Maria Lorenz ist eine Podcasterin aus Berlin.
Maria Lorenz ist eine Podcasterin aus Berlin. Sie produzierte den Achtteiler "Dunkle Heimat" über den Fall Hinterkaifeck.
@manslayer
Schrobenhausen
Und er tut es noch, denn die Geschichten über den bis heute unaufgeklärten Sechsfachmord vor den Toren Schrobenhausens kann man nach wie vor im Internet anhören. Der Regisseur und Moderator, Berni Mayer, kam an dieser Stelle schon zu Wort, nun zieht auch die Initiatorin, Maria Lorenz, Bilanz.

 

Frau Lorenz, wo ist Ihnen Hinterkaifeck eigentlich begegnet?

Maria Lorenz: Ich bin vielleicht zu weit im Norden aufgewachsen, um den Fall zu kennen. Ich habe tatsächlich das erste Mal davon gehört, als ich mit Ruben Schulze-Fröhlich von Antenne Bayern über die Zusammenarbeit sprach. Danach war ich aber täglich wieder überrascht, wie viele Menschen dieser Fall noch bewegt. Und auch in meinem Freundes- und Familienkreis begannen einige Augen zu leuchten, nachdem ich den Fall das erste Mal erwähnt hatte. Nun wird er mich sicher für immer irgendwie begleiten.

 

Was reizt Sie an dem Fall besonders?

Lorenz: Mich reizt an dem Fall weniger die Aufklärung - obwohl das natürlich auch wahnsinnig spannend ist -, sondern eher wie und warum er bis heute die Menschen bewegt. Und zwar so sehr, dass es fast 100 Jahre später eine eigene Ausstellung über Hinterkaifeck im Bayerischen Armeemuseum gibt, dass es immer noch gut gebuchte Nachtwanderungen zum Tatort und eine wahnsinnig aktive Community im Internet gibt. Das ist doch das wirklich Spannende! Was macht dieser Fall mit den Menschen und wir schaffen wir es, ihn noch mal lebendig und anfassbar zu machen - auch für die, die bis heute noch nichts darüber gehört haben?

 

Wie kam es zu der Umsetzung in Form eines Podcasts?

Lorenz: Ich finde, es ist ein naheliegendes Medium dafür. Es ist eine gute Mischung aus Freiheit und Flexibilität, mit der man so eine Reise ohne klaren Ausgang starten konnte. Da es sich für viele Menschen immer noch um ein sensibles Thema handelt, ist Audio sehr gut, da es weniger übergriffig und etwas entspannter ist als ein visuelles Medium. Dabei meine ich auch die Aufnahmesituation. Ein kleines Mikro auf dem Tisch schüchtert weniger ein als ein Kamerateam mit Beleuchtung und allem. Trotzdem kommen die Menschen mit ihren eigenen Stimmen zu Wort, und wir interpretieren sie nicht auf unsere Weise mit einer Schriftversion, wie für ein Buch oder eine schriftliche Reportage. Bleibt also Audio - da wiederum ist Podcast in dem Fall passender als Radio, weil es uns auch eine gewisse zeitliche Freiheit gegeben hat. Wir haben die Geschichte, den Fall, die Länge bestimmen lassen. Wir haben die Menschen und Hinterkaifeck ausreden lassen. Dadurch kamen am Ende acht Folgen dabei heraus, und die hatten unterschiedliche Längen. Zusätzlich konnte man mit Musik, Sounds und Schnitten natürlich auch die Hörer im Hinterkopf haben, um diese Geschichte noch zugänglicher und interessanter zu gestalten, ohne sie zu sehr zu beschneiden. All diese Faktoren zusammen machen Podcast zum perfekten Medium für "Dunkle Heimat - Hinterkaifeck".

 

Gab es Hörerreaktionen, die Sie verblüfft haben?

Lorenz: Eigentlich nicht. Wir wussten von Anfang an, dass es ein sehr emotionales Thema für einige sein würde und waren auf alles vorbereitet. Nicht umsonst gibt es immer noch eine sehr aktive Community - weil sie sich immer noch reibt, weil es immer noch Diskussionspotenzial gibt. Berni (Mayer), Nilz (Bokelberg) und ich haben immer versucht, alle Perspektiven zu Wort kommen zu lassen, daher fielen die Reaktionen eigentlich recht friedlich aus. Insgesamt sogar sehr positiv. Ich kann immerhin sagen, dass das nach all den Jahren der erste Podcast ist, den ich produziert habe, den meine Eltern komplett gehört haben und sehr mochten. Vielleicht war das für mich die schönste Hörerreaktion!

 

Es ist ja zuletzt schon von einer Fortsetzung die Rede gewesen, können Sie jetzt schon mehr dazu sagen?

Lorenz: Aktuell sind wir in Gesprächen für eine zweite Staffel - ob und wie und was das sein wird, kann man noch nicht sagen.

 

Und welche Mordtheorie halten Sie selbst als am wahrscheinlichsten?

Lorenz: Das ist für mich, als würden sie mich fragen, was mein Lieblingslied der Beatles ist. Das ändert sich täglich nach Form, nach Laune, nach dem Wetter. Genau so war es die ganze Reise über für mich mit den Theorien rund um Hinterkaifeck. Wir haben alle Ernst genommen und gehört. Am Ende würde es mich nicht mehr wundern, wenn es doch Aliens waren . . .

Die Fragen stellte Mathias Petry
 

Zur Person

Die Berlinerin Maria Lorenz hat Amerikanistik studiert und kam dabei mit Podcasts in Berührung. Nach und nach arbeitete sie sich in die Thematik ein und produziert inzwischen seit Jahren erfolgreich Reportagen zum Anhören im Internet.

Zusammen mit Berni Mayer, Nilz Bokelberg und anderen produzierte sie für Antenne Bayern einen achtteiligen Podcast über den Fall Hinterkaifeck. Der Titel: "Dunkle Heimat". Die Reihe stürmte die deutschen Podcast-Charts und faszinierte die Hörer im In- und Ausland.