sterben. Ein Rauchausstieg lohnt sich in jedem Alter. Das Risiko für einen Herzinfarkt und für einen Schlaganfall ist bereits während der ersten fünf Jahre nach der letzten Zigarette um mehr als 40 Prozent niedriger.

Bei mir wurde eine Herzschwäche diagnostiziert. Kann ich trotzdem bei der Raucherentwöhnung Tabletten mit dem Wirkstoff Vareniclin nehmen?
 
Besprechen Sie das Vorgehen bei der Entwöhnung mit Ihrem Arzt. Aufgrund der möglichen Nebenwirkungen sollte das Verhältnis von Nutzen und Risiko sorgfältig abgewogen werden. Außerdem: Es gibt zahlreiche nichtmedikamentöse Rauchstopp-Methoden. Unter www.rauchfrei-info.de finden Sie zum Beispiel ein interaktives Ausstiegsprogramm, unter www.anbieter-raucherberatung.de einen Überblick über Gruppenkurse in Wohnortnähe. Wenn Sie möchten, begleiten wir Sie auch gern telefonisch bis zu vier Wochen bei Ihrem Rauchausstieg.

Bei meinem letzten Aufhörversuch haben mich die Gedanken an eine Zigarette völlig verrückt gemacht. Schließlich fing ich wieder an. Wie kann man diese Gedanken verscheuchen?

Zunächst einmal sollten Sie wissen, dass Verlangensattacken in der Zeit nach dem Rauchstopp völlig normal sind und nicht als Willensschwäche ausgelegt werden sollten. Entspannungs- und Meditationsübungen können helfen, sich auf etwas anderes zu konzentrieren - auf die eigene Atmung zum Beispiel - und dadurch zur Ruhe zu kommen. Oder Sie lenken sich ab - am besten mit Tätigkeiten, bei denen Sie unmöglich rauchen können, wie Wasser trinken, Obst essen, Zähne putzen … Sie können sich einen „Notfallzettel“ mit ein paar „Ablenkungsmanövern“ zulegen. Vielleicht hilft Ihnen auch ein Satz, wie: „Gedanken kommen, Gedanken ziehen aber auch weiter“.

Ich habe schon ein paar Mal versucht, das Rauchen zu lassen, bin aber - wenn ich mit Kumpels abends beim Bier saß - rückfällig geworden. Wie kommt man aus der Nummer raus?

Alkohol kann zu einem echter Gegner bei der Raucherentwöhnung werden. Erstens reduziert er die Kontrollfähigkeit. Man kann sich viel schwerer „zusammenreißen“, wenn man Lust auf eine Zigarette bekommt. Zweitens ist beim Konsum von Alkohol der Griff zum Glimmstängel oft „einprogrammiert“, denn in der Zeit des Rauchens waren die beiden oft ein Duo. Drittens sind alkoholische Getränke äußerst kalorienhaltig, was es Exrauchern erschwert, nicht zuzunehmen. Man kann sich den Ausstieg viel leichter machen, wenn man in der Anfangsphase auf Alkohol verzichtet.
 
 

Das Beratungstelefon für Rauchentwöhnung der BZgA erreichen Sie von Mo-Do. 10-22 Uhr, Fr-So. 10-18 Uhr unter 0800/831 31 31 (kostenfreie Nummer).
 

Informationen im Internet


   www.rauchfrei-info.de   , mit interaktivem Ausstiegsprogramm und „Rauchfrei-Lotsen“ (Unterstützung von Ex-Rauchern)

www.rauchfrei-programm.de, Gruppenkursen in Wohnortnähe, Kostenerstattung.
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