Dienstag, 11. Dezember 2018
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Beim Ingolstädter Triathlon geben sich die Favoriten keine Blöße – und ein junger Wilder sorgt für eine Überraschung

Die Stars legen das Tempo vor

Ingolstadt
erstellt am 10.06.2012 um 21:19 Uhr
aktualisiert am 06.12.2018 um 13:00 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Es war der Tag der Favoritensiege beim Triathlon Ingolstadt: Jan Raphael war Schnellster auf der Mitteldistanz, seine Lebensgefährtin Rebekka Essmüller gewann bei den Frauen. Über die olympische Distanz siegte Horst Reichel in Rekordzeit – trotz eines Missgeschicks am Morgen.
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Ingolstadt: Die Stars legen das Tempo vor
Souveräner Auftritt: Horst Reichel legte bereits beim Schwimmen den Grundstein zu seinem Triumph auf der olympischen Disziplin. Mit geliehener Ausrüstung, aber auf dem eigenen Fahrrad absolvierte er die Radstrecke und sicherte sich beim abschließenden Lauf den Sieg in der Rekordzeit von 1:49:28 Stunden - Fotos: Bösl
Ingolstadt
Sein härtester Gegner in Ingolstadt war ein Weißbierglas. Beim Versuch, einen Schluck aus dem mit drei Litern Gerstensaft gefüllten Gefäß zu nehmen, tauchte Jan Raphael sein Gesicht tief in den Schaum, ohne jedoch an die begehrte Flüssigkeit zu gelangen. Auf der Strecke hatte der 31-Jährige weniger Probleme: In einer Zeit von 3:25:33 Stunden siegte der Mann vom 21.run.com-Triathlon-Team unangefochten über die Mitteldistanz. Zweiter wurde mit zwölf Minuten Rückstand Josef Diensthuber (3:37:55) von Wacker Burghausen vor Ralf Gärtner (SSV Forchheim, 3:38:43). Raphaels Lebensgefährtin Rebekka Essmüller holte in einer Zeit von 3:56:16 Stunden den Sieg in der Damenkonkurrenz.

 

Bilder Triathlon Ingolstadt


„Ich bin sehr zufrieden, das war eine gute Leistung in einem extrem wichtigen Rennen“, sagte Raphael, der in Ingolstadt erst seinen dritten Wettkampf der Saison bestritt. Beim Start am Morgen hatte es noch geregnet, doch je länger das Rennen dauerte, desto besser gestalteten sich die Bedingungen. Schon nach dem Schwimmen war Raphael als Erster aus dem Wasser geklettert – und baute diese Führung bis ins Ziel stetig aus. „Das Wetter hätte schlimmer sein können. Radfahren war schwer, doch das Laufen hat sich gut angefühlt“, gab er danach zu Protokoll.

 

Im Ziel empfing Raphael seine Partnerin Essmüller mit einer innigen Umarmung. „Es hat viel Spaß gemacht, ich bin super durchgekommen. Die Radstrecke war abwechlungsreich, für uns Nordlichter sogar wellig“, berichtete die Athletin von Hannover 96 mit einem Lachen. „Das Wetter war angenehm, der Regen kein Problem. Sowohl die Helfer als auch die Zuschauer haben mich toll angefeuert“, sagte sie.

Die olympische Distanz gewann der Darmstädter Horst Reichel (21.run.com-Triathlon-Team) in neuer Rekordzeit von 1:49:28 Stunden. Dabei hätte der 30-Jährige beinahe nicht starten können: Reichel hatte den Autoschlüssel mitsamt Gepäck in seinem Wagen verstaut und diesen dann per Zentralverriegelung abgeschlossen. „Ich hätte fast geheult. Aber großes Lob an den Veranstalter, ich habe alles ausgeliehen bekommen“, sagte er erleichtert.

Mit fremdem Neoprenanzug, Schwimmbrille und Laufschuhen bestritt er das umkämpfte Rennen – und distanzierte schließlich den Überraschungs-Zweiten Sebastian Neef (Tristar Regensburg, 1:50:11) und Mitfavorit Michael Göhner (Team Erdinger Alkoholfrei, 1:51:01). „Das war ein guter Gradmesser. Im Schwimmen und Laufen bin ich konkurrenzfähig, auf dem Rad muss ich noch ein bisschen arbeiten“, sagte der Sieger.

Als guter Schwimmer erkraulte sich Reichel rund anderthalb Minuten Vorsprung, doch auf der Radstrecke holten ihn der 23-jährige Neef und Göhner ein. Gemeinsam ging es ans Laufen – aber Reichel trotzte dem Angriff der Konkurrenten: „Ich hatte gute Beine und wusste, dass ich dagegenhalten kann.“ Bei Kilometer vier auf der Laufstrecke musste Göhner den tempoharten Neef ziehen lassen. „Absoluter Wahnsinn, das hätte ich nie gedacht“, freute sich der Youngster, der seine gute Form bestätigte. Bei den Damen holte sich Lokalmatadorin Birgit Nixdorf in 2:15:18 Stunden den Sieg vor Beate Speiser (Weißenburg) und Tina Hausmann (Hirschau).

Alle Triathleten zeigten sich begeistert vom Ingolstädter Triathlon und den Tausenden Zuschauern entlang der Strecke. „Dieser Wettkampf hat ein Riesenpotenzial. Die Strecke bietet alles. Da kann man nur hoffen, dass in den nächsten Jahren etwas Großes entsteht“, meinte Raphael. Und das trotz des durchwachsenen Wetters: Er könne sich gut vorstellen, was bei 30 Grad und Sonnenschein an der Strecke los sei, meinte Raphael. „Wir würden sehr gerne wiederkommen“, ergänzte Essmüller. Reichel lobte das Ingolstädter Publikum: „Ich war total überrascht, dass so viele Zuschauer an der Strecke stehen.“

Veranstalter Gerhard Budy war ebenfalls zufrieden – „bis aufs Wetter.“ Das Lob der Athleten freue ihn. „Es tut gut, wenn man sowas von Profis hört.“ Doch ob es im kommenden Jahr weitergeht, ist nicht gesichert. „Es wird schwer, wieder Geld zusammenzubringen“, seufzte Budy. Ernsthafte Zwischenfälle gab es keine, lediglich sieben Teilnehmer seien aufgrund von Krämpfen von der Wasserwacht aufgesammelt worden.

Verdursten musste Raphael übrigens nicht: Im zweiten Anlauf klappte es besser, und der Sieger genehmigte sich einen großen Schluck. Für Reichel und sein versperrtes Auto war der Tag mit dem Zieleinlauf noch nicht vorbei: „Jetzt muss ich erstmal den ADAC anrufen.“

 

Von Alexander Petri
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