Zumal diese Staatsform speziell für die CSU schon einen gewaltigen Wohlfühlfaktor innehatte. Die CSU sieht sich einer völlig neuen Dimension entgegengesetzt. Zwar waren die Christsozialen schon 2008 bis 2013 in einer Koalition mit der FDP. Aber das war natürlich keine Koalition in dem Sinne aus Sicht der CSU. Die Liberalen waren eher Platzhalter, während die CSU sich regenerierte.
 
Doch nun ist alles anders. Galt der Zweikampf zwischen Horst Seehofer und Markus Söder noch als Generationenkonflikt, firmiert der Abwärtstrend der Partei jetzt als Degenerationskonflikt. Sollte nach der Wahl von der Fraktion eine Neugestaltung angeregt werden, wird manch einer den Neustart mit Söder und manch anderer ohne Söder bewältigen wollen. Das wäre dann schon wieder eher ein Regenerationskonflikt, weil unterschiedliche Strömungen unterschiedliche Wege gehen wollen bei der Wiederauferstehung. 
Die FDP schickt sich derweil  an, wieder in den Landtag einzuziehen. Und bringt womöglich der Fairness halber auch gleich die Linken mit als Korrektiv. Für Markus Söder ist das natürlich sehr ärgerlich, weil dadurch die Regierungsbildung nicht gerade leichter wird. Hätte der Ministerpräsident einen Wunsch frei, würde er sich ziemlich sicher für SPD, FDP und Linke jeweils 4,99 Prozent wünschen. Damit wäre der Weg frei für eine Zweier-Partnerschaft mit den Freien Wählern. Die Aiwanger-Truppe besteht aus drei Hauptblöcken: Die einen haben es in der CSU zu nichts gebracht. Die anderen wollen der CSU eins auswischen. Die ganz anderen wollen der CSU eins auswischen, weil sie es in der CSU zu nichts gebracht haben.
 
Nur sind die Prognosen für die FDP und die Linke nicht so schlecht. Am ehesten traut man  momentan der SPD zu, unter fünf Prozent zu landen. Jetzt tut auch noch die Bundes-SPD alles Menschenmögliche, um den bayerischen Sozialdemokraten das ohnehin spärliche Wasser abzugraben.  Und zwar fordert die SPD in Berlin,  Bundeskanzlerin Angela Merkel möge entweder den Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen rausschmeißen oder die große Koalition ist am Ende. 
Fazit: Entweder hat die SPD kein Mitleid mit der Bayern-SPD. Oder die SPD weiß nicht, dass es eine Bayern-SPD gibt.