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Mexiko-Stadt: geschätzte 25 Millionen Bewohner, Menschen, Smog, Dreck, Lärm, Kriminalität. Kann man trotzdem hier leben? Ja! Wie, das erfahren Sie im Oktober und November von Barbara Schröter. Die junge Frau aus Baar-Ebenhausen lebt und forscht für sechs Monate in Mexiko Stadt. Jeden Mittwoch schreibt uns die 28-jährige Politikwissenschaftlerin.
 
21.10.2008 16:51 Uhr | x gelesen
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Auf der Puppeninsel


Mexiko-Stadt (DK) Im südlichen Stadtteil Xochimilco gibt es jede Menge Kanäle, fast wie in Venedig oder Amsterdam. Die Gegend ist auch für kuriose religiös-abergläubische Traditionen bekannt, die so typisch für Mexiko sind. Es gibt zum Beispiel die Insel der „Muñecas“, die Puppeninsel.




Ein Züchter in einem Feld von "Zempalxochitl", auf Deutsch Tagetes. Diese Blumen werden zum Schmuck der Altäre zu Allerheiligen gebraucht.
Barbara Schröter
Beim meinem zweiten Ausflug nach Xochimilco habe ich dann doch noch die ruhigen Kanäle entdeckt, auf denen man mitten durch die Natur fährt, und an deren Rändern höchstens ein paar Blumenplantagen zu entdecken sind. Und auch die ärmlichen Häuser der Kultivatoren. Der Name Xochimilco kommt aus der Indio-Sprache Nahuatl und bedeutet Blumenfeld. Die Bauern haben die Tradition ihrer Vorfahren bis heute erhalten und züchten auf den künstlichen „chinampas“ Blumen aller Art. Noch eine Gemeinsamkeit mit Amsterdam beziehungsweise Holland.

Der "Axolotl".
Barbara Schröter
Neben der Flora kann man auch die Fauna bestaunen und diverse Arten von Wasservögeln beobachten. Das berühmteste Tier Xochimilcos ist jedoch der Axolotl („Acholotl“), ein Amphib, das auf dem Grund der zirka 1,70 Meter tiefen Kanäle lebt und hier seinen Geburtsort hat. Die rund 15 bis 40 Zentimeter großen Tiere gehören zur Gruppe der Salamander und sind weltweit einzigartig. Während sie früher noch in Massen gefangen und gegessen wurden, versucht man heute, den Bestand zu erhalten.

Hier geht´s zur Puppeninsel.
Barbara Schröter
Xochimilco ist außerdem für kuriose religiös-abergläubische Traditionen bekannt, die so typisch für Mexiko sind. Es gibt zum Beispiel die Insel der „Muñecas“, die Puppeninsel. Laut Sage ist im Jahr 1951 ein Mädchen ertrunken, deren Geist dem dort wohnenden Blumenzüchter Don Julián erschien. Dieser fischte immer wieder diverse Puppen aus den Kanälen und hängte sie an die Bäume seiner Insel – und siehe da, der Geist des toten Mädchens ließ ihn in Ruhe.

Bis heute haben Besucher, die ihrerseits Puppen mitbringen, die Zahl auf 1000 erhöht. Ironischerweise starb Don Julián 50 Jahre nach dem Mädchen an der gleichen Stelle.

Wo es vor vergammelten Puppen nur so wimmelt!
Barbara Schröter
Eine andere Gruselgestalt ist die „Llorona“, die Heulerin - eine Figur, um die sich viele Sagen ranken, und die in verschiedenen lateinamerikanischen Ländern existiert. Sie kommt ebenfalls aus Xochimilco.

Die am meisten verbreitete Version der Geschichte, die ich von Mexikanern erzählt bekomme, ist Folgende: Eine Indígena, eine Indianerfrau, verliebt sich in einen Spanier, mit dem sie drei Kinder hat.

Wer ist da die Puppe?
Barbara Schröter
Dieser formalisiert das Verhältnis jedoch nicht, sondern heiratet nach einiger Zeit eine seinem Stand angemessene Spanierin. Die Llorona wird verrückt vor Schmerz und Wut, ertränkt die drei gemeinsamen Kinder und tötet sich anschließend selbst. Seither irrt ihr Geist ächzend und stöhnend durch die Straßen Xochimilcos und heult: „Ach, meine Kinder!“ Wenige haben sie noch nicht gehört!


 Mehr finster-morbide Geschichten gibt´s dann zu Allerheiligen!


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