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Australien ist weit mehr als Kängurus, Aborigines und Didgeridoos. Wieviel mehr, das schreibt uns Florian Schiegl. Jeden Mittwoch. Er lebt und arbeitet für vier Monate in Sydney. Seine Freundin, die in Sydney für einen Rechtsanwalt tätig ist, liefert die Fotos dazu.
 
21.07.2008 15:33 Uhr | x gelesen
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Sydney im Weltjugendtagswahnsinn


Sydney (DK) Eine knappe Woche lang befand sich Sydney beinahe im Ausnahmezustand. Die Stadt war 2005 als Nachfolger von Köln zum Ausrichter der Weltjugendtage erkoren worden und beherbergte nun sechs Tage lang einige hunderttausend katholische Jugendliche.


Mit den Ingolstädtern Pilgern beim Abschlussgottesdienst.
Kathrin Schierl
Zwar scheinen Schätzungen keine australische Stärke zu sein, denn es kamen wie schon zu den Olympischen Spielen 2000 weniger Besucher nach Sydney, als man erwartet hatte. Dennoch reisten genug Pilger an, um das Stadtbild entscheidend zu prägen.

Je näher der offizielle Veranstaltungsbeginn rückte, desto bunter wurden die Straßen. Gruppen und Grüppchen zogen mit ihren gelb-roten Pilger-Rucksäcken kreuz und quer durch die City und machten mit ihren mitgebrachten Landesflaggen und ihren Gesänge klar, dass sie die Stadt für wenige Tage in der Hand zu haben gedachten. Ich fühlte mich sogar ein bisschen an die Fußball-WM 2006 in Deutschland zurückerinnert. Ganze Straßenzüge wurden gesperrt und der öffentliche Nahverkehr stand Kopf.

Auf die Harbour Bridge wurden verschiedene Motive projiziert.
Die Pilger brachten eine noch positivere Stimmung in die Stadt, als sie in Sydney meiner Empfindung nach ohnehin schon vorherrscht. Sehr hochtonig kreischende und kurz vor einem hysterischen Anfall stehende lateinamerikanische Mädchengruppen muss man dafür wohl ganz einfach hinnehmen!

  Selbst zwar eher nur so etwas wie ein Gelegenheitskatholik und mit 27 wohl auch schon im Weltjugendtags-Seniorenalter interessierte mich dieses Großereignis aber dennoch. Allein schon der Tatsache, dass mit dem Papst eine Persönlichkeit von großer zeitgeschichtlicher Bedeutung in der Stadt war, konnte ich etwas abgewinnen.

Pilger-Weg über die gesperrte Harbour Bridge.
Kathrin Schierl
Natürlich fand ich auch vom ersten Tag an Aspekte, die mich störten – etwa die allseits präsente vatikanische Merchandising-Maschinerie oder der Umgang der australischen Landeskirche mit dem Thema sexueller Missbrauch durch Priester. Nichtsdestotrotz stürzten wir uns – zufällig hatten wir gerade in dieser Woche Besuch aus Ingolstadt – ab Donnerstag tief in den ganz normalen Weltjugendtagswahnsinn.

An diesem Tag kam Papst Benedikt in der Stadt an und in der Redaktion gab es „papstfrei“. Wir platzierten uns mit Verpflegung und bayerischer Beflaggung an einer der Landzungen im Hafen, an der die Yacht, die das Kirchenoberhaupt benutzte, vorbei kommen sollte.

Mit Bayern- und Regensburg-Fahne: Am Tag, als der Papst ankam.
Kathrin Schierl
Leider konnte man den Papst auf dem großen Schiff nicht erspähen, und wir bekamen Benedikt auch erst zu sehen, als er mit dem Papamobil durch die Stadt fuhr. Dafür erlebten wir aber dennoch einen Tag mit Picknick und wunderbarem Wetter. Und plötzlich waren wir auch noch kleine Stars. Das lag aber weniger an uns selbst, als an der weiß-blauen Flagge, die wir als stolze Bajuwaren mitführten.

Die weiß-blauen Rauten sind am südöstlichen Ende der Welt – aber auch offenbar wo anders – etwa so bekannt, wie in bayerischen Breitengraden die Farben Vanuatus oder Papua-Neuguineas. Dies machte uns zum allseits gefragten Motiv. Egal ob Mexikaner, US-Amerikaner oder Indonesier, alle wollten ein Foto mit uns. Man kam, derart geschmückt, kaum einige Meter weit, schon wurde man angesprochen: „Where are you from?“ oder „What flag is this?“ Einige Straßenarbeiter wollten uns sogar die Hand schütteln. Zunächst haben wir uns noch auf jede Frage brav als Bayern zu erkennen gegeben, doch irgendwann wurde das zu langweilig.

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Von Florian Schiegl

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