"Schon vor 30 Jahren feierte der Barthelmarkt in Oberstimm das wohl seltene Jubiläum einer 2000 Jahre alten Tradition", heißt es in einem DONAUKURIER-Artikel aus dem Jahr 1968. "Wenn man dabei von Tradition spricht, so meint man insbesondere die Entstehung durch den frühgeschichtlichen Pferdehandel, die bis auf das 1. Jahrhundert v. Chr. zurückreicht."

Wirklich bewiesen ist dies nicht. Doch die These, dass in Oberstimm bereits zur Römerzeit ein bedeutsamer Handelsplatz lag, klingt glaubwürdig. Denn gerade an dem Ort, wo heute Markt gehalten wird, verlief zu jenen Zeiten das Ufer der Donau. Hier stand einst ein Kastell, in der Nähe einer keltischen Siedlung.


Der "althergebrachte Markth zu Stymm"


Pferdemarkt 1973
Lange Zeit war der Barthelmarkt vor allem als Pferdemarkt weithin bekannt.
Haßfurter/1973
Schriftlich erwähnt wurde der Barthelmarkt wahrscheinlich erstmals 1354, zu Zeiten Ludwigs des Bayern. So sind in einzelnen Archiven Aufzeichnungen zu finden, die von einem "althergebrachten Markth zu Stymm" zeugen: "Auf Klage der Stadt München verordnete im Jahre 1354 der oberbayerische Hauptmann Hilpold vom Stein, dass nur auf den 'rechten Jahrmärkten' Vieh verkauft werden dürfe." Demnach verdankt der Barthelmarkt seine Bedeutung dem Umstand, dass er in der Region der "einzig rechte Markth" war, an dem Pferde, Fohlen, Rindvieh, Schafe und Ziegen aufgetrieben wurden.

200 Jahre später wurde der Barthelmarkt erstmals urkundlich erwähnt. 1541 stand im Reichertshofener Salbuch, einem Verzeichnis über Besitzrechte einer Grundherrschaft: "Es wird alle Jahr ein Markt zu Stimm gehalten. Der hebt an St. Bartlomeen-(Vor-)-Abend und währt bis an St. Bartholomäustag gegen Nacht. Und in solcher Zeit hat jedermann Frieden und Geleit. Wer solches verbricht, der soll der Herrschaft mit Leib und Gut verfallen sein."

Anhand dieser Erklärung wird auch klar, warum der Barthelmarkt "Barthelmarkt" heißt: Am 24. August wird der Tag des Schutzheiligen der Fischer und Schäfer begangen: Bartholomäus. Im Übrigen wird im Herbst deshalb zum Beispiel auch in Landshut die Bartlmädult gefeiert.


Vom Pferdemarkt zum Bierfest


Aus alten Dokumenten und Zeitungsberichten lässt sich herauslesen, wie sich der Barthelmarkt im Laufe der Jahrhunderte verändert hat. Noch 1952 heißt es in einem DONAUKURIER-Artikel, dass der Barthelmarkt vor 400 Jahren im Wesentlichen nicht viel anders ausgesehen habe als in den 1950er Jahren: "Es war und ist heute noch in erster Linie ein Pferde-, Rinder- und Schweinemarkt."

Viehmarkt
Auch der Viehmarkt lockte Besucher stets von weither an.
DK 31. August 1954
Und tatsächlich zeugen betreffende Artikel und Fotos davon, welche Bedeutung der Viehmarkt einst hatte. 1946 beispielsweise, als der Barthelmarkt erstmals nach Kriegsende wieder veranstaltet wurde, wird erwähnt, "dass in den Vorkriegsjahren zum Barthelmarkt bis zu 1000 Pferde vorgeführt wurden". Kaum vergleichbar mit heutigen Verhältnissen.

Wohl bereits im Mittelalter gab es neben dem Pferdemarkt auch einen Warenhandel. Tuchmacher, Krämer und Schuster hatten neben Wurst-, Käse- und Schmalzhändlern ihre Buden aufgebaut. Auch Hausrat wie Wannen, Töpfe und Teller konnten laut der mittelalterlichen Dokumente bereits erworben werden.

Überliefert wird außerdem, dass "die Händler zu den dreistesten Mitteln griffen, um die Käufer auf ihre Seite zu locken". Schon allein deshalb stand der Warenumschlag unter dem Schutz der Obrigkeit. Zu Zeiten Ludwigs des Bayern waren stets Richter auf dem Barthelmarkt anwesend, die - begleitet von Wächtern und Hellebardenträgern - die Aufgaben von Eichamt, Gesundheitsamt, Gewerbeaufsicht, Polizei und Gericht zugleich übernahmen. Witterten sie einen Verstoß gegen die Verordnungen, wurde der Täter mit der Geige bestraft. "Die Geige war ein Holzgestell mit Öffnung, durch die der Straffällige seinen Kopf hindurchstecken musste."
 
Pferderennen
Seit 1926 wird das traditionelle Pferderennen am Samstag abgehalten.
DK 31. August 1954

1926 wurde erstmals - neben allerlei Karussells als neue Attraktion - ein Ochsenrennen abgehalten. Aus ihm entstanden die heute traditionellen Pferderennen, die lange Zeit samstags nach dem Festzug den Barthelmarkt einleiteten. Seit 1962 beginnt der Barthelmarkt mit dem Bieranstich schon am Freitag.

Zu diesem Zeitpunkt dürfte die Bedeutung der Pferde bereits abgenommen haben. 1979 fasste ein DONAUKURIER-Redakteur diesen Prozess kurz zusammen: "Die beginnende Motorisierung nach dem Zweiten Weltkrieg hat den Pferdemarkt langsam, fast unmerklich, immer mehr schrumpfen lassen: Die Auftriebe gingen zurück, es erfolgte eine Verlagerung des Interesses vom Gebrauchspferd, vom guten alten Gaul also, zum Sportgerät, dem Reitpferd. Auch der Viehmarkt hat an Bedeutung verloren."

Bierfest
Der Biergenuss gehört seit vielen Jahrzehnten zum Barthelmarkt dazu.
Haßfurter/1976
Heute ist der Barthelmarkt vor allem für die jüngeren Besucher nicht mehr wegen des Pferdemarkts attraktiv, sondern hauptsächlich wegen der Feierkultur in den Bierzelten. Das heißt aber nicht, dass früher nicht auch ausgiebig dem Alkohol gefrönt wurde. Im Mittelalter wurde auf dem Barthelmarkt wohl noch mehr Wein als Bier getrunken, "dessen Anbau man früher in bayerischen Landen bekanntlich eifrig pflegte".

Aber auch im 20. Jahrhundert, als das Bier den Wein längst abgelöst hatte, finden sich - wie heute - Zeitungsberichte über Trunkenbolde. So zum Beispiel 1953:  "Im vergangenen Jahr hat der Bierbichler Girgl - er ist schon gut über sechzig - den Barthelmarkt ganz groß gefeiert, wogegen er in früheren Jahren auf nicht mehr als eine knappe halbe Maß gekommen ist."