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Ex-Hawaii-Sieger Al-Sultan über die WM-Chancen von Frodeno, Kienle und Lange

"Eine Luxussituation"

Ingolstadt
erstellt am 25.07.2018 um 19:51 Uhr
aktualisiert am 27.07.2018 um 11:34 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Er ist einer von sechs deutschen Ironman-Weltmeistern: Der Münchner Faris Al-Sultan (Foto) triumphierte beim prestigeträchtigsten Wettkampf der Triathleten auf Hawaii im Jahr 2005. Mittlerweile ist der 40-Jährige als Trainer tätig und betreut unter anderem den derzeitigen Weltmeister Patrick Lange.
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Beste Erinnerungen an Ingolstadt: Faris Al-Sultan gewann den Triathlon in der Donaustadt dreimal, zuletzt 2014.
Beste Erinnerungen an Ingolstadt: Faris Al-Sultan gewann den Triathlon in der Donaustadt dreimal, zuletzt 2014.
Rimmelspacher
Ingolstadt
Al-Sultans Frau Ina, ebenfalls eine ehemalige Triathletin, ist derweil Schulsportbeauftragte beim Bayerischen Triathlon-Verband. Beim Landesfinale vergangene Woche in Ingolstadt benötigte sie noch einen Kampfrichter - und ihr Ehemann sprang kurzerhand ein. Al-Sultan gab den jungen Talenten vom Streckenrand dann auch den einen oder anderen wertvollen Tipp - und nahm sichauch für ein Gespräch mit unserer Zeitung Zeit.

Herr Al-Sultan, Sie standen als Triathlon-Profi mehrfach auf Hawaii am Start - jetzt stehen Sie in Ingolstadt hinter einem bunten Absperrband bei einem Schulwettkampf und helfen den Kindern mit ihren Mountainbikes. Kommt Ihnen das nicht ein wenig skurril vor?

Faris Al-Sultan: Nein, überhaupt nicht. Es ist doch toll, wenn wir junge Menschen auf diese Weise an den Triathlonsport heranführen können. Und es ist schön zu sehen, wenn die Kinder schon so motiviert bei der Sache sind wie hier.

Wie ist es denn generell um den deutschen Triathlon-Nachwuchs bestellt?

Al-Sultan: Generell befindet sich Triathlon nach wie vor im Aufwind. Auch viele junge Leute haben den Sport für sich entdeckt. Aber wir haben ein kleines Problem in den älteren Jahrgängen, in der Spanne zwischen 18 und 23 Jahren. Aber es ist auch ungemein schwer, denn es braucht im Ausdauersport eine Menge Zeit, um die Leute zu entwickeln. Und in diesem Alter ist es dann sehr schwer, die Leute bei der Stange zu halten. Das muss unser aller Aufgabe sein. Denn die Frodenos und Kienles und Langes brauchen natürlich irgendwann Nachfolger.

Sie haben im Jahr 2015 ihre Profi-Karriere beendet. Welche Rolle spielt der Triathlon-Sport noch in Ihrem Leben?

Al-Sultan: Ich bin gewissermaßen in der sportlichen Rente und trainiere natürlich nicht mehr so viel. Hin und wieder bin ich aber noch bei Veranstaltungen am Start. Aber meist nur noch in einer Disziplin, also beim Laufen, Schwimmen oder Radfahren. Triathlon-Wettkämpfe mache ich nicht mehr. Dann bin ich natürlich noch als Trainer aktiv, das nimmt auch sehr viel Zeit in Anspruch.
 
 Faris Al-Sultan
Stefan Bösl
Ingolstadt


Wie sieht ein normaler Tag in Ihrem Leben heute aus?

Al-Sultan: Ich stehe recht früh auf und frühstücke, dann kümmere mich um die Kinder (Al-Sultan hat einen vierjährigen Sohn und eine zweijährige Tochter, Anm. d. Red. ). Dann mache ich meist ein bisschen Bürokram, schreibe beispielsweise Trainingspläne. Dann trainiere ich, an den meisten Tagen sind es schon noch zwei Einheiten. Nicht mehr so lang und hart wie früher. Aber der grobe Rhythmus ist immer noch ähnlich.

Weil Sie Lust drauf haben - oder weil Sie gar nicht mehr anders können?
 

Al-Sultan: Sowohl als auch. Ich bin jetzt 40 Jahre alt und mache seit 25 Jahren Leistungssport. Mir würde ohne das Training definitiv etwas fehlen. Ich habe aber auch nach wie vor noch Lust aufs Trainieren. Und es ist doch toll, wenn man überhaupt die Zeit hat, noch etwas zu machen. Das sollte man ausnutzen.

In den vergangenen Wochen mussten die Triathleten in Deutschland teilweise mit den sommerlichen Temperaturen kämpfen. Kann man da als Hawaii-Starter nur drüber lächeln?
 

Al-Sultan: Nun, Hawaii ist natürlich noch etwas anderes. Dort ist es schon wärmer. Aber es gibt noch wesentlich krassere Rennen, was das Klima angeht. In Südostasien hat das ein ganz anderes Niveau. Dort kommt der Körper wirklich an die absoluten Grenzen dessen, was menschenmöglich ist. Ich habe Rennen in Malaysia und Thailand gemacht, bei denen ich mir während des Wettkampfes ernsthafte Gedanken gemacht habe, ob ich ihn überlebe. Da ging es gar nicht mehr um die Zeit, sondern nur um die Frage, ob ich physisch in der Lage bin, das durchzustehen. Das war besonders extrem. Hawaii ist natürlich aber auch unglaublich hart.

Mit dem Challenge Roth und dem Ironman Frankfurt sind die großen Wettkämpfe auf deutschem Boden vorbei. Welche Chancen haben die Deutschen im Oktober auf Hawaii?
 

Al-Sultan: Mann muss zunächst einmal sagen, dass wir in Deutschland extremst verwöhnt sind. Es gibt sechs deutsche Hawaii-Sieger, drei davon sind noch aktiv. Und die Jungs brennen auch. Das haben wir in Frankfurt und Roth gesehen. Und natürlich haben Kienle, Frodeno und Lange allerbeste Chancen, auf Hawaii wieder auf das Podium zu kommen. Das ist doch wahnsinnig toll. Andere Nationen träumen davon, mal einen unter die ersten Fünf zu bringen. Und wir haben drei, die da hingehören. Das ist eine Luxussituation.

Bekommen Spitzen-Triathleten wie Frodeno mittlerweile in Deutschland die Aufmerksamkeit, die sie verdienen?
 

Al-Sultan: Ja, ich denke schon. Sowohl was das Finanzielle als auch die mediale Aufmerksamkeit betrifft. Klar, alle schauen immer auf den Fußball und sagen: "Da ist noch viel mehr. " Aber das kann man natürlich auch nicht ganz miteinander vergleichen. Wichtig wäre nur, dass auch die Athleten aus der zweiten oder dritten Reihe noch ein bisschen was von diesem Ruhm abgekommen.
 
Anton Kostudis
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