Das ist jetzt weniger überraschend. Schritt eins war ja die Zustimmung der darbenden SPD zur Teilnahme an der Großen Koalition. Und die Mimik und Gestik des Zwischendurch-SPD-Chefs Olaf Scholz sprach nicht Bände, sondern ganze Bibliotheken.

Sein Gesicht beim Verkünden der frohen Kunde verriet eine Euphorie sondergleichen. Als Zuschauer dachte man automatisch: Entweder tut es unheimlich weh, diese Koalition einzugehen. Oder er steht gerade barfuß auf Reißnägeln. Wer dies als Höhepunkt der Demokratielust empfand, mag sich gewundert haben, dass Merkel noch eine gewaltige Schippe drauflegen konnte in puncto Begeisterungsfähigkeit.

Bei der Vereidigung sah man nicht eine vor Tatendrang strotzende Politikerin, sondern eher eine Frührentnerin, die drei Minuten vorher ihren Hamster beerdigt hat und sich nun nach dem Sinn des Weiterlebens fragt. Wenn das Aufbruchstimmung sein soll, rätselt man als Normalsterblicher, wie Abbruchstimmung ausschauen könnte.

Wahrscheinlich hatte Merkel den beiden Regierungsfraktionen gesteckt, dass sie eigentlich null Bock auf den ganzen Politikbetrieb hat. Das würde erklären, warum die geheime Kanzlerwahl zum furiosen Erfolg wurde: Tatsächlich haben mehr als die Hälfte der Abgeordneten für Merkel gestimmt. So viel Gehässigkeit war selten im politischen Berlin. Als wollten sie die Bundeskanzlerin dafür bestrafen, dass sie beide Volksparteien sauber geschreddert hat in den letzten Jahren.

Dementsprechend begann die SPD die Regierungsarbeit mit einem richtigen Gewinnerthema: Werbung für Abtreibung. Da jubelte natürlich die eher bodenständige Volksseele. Immerhin konnte die SPD damit zeigen, dass sie jederzeit in der Lage ist, der Kanzlerin Tiefschläge zu verpassen. So nach dem Motto: Wer mit Sozialdemokraten regieren will, muss auch leiden. Gerade noch schaffte es die Fraktionschefin Nahles, ihre Leute bei dieser Großattacke auf die Union auszubremsen.

Was natürlich die SPD wieder als einen Haufen armseliger Rückzieher dastehen lässt. Was wiederum andere SPD-Granaten in Wallung bringt. Die Nahles-Stellvertreterin Eva Högl bezeichnete die Unionisten daraufhin als widerliche Lebensschützer. Wenn das der Anfang der Koalition ist, ahnt man schon das Ende.