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"Quattra Bavariae" auf dem Weg in die USA

erstellt am 06.08.2015 um 15:16 Uhr
aktualisiert am 06.12.2018 um 12:21 Uhr | x gelesen
Irschenberg (SZ) Das Verbessern des Streckenrekords beim Race Across America – das ist ihr großes Ziel für 2016. Und im Rahmen einer Teampräsentation am Irschenberg hat Nicole Bretting aus Hohenwart jetzt bekannt gegeben, mit wem sie es erreichen will.
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Saftige Wiesen, schöne Berge und klickende Kameras: "Quattra Bavariae" bei den ersten Werbeaufnahmen im Voralpenland.
Roland Kaufmann
Saftig grüne Wiesen, ein strahlend blauer Himmel, im Hintergrund majestätisch wirkende Berggipfel. Ja, das Voralpenland zeigt sich an diesem Abend von seiner allerschönsten Seite – praktisch wie gemalt für faszinierende Werbeaufnahmen. Und genau solche müssen auch her. Also lächeln. Immer wieder. Oder auch entschlossen blicken, weil sich das doch auf den Fotos ebenfalls gut machen könnte.
Also von wegen nur „offizielle Teamvorstellung“. Nicole Bretting, Heike Priess, Monika „Mona“ Dietl sowie Christine Waitz haben sofort hart zu arbeiten. Und das vor der Kamera, was doch eigentlich eher unüblich ist für sie. In erster Linie sind die vier Damen doch Sportlerinnen. Herausragende Sportlerinnen. Und jetzt eben mit einem gemeinsamen Ziel ausgestattet: Den Streckenrekord für Damen-Viererteams beim Race Across America (RAAM) wollen sie knacken – schon im Jahr 2016. 
 
Aktuell liegt dieser bei sechs Tagen und elf Stunden – für rund 4800 Kilometer per Rennrad von der Westküste der USA an die Ostküste, vom Oceanside Pier in Kalifornien nach Annapolis im Bundesstaat Maryland. Dass es hierbei nicht nur flach dahingeht, sondern dass so ganz nebenbei auch an die 31 000 Höhenmeter zu überwinden sind, macht die Sache natürlich nicht leichter. Egal. Nicole Bretting und ihre drei Mitstreiterinnen wollen es trotzdem schaffen. Wollen dennoch den Rekord. Unbedingt, unter allen Umständen.
 
„Sportlich haben sie’s tatsächlich drauf“, so Klaus Käfer. Und er sagt das nicht nur, weil das jede(r) in diesem Moment gerne hört, sondern weil er überzeugt davon ist. Er, der das RAAM beinahe so gut kennt wie seine Westentasche und der das Damenquartett 2016 auch professionell in den USA betreuen würde – immer vorausgesetzt, dass das Projekt tatsächlich in die Tat umgesetzt werden kann.
 
Denn die sportliche Leistungsfähigkeit von Nicole Bretting und Co. ist das eine, das liebe Geld das andere. „Keine Frage, die Finanzierung des Ganzen stellt unsere ganz große Hürde dar. Wir benötigen bis Weihnachten rund 60 000 bis 80 000 Euro“, gibt die 43-jährige Hohenwarterin ehrlich zu.
 
Also darf jetzt keine Zeit verloren werden, um möglichst potente Sponsoren an Land zu ziehen. Und schon wären wir damit eben wieder bei den Werbeaufnahmen an diesem Augustabend. Nun gut, der Verkehrslärm von der benachbarten Autobahn nervt ein bisschen. Aber ansonsten: alles perfekt hier beim Irschenberg, direkt an der Wallfahrtskirche Wilparting. Gnadenlos bayerisch, weißblau in Perfektion. Genau so, wie Christine Waitz, „Mona“ Dietl, Nicole Bretting sowie Heike Priess ab sofort wahrgenommen werden möchten: nämlich als hundertprozentig bayrisches Team. Und damit eben als idealer Werbeträger für möglichst großzügige Unternehmer vor allem aus dem Freistaat. 
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Schon jetzt ein erfolgreiches Quartett: Im kommenden Jahr wollen (v. l.) Nicole Bretting, Christine Waitz, Monika Dietl und Heike Priess auch beim RAAM für Furore sorgen.
Roland Kaufmann
Hübsch, ehrgeizig, erfolgreich, unglaublich schnell – allesamt Eigenschaften, die auf die vier Damen ohne Wenn und Aber zutreffen. Also, ihr Hersteller von schmackhaften Erfrischungsgetränken, von isotonischem Weißbier ohne Alkohol, von modischer Sportbekleidung, von rasanten Automobilen mit weißblauer Heimat, und so weiter, und so weiter – das Team „Quattra Bavariae“ wartet sehnsüchtig auf euch.
 
Ja: „Quattra Bavariae“ ist vorerst der offizielle Name der weiblichen Rekordbrech-Interessengemeinschaft. „Ob er lateinisch nun hundertprozentig korrekt ist, wissen wir zwar nicht – aber er klingt auf jeden Fall schön“, so Nicole Brettings Ehemann Reinhard dazu lächelnd. In Stein gemeißelt ist der Name sowieso nicht: „Sollte sich ein Hauptsponsor finden, der das Projekt gerne anders nennen würde, wären wir auf jeden Fall gesprächsbereit“, so die vier Damen unisono.
 
Nun jedoch erst einmal Schluss mit Reden. Stattdessen ist Umziehen angesagt – raus aus den Sportklamotten, rein in fesche Dirndl eines Herstellers aus München. Stimmt, das Ganze fehlte zuvor irgendwie noch – als ideale Ergänzung zu Wiesen, Bergen, Wallfahrtskirche und Sonnenschein. „Als ich zum bislang letzten Mal so ein Teil getragen habe, war ich erst sechs Jahre alt“, verrät eine der vier Damen lachend. Ihr Name wird nun aber lieber verschwiegen – obwohl sie anschließend hoch und heilig verspricht: „Sollten wir beim RAAM den Rekord knacken, ziehe ich natürlich sofort wieder ein so ein Dirndl an.“
 
Der Profifotograf an diesem Abend ist jedenfalls angetan von „Quattra Bavariae“. Weil die vier Damen vor der Kamera absolut professionell wirken, geduldig bleiben, einfach natürlich rüberkommen – sowohl in weißblauer Traditionsmode als auch anschließend wieder in Rennsportkleidung. Sogar auf dem Rad, auf der Straße wird eifrig „geshootet“, das mittlerweile zu sehende Abendrot hinter den Berggipfeln macht das Ganze noch faszinierender. Vorbeikommende Touristen, die zu einem benachbarten Biergarten wollen, verfolgen’s prompt staunend. Vier strampelnde Spitzensportlerinnen quasi als Vorspeise vor Radi, Obatzten und Schweizer Wurstsalat – das bekommt man tatsächlich nicht immer geboten.
 
Nach knapp drei Stunden Modell-Arbeit gibt’s freilich auch für Heike Priess, „Mona“ Dietl, Christine Waitz und Nicole Bretting eine herzhafte Brotzeit. Gut, mittlerweile ist’s dunkel geworden – aber die gute Laune beim ehrgeizigen Damenquartett hält weiterhin an. Die vier scheinen tatsächlich hervorragend zusammenzupassen – was ja auch nicht ganz unwichtig ist, wenn sie dann, im Juni, rund zwei Wochen lang nahezu rund um die Uhr eng aufeinanderkleben sollten. Gemeinsam mit Betreuern, quer durch die gesamte USA.
 
„Wenn das Ganze durch Russland gehen würde, hätte ich auch zugesagt“, gibt Heike Priess zu: „Für mich geht’s rein um die sportliche Herausforderung, also in diesem Falle den Rekord – und sportlich sind wir nun so gut aufgestellt, dass wir ihn auf jeden Fall knacken können.“ Prompt gibt’s zustimmendes Nicken von den Kolleginnen, ihre insgesamt acht Augen leuchten dabei. Ja, der Traum von der RAAM-Bestmarke lebt bei ihnen nun mehr denn je. Jetzt muss nur noch die Finanzierung gesichert werden, damit das weißblaue Damenteam tatsächlich in den USA für Furore sorgen kann. 

  

Heike Priess

  

Heike Priess
Heike Priess
Sabine Olfen
Die gebürtige Neuburgerin, die jetzt in Dietramszell wohnt, machte ihr großes Hobby zum Beruf und arbeitet als Triathlontrainerin. Ihr bislang erfolgreichstes Jahr als Aktive war 2011 – als sie sich den Deutschen Vizemeistertitel sowie Rang sechs beim Challenge in Roth sicherte. Als reine Radsportlerin ließ sie 38-Jährige erst vor wenigen Wochen wieder aufhorchen – mit ihrem Sieg bei „Rad am Ring“, dem 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring. Die erste Reaktion von Priess, als sie im Februar erstmals von Brettings RAAM-Plänen hörte: „Wenn Ihr mal ernsthaft über ein Damenteam nachdenkt, könnt Ihr mich ja anrufen.“ Kurze Zeit später klingelte tatsächlich ihr Telefon. „Selber schuld, ich hatte halt den Mund zu weit aufgerissen“, so 38-Jährige nun lachend.  
 
 

 
 

Christine Waitz

  

Christine Waitz
Christine Waitz
Sabine Olfen
Die gebürtige Rotherin ist die einzige Fränkin im Quartett – und mit ihren erst 30 Jahren zudem das „Nesthäkchen“. Gerade als Triathletin hat die Kunstpädagogin, die inzwischen als Journalistin und Coach arbeitet, schon eine Menge erreicht – mit ihren beiden W-25-Weltmeistertiteln 2007 und 2008, die sie sich beim Ironman auf Hawaii sicherte, als absoluten Höhepunkten. Ihr Topresultat als Radsportlerin verzeichnete Waitz dann 2012, als sie bei der WM im 24-Stunden-Mountainbiken auf Rang zwei landete. Ihre Zusage für das RAAM-Prokjekt kam vor Kurzem eher spontan zustande: „Nicole und ihr Ehemann Reinhard fragten mich Anfang Mai einfach mal – und ich kann bei so etwas immer ganz schlecht Nein sagen“, erzählt die 30-Jährige schmunzelnd.
 
 

 

 

Monika "Mona" Dietl

  

Mona Dietl
Mona Dietl
Sabine Olfen
Die Freisingerin ist keine Triathletin, sondern Radsportspezialistin. Wobei sie es hierbei besonders liebt, wenn es mächtig rauf beziehungsweise hinunter geht. So schaffte die 36-Jährige das Kunststück, 2013 die Frauenwertung des legendären Ötztal-Radmarathons für sich zu entscheiden – und 2014 sowie 2015 holte sie sich den Gesamtsieg beim „Supergiro Dolomiti“ in Lienz in Osttirol. Als die Bankkauffrau erstmals von Nicole Brettings Ehemann Reinhard gefragt wurde, ob sie sich eine Teilnahme am RAAM vorstellen könne, kam von Dietl sofort ein entschlossenes „Nein“. „Ich war von dem Vorschlag zunächst überfordert“, gibt sie nun lächelnd zu: „Aber ich änderte dann, nach ein bisschen Nachdenken, meine Meinung sehr schnell wieder.“
 
 

   

  

Nicole Bretting

  

Nicole Bretting
Nicole Bretting
Sabine Olfen
Sie ist der Motor dieses ehrgeizigen RAAM-Projekts. „Schon seit 2008, als ich davon einen interessanten Vortag gehört hatte, spukt mir dieses Rennen im Kopf herum“, berichtet die 43-Jährige aus Hohenwart. Ganz offiziell bezeichnet sie sich immer noch als „Triathletin mit Leib und Seele“ – aber wer in seiner Kernsportart so erfolgreich ist wie Bretting (Ironman-Weltmeisterin 2014, vierfache Ironman-70.3--Europameisterin in ihrer Altersklasse), der setzt sich eben auch gerne mal schnell neue Ziele. „Träume nicht Dein Leben, sondern lebe Deinen Traum“, so lautet das Motto der Versicherungsangestellten. Für das RAAM bedeutet das ganz konkret: Der Streckenrekord soll her. „Nur ins Ziel zu kommen, das wäre doch arg langweilig“, sagt Bretting.
 
 
 
 

Klaus Käfer

 
 
 

 
Text: Roland Kaufmann / Videos: Sabine Olfen
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