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WADA-Ermittler Younger: Weiter kein Termin für Zugang zum Moskauer Labor

erstellt am 14.06.2018 um 06:24 Uhr
aktualisiert am 14.06.2018 um 08:26 Uhr | x gelesen
Die Wiederaufnahme der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA in die WADA steht und fällt mit dem Zugang der Ermittler zum Moskauer Anti-Doping-Labor.
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Klare Forderungen der WADA an die RUSADA Klare Forderungen der WADA an die RUSADA
Klare Forderungen der WADA an die RUSADA
© 2018 SID

Die Wiederaufnahme der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA in die WADA steht und fällt mit dem Zugang der Ermittler zum Moskauer Anti-Doping-Labor. "Solange diese Forderung nicht erfüllt ist, wird die RUSADA nicht für compliant erklärt", sagte Günter Younger, Chefermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur, im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: "Das geht zu Lasten der russischen Athleten."

Die WADA hatte zwar einen riesigen Datensatz aus dem Moskauer Labor zugespielt bekommen, in dem 9000 auffällige Proben von geschätzt 4500 Athleten ans Tageslicht gekommen waren. Aber nur, "wenn wir die Originaldaten hätten, könnten wir die Fälle derjenigen, die bei uns unter großem Verdacht stehen, bestätigen", sagte Younger: "Wir hätten ein schlüssiges System. (...) Wenn ich die Originaldaten habe, die laut Experten nicht manipulierbar sind, dann wäre das eine ganz andere Geschichte als das, was wir als Beweise haben."

Ob die Ermittler tatsächlich an die ursprünglichen Daten kommen würden, ist jedoch offen. "Angeblich hat ja die staatliche Ermittlungskommission (gegen Whistleblower Grigorij Rodtschenkow, d. Red.) das Labor versiegelt und die Daten sichergestellt. Wenn die plötzlich nicht mehr da sein sollten, müssten sie erklären, was damit passiert ist", sagte Younger: "Ob sie dann manipuliert sind oder nicht, werden wir feststellen, wenn wir dort sind. Das wird relativ einfach festzustellen sein. Es werden immer Spuren hinterlassen."

Konkrete Zusagen aus Russland gebe es aber bislang nicht. "Wir haben bereits mehrmals versucht, mit der Ermittlungskommission Kontakt aufzunehmen, aber dazu haben sie sich noch nicht geäußert", sagte Younger, der dennoch darauf hofft, dass "irgendwann die Türen aufgemacht werden. Was wir dann darin finden, ist die nächste Geschichte. Aber wir werden nicht aufgeben."

Ob der Chefermittler selbst nach Moskau reisen könnte, ist fraglich. "Ich habe nach wie vor den Status, dass dort gegen mich ermittelt wird", sagte Younger, der von den Russen aufgefordert worden war, seine Schlussfolgerungen zu den russischen Doping-Vertuschungen zurückzunehmen: "Falls ich nach Russland reisen sollte, müsste geklärt sein, dass keine wie auch immer geartete Maßnahmen gegen mich und mein Team durchgeführt werden."

Als zweite Voraussetzung für die Aufhebung der RUSADA-Suspendierung steht die öffentliche Anerkennung des McLaren-Reports, der Russland ein institutionalisiertes Dopingsystem attestierte, im Raum. Zuletzt hatte es eine Annäherung gegeben, weil Russland das Dopingsystem zugegeben hatte. Die staatliche Beteiligung wird aber weiterhin bestritten.

Lausanne (SID)
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