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12.09.2010 17:48 Uhr | x gelesen
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Judo-WM, Elektromusik, Sushi und eine Hochzeit


Unser Tokio-Blogger Sebastian Kranz machte am Wochenende die Nacht zum Tag und nahm mit, was irgendwie ging: einen Nachtklub mit elektronischer Musik auf vier Etagen, den weltweit größten Fischmarkt, einmal mehr die Judo-WM, original japanisches Sushi (gegessen wurde nur Bekanntes, weil was der Bayer nicht kennt, das...). Am Ende landete er mitten auf einer Hochzeitsfeier und hatte die Gelegenheit, seine sehnlichsten Wünsche auf einem Holztäfelchen zu verewigen.

Shibuya  bei Nacht
Shibuya bei Nacht
sebastian.kranz
Wie ich im letzten Blogeintrag geschrieben habe, bin ich am Freitag noch losgezogen, um das Nachtleben in Tokio zu erkunden. Nach mehreren Vorschlägen bin ich nach Shibuya gefahren, um dem Club „Womb“ einen Besuch abzustatten. Als ich um Mitternacht am Bahnhof ankam, war ich richtig überrascht, wie viel hier los war! Am Mittwoch waren bei Tage hier bei weitem nicht so viele Menschen unterwegs.
 
Nachdem ich im Womb rund 35 € Eintritt gezahlt und mich ein wenig umgeschaut hatte, wusste ich, der Klub war sein Eintrittsgeld wert. Sehr gute elektronische Musik auf vier Etagen! Ich wusste ja, dass sich die Japaner mit Elektronik auskennen, aber bis jetzt nicht, dass da auch die Musik dazu zählt. Bis um fünf Uhr morgens habe ich getanzt, Leute kennen gelernt und auch mal ein Bier getrunken, bis ich mich mit der ersten U-Bahn auf dem Weg zum Fischmarkt gemacht habe. 
 

Fischmarkt
Bis zu 300kg können die zu filetierenden Thunfische schwer sein.
sebastian.kranz
Der Tsukiji-Fischmarkt ist weltweit der größte Markt für Fisch und Meeresfrüchte. Bereits um 3 Uhr werden hier jeden Tag die frisch gefangenen Fische entladen und um 5 Uhr beginnen die Fisch-Auktionen, bei denen Touristen der Zutritt aber nur mit besonderer Genehmigung gewährt wird. Also bin ich durch die Stände gegangen. Einige waren noch fleißig am Filetieren der bis zu 300 kg schweren Thunfische, andere besorgten neues, Eis um den Fisch frisch zu halten und wiederum andere putzten ihren Stand noch einmal, ehe um 7.00 Uhr der Verkauf eröffnet wurde. Hier sieht man wirklich alles, was man sich nur vorstellen kann, vom Tintenfisch bis hin zu etwas Undefinierbarem. Doch lange konnte ich nicht bleiben, denn ich musste noch einmal zum Hotel, wo ich nur schnell Duschen war,  um meine Sachen für den zweiten Judo-Tag zu holen.
 
Dieser zweite Tag verlief für die Deutschen leider erneut ohne Erfolg. Wie auch am Donnerstag, sind alle Kämpfer in der Vorrunde ausgeschieden. Spannend war es aber trotzdem wieder, auch wenn ich meine Deutschlandfahne nicht mehr schwenken konnte. Um halb neun war der Wettkampf zu Ende und ich konnte wieder ins Hotel fahren. Nach einem kleinem Abendessen bin ich endlich ins lang ersehnte Bett gefallen. 

Heute Morgen habe ich deshalb auch gleich verschlafen. Eine halbe Stunde später als geplant bin ich aufgestanden und musste deshalb ziemlich hetzen, dass ich die ersten Vorrundenkämpfe der Judo-WM nicht verpasste. Ich kam nur zehn Minuten zu spät, so dass ich alles Wichtige beobachten konnte. Heute gab es auch etwas Erfreulicheres aus deutscher Sicht: Romy Tarangul in der Gewichtsklasse bis 52 kg hat es bis in den Kampf um Platz 3 geschafft. Hier verlor sie aber gegen die starke Mongolin Bundmaa Munkhbaatar und musste sich mit Platz fünf zufrieden geben. Es ist das erste Mal seit 15 Jahren, dass die deutschen Frauen bei einer Judo-Weltmeisterschaft ohne Medaille nach Hause fahren mussten.

Sushi
Sushi-Restaurant
sebastian.kranz
In der Mittagspause bin ich heute Sushi essen gegangen. Nur zehn Minuten von der Halle entfernt habe ich ein Restaurant gefunden. Das ist nämlich gar nicht so leicht hier in Tokio. Es gibt zwar etliche Gaststätten, aber nur wenige bieten den rohen Fisch an. Die vorbei fahrenden Tellerchen haben mich aber überhaupt nicht an ein deutsches Sushi-Restaurant erinnert. Hier gibt es viel ausgefallenere Speisen. An die meisten habe ich mich auch nicht rangetraut, da man hier nach Teller zahlen muss und ich nicht drei Euro für etwas, das schon komisch aussah, riskieren wollte. Aber das Sushi, das ich gegessen hatte, war sehr köstlich. Der rohe Thunfisch ist förmlich auf meiner Zunge zergangen.

Shintoistisches Hochzeitspaar
Shintoistisches Hochzeitspaar
sebastian.kranz
Nachdem ich satt war, habe ich mich auf den Weg zum Meiji-Schrein gemacht, der sich ebenfalls gleich neben dem Yoyogi National Gymnasium befindet. Der Weg bis zum Schrein führt durch einen kleinen (Ur-)Wald: Dichter Bewuchs an beiden Seiten mit Farnen, Sträuchern und teilweise auch Palmen sowie das Zirpen von Grillen und sonstigem Ungeziefer haben mich irgendwie an ein Dschungel-Szenario erinnert.

Am Tor des Shinto-Schreins angekommen, fiel mir sofort wieder das „Waschbecken“ auf, an dem sich die Besucher wieder fleißig wuschen. Als ich gerade in den Innenhof der Anlage gehen wollte, befahl mir ein Polizist, mich an den Rand zu stellen und ich wusste, dass jetzt etwas Besonderes passiert. Es war eine Hochzeit!
Wunschtafel
Die Wand mit den Wunschtafeln
sebastian.kranz
Ein traditionell gekleidetes Brautpaar schwebte den Weg entlang, um sich im shintoistischen Stil das Ja-Wort zu geben. Das Nächste, das mir auffiel, war eine Wand mit zahlreichen Holztäfelchen. Auf diese Tafeln schreibt man einen Wunsch auf und hofft, er möge in Erfüllung gehen.
 
Ich habe keine Holztafel an die Wand gehängt. Mir ist nach zehn Minuten überlegen immer noch nichts eingefallen. Ich bin wohl wunschlos glücklich.
 

Bis bald!
Sebastian
 



sebastian.kranz
 
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