Freitag, 18. Januar 2019
Lade Login-Box.

 

09.09.2010 00:37 Uhr | x gelesen
    Drucken Text vergrößern

Vom Regen und Jetlag geplagt


An meinem zweiten Tag bin ich durch das Plätschern vom Regen auf dem Fensterbrett geweckt worden. Ich dachte, es ist ein kurzer Schauer und machte mich auf den Weg in die Stadt, denn ich hatte wieder einiges vor.

Zojoji-Tempel mit Tokyo Tower
Zojoji-Tempel mit Tokyo Tower: Früher war Zojoji der Familientempel der Tokugawa-Shogune
sebastian.kranz
Heute bin ich zum Tokyo-Tower im Süden der Stadt gefahren. Dieser bringt die japanische Imitierfreude deutlich zum Ausdruck, denn er ist ein Nachbau des Eiffelturms. Er ist lediglich zur Flugsicherheit rot-weiß gestreift und ein paar Meter höher. Auf dem Weg von der U-Bahnstation bin ich noch am Zojoji-Tempel vorbei gekommen. Einer der im Vergleich mit Kyoto wenigen Tempel in Tokio. Zojoji war der Familientempel der Tokugawa-Shogune und war vom 16. bis zum 19. Jahrhundert das geistige Zentrum der buddhistischen Schulrichtung.

Tokyo-Tower
Japanische Imitierfreude: Der Tokyo-Tower sieht bis auf die rot-weiße Bemalung aus wie der Eiffelturm
sebastian.kranz
Beim Tokyo-Tower angekommen, fuhr ich zunächst auf die Haupt-Aussichtsplattform auf 150 Meter Höhe. Hier hatte man eine hervorragende Sicht auf die nähere Umgebung. Zudem waren noch Glasplatten im Boden eingelassen, die einen beeindruckenden Blick aus dieser Höhe boten. Nach kurzer Zeit der Überwindung habe ich mich sogar getraut, auf sie zustellen. Als ich die Aussicht von dieser Plattform ausreichend genossen hatte, wollte ich noch höher hinaus. Also kaufte ich mir ein Ticket zur Spezial-Aussichtsplattform, die auf einer Höhe von 250 Metern liegt. Doch leider war der Ausblick durch den Regen und die tief hängenden Wolken auch nicht viel besser als vorher. Trotzdem machte ich das Beste draus. 

Fleischpflanzerl
Mein Mittagessen: Japanisches Fleischpflanzerl mit Reis, Miso-Suppe und eingelegtem Meerrettich (lila).
sebastian.kranz
Wieder unten angekommen, wollte ich eigentlich in den nahe gelegenen Hamarikyu-Garten,  doch der Regen wurde immer stärker. Deshalb änderte ich meinen Plan und fuhr zur Tokyo Station, dem Hauptbahnhof von Tokio. Dort gibt es ein riesiges Kaufhaus und Restaurants. Nach kurzer Bummelei bin ich hungrig geworden und hatte nun die Qual der Wahl: rund 20 Restaurants auf zwei Etagen, die alle unterschiedliche japanische Gerichte anboten. Doch welches war das Richtige für mich?
 
Ich konnte die Speisekarten nicht lesen, und obwohl einige Restaurants ihre Speisen als Plastikmuster ausstellen, wusste ich  trotzdem nicht, wie sie schmecken. Nach einiger Grübelei habe ich mich einfach ins nächste Lokal gesetzt und irgendetwas bestellt. Und was kam? Ein japanisches Fleischpflanzerl! Dazu Reis, Miso-Suppe und eingelegter Meerrettich. Aber gut war‘s.
 
Beim Essen ist mir auch die sehr höfliche Art der japanischen Kellner aufgefallen. Alle fünf Minuten wurde mein grüner Tee mit einer sehr tiefen Verbeugung und Höflichkeitsfloskeln kostenlos aufgefüllt, so dass es mir fast peinlich wurde. Und dann nehmen die Japaner nicht einmal Trinkgeld an...

Shibuya
Die meist gefilmte Kreuzung der Welt in Shibuya
sebastian.kranz
Nach dem Essen hat es mich ins glitzernde Shibuya getrieben. Hier befindet sich die meist gefilmte Kreuzung der Welt. Neben den Megabildschirmen, die an fast jeder Hauswand hängen, sehen die Fußgänger wie kreuz und quer laufende Ameisen aus, wenn hier die Ampeln auf Grün schalten. Heute waren es welche mit Regenschirm, denn es goss noch immer. Doch ich habe mich trotzdem in das Epizentrum der japanischen Jugend gewagt und schlenderte durch das Kitsch- und Entertainment-Paradies. 
 

Als meine Augen und Ohren überreizt waren und mich der Jetlag ein wenig plagte, habe ich den Heimweg zur Ueno-Station angetreten, wo ich noch beim Hardrock-Cafe vorbeigeschaut habe. Bei der halbstündigen Fahrt sind mir durch die anstrengende Metropole und den Zeitunterschied ständig die Augen zugefallen. Aber ich war nicht der Einzige. Mir kommt's so vor, als ob jeder zweite Japaner beim U-Bahnfahren schläft. Kaum haben sie sich hingesetzt, schließen sich die Augenklappen und die Köpfe fangen an, sich nickend zu senken.

So werde ich es jetzt auch machen - aber im Bett.

Oyasuminasai,

Sebastian
 



sebastian.kranz
 
Mehr zum Thema
Artikel weiterempfehlen  Empfehlen Artikel verlinken  Artikel verlinken

Wenn Sie diesen Artikel von donaukurier.de verlinken möchten, können Sie einfach folgenden HTML-Code verwenden:

 

Drucken  Drucken  Leserbrief schreiben   Leserbrief Kommentare lesen/schreiben  Kommentieren