HERRNBRÄU

 

Eine Zinsurkunde aus dem Jahre 1527 erwähnt die Herrnbrauerei erstmals als Brauhaus. Zu dieser Zeit befand sich diese Sudstätte noch auf dem kaum besiedelten Areal des ab 1576 erbauten Jesuitenkollegs (Ecke Konvikt-/Jesuitenstraße). Demnach ist die These, dass die Wurzeln der 1966 regenerierten Traditionsmarke Herrnbräu vermutlich zur Zeit der Verkündigung des Reinheitsgebotes längst Bestand hatte, sicher zutreffend. Im ältesten noch erhaltenen Ingolstädter Brunnenbuch von 1590 ist in der Fischergasse (heute Tränktorstraße, Gasthof Anker) der Bierbrauer Matthias Ponschab (Schreibweise mit P) als Herrnbräu verzeichnet. Nach dem Abzug der Ingolstädter Universität um 1800 verlegten nachfolgende Generationen der Bonschabs (nun mit B) 1817 den Herrnbräu von der Tränktorgasse in das zu einer Braustätte umgebaute Georgianum an der Max-Schul-Gasse (Hohe-Schul-Straße). 1873 schlossen sich die zwei leistungsfähigen Braubetriebe, der Herrnbräu des Johann Högner sowie der Danielbräu von Joseph Bonschab, zur neuen Aktienbrauerei Ingolstadt zusammen.

 

SCHÄFFBRÄU

 

 

Die: Technischer Fortschritt zwingt zu Fusionen
Bierlieferungen an die Garnison ermöglichten um 1900 den Aufstieg von Schäffbräu zu einem großen Familienbetrieb. ‹ŒLitho: Sammlung Fegert
Der Ursprung des bis 2011 bestehenden Ingobräu geht in das Jahr 1507 zurück. Nachweislich erwarb 1613 Lorenz Schöffer aus Oberarnbach die Brauerei und nannte diese Schöfferbräu. Bis die aus Feldkirchen stammende Witwe, Maria Kreszenz Hollweck die Braustätte 1837 erwarb, zeichnete sich ein häufiger Wechsel an Besitzern ab. Dann war der Schäffbräu ohne Unterbrechung über sieben Generationen in Hollweck'schem Besitz. Bis 1883 braute die Schäffbrauerei als kleine Hausbrauerei ausschließlich für den Eigenbedarf. Dann erlebte die Braustätte unter Emmeran Hollweck infolge von Bierlieferungen an die Ingolstädter Garnison einen bemerkenswerten Aufschwung. Im Jahre 1900 errichtete Hollweck an der Sommerstraße eine völlig neue Braustätte, die später sogar noch auf die Harderstraße ausgeweitet werden musste. Die Brauereigaststätte Schäffbräuhaus wurde noch bis zum Abriss Ende der 1970er Jahre aufrechterhalten. Nach der Übernahme durch Michael und Theo Hollweck im Jahre 1919 folgten diese dem damaligen Trend, indem sie den Rappensbergerbräu und den Koboldbräu übernahmen und stilllegten. Nach einem Namensstreit in den 1970er Jahren hieß der Schäffbräu für einige Zeit Schöffbräu. 1978 ging die Brauerei als Erbe an die Familien Dittmar und Lang über, wobei die Umbenennung in Ingobräu erfolgte. 2011 endete für die einst älteste aktive Brauerei Ingolstadts infolge einer Insolvenz die knapp 500-jährige Braugeschichte. Mit den Abbrucharbeiten begann auf dem einstigen Brauereiareal ein neuer Abschnitt, und es entstand dort im Anschluss das Altstadtquartier Ingohöfe.

 

AKTIENBRAUEREI

 

Nach dem Ende des Ingolstädter Festungsbaues trat auch bei den einst 30 ansässigen Brauereien ein empfindlicher Absatzrückgang ein. Der Fortschritt durch Dampfmaschinen und Kühlaggregate erforderte auch neue Wege im Brauwesen. Kleinere Brauereien konnten kaum noch investieren, weshalb sich in Ingolstadt die erste größere Welle von Schließungen abzeichnete. Bis 1876 blieben knapp 20 Braustätten erhalten. 1868 wurde ein neues Gesetz zur Gründung von Kapitalgesellschaften erlassen. Danielbräu (Bonschab) und Herrnbräu (Högner) reagierten darauf zukunftsweisend und schlossen sich Anfang 1873 mit der Aktienbrauerei Ingolstadt zur ersten Ingolstädter Aktiengesellschaft zusammen, wodurch eine Braukapazität von 25 000 Hektoliter erreicht wurde. Diese Struktur mit fünf weiteren Braubetrieben behauptete sich bis Ende 1899 erfolgreich auf dem Markt, dann fusionierte die Aktienbrauerei mit dem Bürgerlichen Brauhaus.

 

BÜRGERLICHES BRAUHAUS

 

Durch den Zusammenschluss des Schwabenbräu mit dem Schmalzingerbräu, beide im Besitz von Jakob Engl, entstand am 4. September 1882 unter Aufrechterhaltung beider Braubetriebe als zweite Ingolstädter Aktiengesellschaft, das Bürgerliche Brauhaus. 1899 fusionierte dann die weitaus größere Aktienbrauerei mit dem Bürgerlichen Brauhaus. Durch diese Verschmelzung war eine beachtliche Großbrauerei entstanden, was die Errichtung einer neuen, modernen Brauanlage erforderte. Die neue Sudstätte entstand auf dem von der Aktienbrauerei mit eingebrachten Krebsgartenareal an der Neubaugasse (heute Heilig-Geist-Spital). Die Anlagen des Daniel- und Schmalzingerbräu wurden zu Mälzereien umgebaut. Das Verwaltungsgebäude dagegen befand sich bis 1964 im Anwesen des ehemaligen Herrnbräu (Georgianum). Bis 1919 brachten sich noch sieben alteingesessene Ingolstädter Braubetriebe in die AG ein. Letztendlich übernahm 1929 das "Bürgerliche" auch das Weißbräuhaus. In der Zeit von 1964 bis 1974 siedelte der Braubetrieb, der seitdem als Herrnbräu firmierte, etappenweise in das neue Gewerbegebiet an der Manchinger Straße über.

 

NORDBRÄU

 

Seit 1569 wurde im Hofmarkbrauhaus des Schlossgutes zu Oberhaunstadt Hegnenberger-Bier gebraut und ab 1693 stellten dort die Jesuiten Braunbier her. Der Name Wittmann ist jedoch seit 1822 ununterbrochen mit der Oberhaunstädter Brauereigeschichte verbunden. So pachtete Simon Wittmann zunächst das Gut nebst Brauerei, schon elf Jahre später konnte er das Schlossgut erwerben. Binnen kürzester Zeit schuf er aus dem einst maroden Staatsbetrieb eine leistungsfähige Brauerei. Im Jahre 1848 übernahm sein Sohn Xaver die Braustätte und ab 1886 war dessen Sohn August der Brauherr. Auch die Wittmanns folgten dem damaligen Trend der Fusionierungen. Der Ziegelbräu ging bereits 1865 an die Oberhaunstädter Brauerei über und der Lindermeierbräu folgte im Jahre 1871. In den 1930er Jahren zählten bereits fünf weitere Wirtshäuser zur Gutsbrauerei. So wurde die Herstellung des Gerstensaftes über mehrere Generationen hinweg von der Familie Wittmann bis in unsere Gegenwart erfolgreich getätigt. Mit der Eingemeindung der eigenständigen Gemeinde Oberhaunstadt 1972 erfolgte auch die Umfirmierung der Brauerei Oberhaunstadt in Nordbräu. Seitdem behauptet sich der Betrieb als einzig verbliebene Ingolstädter Privat-Brauerei auf dem umkämpften Markt.