Freitag, 18. Januar 2019
Lade Login-Box.

Sebastian Kienle gewinnt Challenge-Triathlon in Roth souverän vor Andreas Dreitz

Deutscher Doppelsieg

Roth
erstellt am 01.07.2018 um 22:07 Uhr
aktualisiert am 01.07.2018 um 23:37 Uhr | x gelesen
Roth (DK) Favoritensieg beim Challenge Roth: Sebastian Kienle hat den traditionsreichen Langdistanz-Triathlon in Mittelfranken souverän für sich entschieden. Nach 3,8 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und dem abschließenden Marathonlauf kam der 33-Jährige in schnellen 7:46:23 Stunden ins Ziel. Andreas Dreitz sorgte für einen deutschen Doppelsieg.
Textgröße
Drucken

 
[Link zum Youtube-Video]

Nur ein Duell entschied Kienle gestern nicht für sich - das mit der Champagnerflasche bei der Siegerehrung. Erst nachdem der Baden-Württemberger Hilfe beim Öffnen erhalten hatte, konnte er die süß-klebrige Flüssigkeit über den Zweitplatzierten Dreitz und den Dritten Jesse Thomas aus den USA verspritzen.

Wohlverdiente Champagnerdusche im Ziel: Sieger Sebastian Kienle (vorne) und der Zweitplatzierte Andreas Dreitz.
Wohlverdiente Champagnerdusche im Ziel: Sieger Sebastian Kienle (vorne) und der Zweitplatzierte Andreas Dreitz.
Münch
Roth
"Ich habe das Gefühl, dass ich weinen muss, aber ich bin auch ziemlich glücklich", rief Kienle nach seiner Ehrenrunde den begeisterten Zuschauern im Rother Triathlonstadion entgegen. "Es war wahnsinnig geil, aber auch wahnsinnig hart. Ich hoffe, ihr könnt einmal im Leben etwas annähernd Schönes erleben wie ich heute."

Dreitz hatte für die 35. Auflage des Rother Triathlons ein schnelles Rennen prophezeit: "Der Sieg wird auf jeden Fall unter acht Stunden weggehen", war sich der Oberfranke sicher gewesen. Trotz eines verhaltenen Schwimmens, bei dem eine größere Gruppe mit allen Favoriten gleichzeitig aus dem Wasser gestiegen war, sollte Dreitz Recht behalten: Die ersten sechs Männer - außer dem Spitzentrio noch der Brite Joe Skipper, Cameron Wurf aus Australien und der Südafrikaner James Cunnama - kamen allesamt unter der magischen Acht-Stunden-Marke ins Ziel. Sehr guter Zwölfter wurde der Ingolstädter Sebastian Mahr vom SC Delphin, der 8:20:49 Stunden benötigte.

Ganz vorne jedoch bestätigte Kienle, mehrfacher Europa- und Weltmeister sowie Hawaii-Sieger 2014, seine Favoritenrolle in eindrucksvoller Art und Weise und erfüllte sich im dritten Anlauf seinen Traum vom Triumph in Roth. "Diese Art von Druck mag ich eigentlich nicht so. Wenn die Leute Großes von einem erwarten, muss das nicht immer gutgehen", sagte er. "Aber dann ist es umso schöner, das auch liefern zu können." Nur Weltrekordler Jan Frodeno 2016 und Andreas Raelert 2011 waren in Roth noch schneller gewesen als Kienle.

Beim Wechsel vom Rad auf die Laufstrecke hatte noch überraschend der Australier Wurf geführt, der erst vor Wochenfrist den Ironman Nizza als Dritter beendet hatte. "Ich war nicht nur überrascht, ich war schockiert", kommentierte Kienle den Husarenritt des ehemaligen Radprofis Wurf, der Frodenos Rad-Rekordzeit von 2016 noch unterbot. "Ich weiß, wie es mir nach so einem Rennen geht, und das Letzte, was ich eine Woche später machen würde, ist noch so eins", wunderte sich Kienle. Als das "Wurfgeschoss" an ihm vorbeigezogen sei, habe er sich schon gefragt: "Was mache ich jetzt?"

Doch Kienle behielt die Nerven, nutzte den Australier als Tempomacher und ging mit zwei Minuten Rückstand auf die Laufstrecke. Schon nach rund vier Kilometern, noch vor dem Erreichen der Kanallände, zog der Baden-Württemberger dann an Wurf vorbei und gab die Führung bis ins Ziel nicht mehr ab. Der Mann von Down Under wurde am Ende Fünfter.

Der gebürtige Lichtenfelser Dreitz belohnte sich für ein konstant starkes Rennen und beendete seine erst zweite Langdistanz in 7:53:06 Stunden auf dem Silberrang. "Ich hatte mir hohe Ziele gesteckt, aber dass ich Zweiter werde, hätte ich vorher sofort unterschrieben", meinte der glückliche 29-Jährige, der sogar noch eine kleine Pause einlegen musste, um seine lose Trinkflasche am Rad zu befestigen. Am Ende musste er jedoch neidlos anerkennen: "Sebastian war heute eine Klasse für sich."
 
Alexander Petri