Ohne prahlen zu wollen, würde ich sagen, dass mir der liebe Gott eine große Portion Empathie mit auf die Reise gegeben hat. Und doch gibt es eine ganz bestimmte Zeit im Jahr, zu der ich mich über hysterische Menschen auf den Straßen freue. Leute, die überhaupt nicht wissen, was sie mit (Höchst-)Temperaturen um zehn Grad und (manchmal) weniger anfangen sollen. Wenn sich der Sommer aus dem Staub macht (hierzu gibt's meinen Blog "Mama, die Sonnencreme schmeckt mir nicht"!) und der Herbst Einzug hält. Lange musste ich in diesem Jahr darauf warten. Jetzt freue ich mich umso mehr.
 

Mein schöner Weg zur Arbeit

Auf meinem Weg zur Arbeit gehe ich über eine Brücke. Da ist es immer windig, sogar im Sommer. Heuer hat das geholfen. Gegen diese brütende Hitze. Aber das ist ja nun vorbei. Der Wind ist natürlich noch da. Keine Brise, sondern ein richtiger Luftzug. Dazu häufig Nieselregen. Wenn ich Glück habe, kommt noch Herbstnebel dazu.

Herbststimmung
Herbstnebel hat nicht nur in Ingolstadt etwas Mystisches.
Holger Hollemann
Ingolstadt

Diese Kombination ist für die meisten Menschen ein Graus. Was soll ich sagen? Mir gefällt dieses Wetter – und das nicht nur, weil es der Indikator dafür ist, dass ich den Sommer endlich hinter mir habe. Aber warum bin ich ein Herbstfan? Die eine große Antwort gibt es darauf nicht, aber viele kleine.
 

Raus ins "Grüne" – jetzt erst recht!

Herbstzauber in Ingolstadt
Am Künettegraben in Ingolstadt macht sich Herbststimmung breit.
Christian Lang
Ingolstadt
Radfahren, wandern oder sich in der Natur austoben macht im Herbst genau so viel Spaß. Abgesehen davon, dass man keinen Sonnenbrand mehr bekommt und nicht aufpassen muss, von irgendwelchen lästigen Viechern gestochen zu werden. Gibt es was Schöneres als sich mit voller Freude in einen riesigen Haufen Laub zu werfen. Natürlich! Jemand anderen reinzuwerfen. Vorteil gegenüber der Schneeballschlacht: Man muss nicht aufpassen, einen Eisbatzen im Schnee zu übersehen und so größeren Schaden anzurichten. 

Der Herbst ist da
Viel Laub hüllt den Boden in Ingolstadt in ein herbstliches Gewand.
Veysel Akkanat
Ingolstadt
Apropos Laub: Diese Farbexplosionen an den Bäumen (oder auf dem Boden) ist für die Augen doch die reinste Kur. Nicht mehr so wie im Sommer, wo alles entweder monoton grün ist oder man vor lauter Helligkeit fast nichts mehr sieht. Gold, gelb, rot, orange – das mächtige Farbenquartett des Herbstes. Zeit zum Genießen – auch für Stubenhocker! 
 

Ungefährliche Umarmungen

Auch unter Leute gehen macht ab Oktober wieder mehr Spaß. Nichts gegen eine kühle Maß im Biergarten oder einen Becher Eis im Straßencafé. Aber es ist einfach wohltuender, wenn nicht ständig eine aromatische Mischung aus Sonnencreme und Schweiß in der Luft liegt. Außerdem muss man keine Angst mehr haben, bei einer Umarmung am Gegenüber festzukleben. Körperliche Nähe ist im Herbst also nicht nur gesund, weil es das Glückshormon Serotonin freisetzt - sondern auch angenehmer. Jetzt sagen Sie vielleicht: "Was ist mit der Erkältungswelle?" Ich sage: Viel hilft viel. Sorgfältig die  Hände waschen, eine Menge Obst essen und den schicken Kapuzenpulli aus dem Kleiderschrank kramen. Dann macht die Erkältung gleich wieder kehrt.

Die Herbst-Euphorie trägt mich. Wenn ich Blätter rascheln höre, der Wind mir um die Ohren pfeift oder ich vor lauter Nebel nichts mehr sehe. Und die Sonne durch ein Dickicht aus Wolken scheint. Natürlich nicht zu oft. Der Herbst ist ein guter Lehrer. Wie die Blätter sollten auch wir Menschen uns öfter von Altem freimachen. Die Farbe wechseln? Zu kompliziert. Aber Ballast abwerfen und Motivation für etwas Neues schaffen? Das funktioniert, wenn man will.
 

Macht es euch gemütlich!

Starkregen in Hessen
Jetzt hilft nur noch eins: Ab ins Trockene.
Daniel Reinhardt (dpa)
Ingolstadt
Wenn das Wetter wirklich einmal gar nicht zum Aushalten ist, kann man es sich auf der kuscheligen Couch schön gemütlich machen. Dazu Tee, Kaffee oder Glühwein. Garniert von ein paar leckeren Plätzchen, Lebkuchen oder gesammelten Nüssen. Dann einen Film nach dem anderen schauen. Viele Menschen waren ja im Sommer ständig draußen und dürften jetzt einen großen Nachholbedarf haben. Ach Herbst, wie schön, dass du wieder da bist. Mach auch du es dir gemütlich!