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09.09.2010 14:05 Uhr | x gelesen
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Schön, schöner, Nikko


„Sag nie prächtig, bevor du Nikko gesehen hast“ - So lautet ein japanisches Sprichwort, das durch eine riesige Tempelanlage in der Stadt Nikko, die rund 130 km nördlich von Tokio liegt, geprägt wurde. Davon wollte ich mich heute selbst überzeugen und startete meinen Tagesausflug um 7.30 Uhr vom Asakusa Bahnhof, zirka 15 Gehminuten von meinem Hotel entfernt.

Spacia
Mit dem Spacia habe ich gute zwei Stunden bis nach Nikko gebraucht.
sebastian.kranz
Ich nahm den Schnellzug Spacia mit dem ich in zwei Stunden dort war. In Nikko angekommen fing mein Rundgang bei der rot lackierten Shinkyo-Brücke an. 1636 wurde sie für den Tokugawa-Shogun errichtet. Von dort aus führte mich eine Zedernallee zum Rinnoji Tempel, der im siebten Jahrhundert gegründet wurde. In der Haupthalle von Rinnoji steht eine riesige goldene Buddhastatue, die man aber leider nicht fotografieren durfte. Über eine Steintreppe kam ich von dort aus zu einem Granittor, das früher nur die Vornehme durchschreiten durften. Ab hier beginnt die Schreinanlage des Toshogu.

Shinkyo-Brücke
Die Shinkyo-Brücke wurde 1636 für den Tokugawa-Shogun errichtet.
sebastian.kranz
Mit dem Toshogu-Schrein wurde dem ersten Tokugawa-Shogun ein Denkmal gesetzt. Ab 1634 arbeiteten über 15.000 Handwerker und Künstler aus ganz Japan an der Anlage. Dabei verarbeiteten sie allein 2,5 Mio. Lagen Blattgold. Insgesamt entstanden 22 Gebäude voll mit Schnitzereien und Bemalungen. So auch die fünfstöckige Gojunoto-Pagode, die mir sofort ins Auge fiel, als ich durch das Tor gegangen bin. Sie trägt im ersten Stockwerk die zwölf chinesischen Tierkreiszeichen. Um in einen inneren Hof des Toshogus zu gelangen, bin ich eine weitere Treppen hinaufgegangen um durch das Tor Nio-mon zu gehen, wo mich auf einmal zwei grimmige Deva-Könige anschauten. Sie wurden in das Tor geschnitzt und dienten als Tempelwächter vor ungewollten Eindringlingen. Gleich daneben befindet sich die heilige Stallung: Ein hölzernes Haus das ringsum mit Schnitzereien mit Affen geprägt war. Unter anderem war es auch mit einem weltbekannten Ensemble geschmückt: Die drei Affen, die nichts böses hören, sehen, noch sagen. 

Pagode
Die fünfstöckige Gojunoto-Pagode
sebastian.kranz
Nachdem ich einige Fotos gemacht habe, fiel mir eine Art überdachtes Waschbecken auf. Hier wusch man sich die Hände und trank einen Schluck von dem frischen Quellwasser um sich für die heilige Stätte zu reinigen. Noch das kühle Nass an den Händen erblickte ich den Gipfel des Prunks, das Yomei-mon. Es ist das Tor zum inneren Hof und soll einen kleinen Schönheitsfehler haben, um durch seine Einzigartigkeit nicht den Neid der Götter heraufzubeschwören. Da müssen die Götter aber gute Augen haben, denn ich fand das Yomei-mon einfach perfekt. Ich war durch seinen Anblick einfach nur verzaubert und stand mehrere Minuten gaffend und mit offener Kinnlade davor und konnte mich nicht entscheiden welches filigrane Detail am schönsten war.

Affen
Die drei Affen, die nichts Böses hören, sehen, noch sagen.
sebastian.kranz
Irgendwann konnte ich mich dann losreißen und meinen Rundgang fortführen. Plötzlich sah ich, wie sich die Leute die Schuhe ausziehen und dachte zuerst, ihnen schmerzen die Füße von dem großflächigen Gelände und den vielen Stufen. Ich habe mich allerdings wieder einmal geirrt. Das war der Eingang zur Gebetshalle Haiden, die man nur barfuß betreten darf. Also zog ich mir auch die Schuhe aus, um sie betreten zu dürfen - und weil mir die Füße weh taten. Im inneren roch es stark nach Räucherstäbchen, denn wer hier betet, zündet Räucherkerzen für eine kleine Spende an. Beim Beten knien die Japaner vorm Alter und verbeugen sich mehrmals, nach einiger Zeit klatschen sie ein paar Mal in die Hände und verbeugen sich abschließen.

Yomei-mon 2
Yomei-mon 2
sebasian.kranz
Wieder mit Schuhen machte ich mich nun auf die Suche nach dem letzten berühmten Schnitzwerk: Es ist eine schlafende Katze, die so natürlich wirkt, dass Mäuse angeblich lieber das Gelände meiden. Durch das Tor in dem die Katze eingeschnitzt ist, das Sakashita-mon ging ich daraufhin über die 207 Stufen zum Grabmal des Ieyasu, dem ersten Tokugawa-Shogun. Oben angekommen fielen mir sofort die drei Getränkeautomaten auf, auf die sich die Japaner ganz durstig stürzten. Ich hatte auch Durst bei dem schwülen Wetter und der langen Steintreppe, die ich hinter mir gelassen habe. Nach einem Schluck aus meiner Flasche konnte ich mich ein wenig erholt dem Grabmal zuwenden.  

Katze
Die Katze wirkt so echt, dass angeblich Mäuse die Anlage meiden.
sebastian.kranz
Meine letzten beiden Stationen in Toshogu waren der Futara-Schrein und das Taiyuin Mausoleum bevor ich wieder den Weg zum Bahnhof eingeschlagen habe um nach Tokio zurück zu fahren. So habe ich heute den ganzen Tag in Nikko verbracht, wo ich echt viel gesehen und gelernt habe. Vor allem, dass ich nie wieder das Wort „prächtig“ ohne den Zusammenhang mit Nikko erwähne.


Sore dewa mata ashita! (Bis morgen!)












sebastian.kranz
 
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