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Die Gründe für den Ausschluss des Bayerischen Triathlon-Verbandes aus der Deutschen Triathlon-Union

Bayern stellt sich quer

Ingolstadt
erstellt am 18.09.2012 um 21:37 Uhr
aktualisiert am 08.08.2018 um 09:23 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Der Streit schwelte schon länger. Nun gipfelte er im Ausschluss des Bayerischen Triathlon-Verbandes aus dem Dachverband der Deutschen Triathlon-Union. Vor allem Sportler sind die Leidtragenden. Doch was führte zu diesem radikalen Schritt? Die Antworten.
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Die entscheidende Frage wurde am Sonntag bei einer Verbandsversammlung gleich zweimal gestellt: „Wollt ihr das anerkennen? Dann suchen wir nach Lösungen.“ Doch beide Male blieb die entsprechende Antwort aus Bayern aus. Und so fiel die Entscheidung einstimmig. Die Deutsche Triathlon-Union (DTU), der Dachverband der Triathleten, warf den Bayerischen Triathlon-Verband (BTV) hinaus. Ein Novum ist dies in der 28-jährigen Geschichte der DTU allerdings nicht. Vor 13 Jahren wurde der Westdeutsche Triathlon-Verband (WTV) ausgeschlossen. Doch das Ende kam schnell: „Der Verband war danach innerhalb kürzester Zeit nicht mehr existent, wobei die Hintergründe des Ausschlusses andere waren“, sagt DTU-Geschäftsführer Matthias Zöll.

 

  • Worum geht es? Der Streitpunkt sind die Anzahl der Mitglieder. Denn die DTU erhält für jedes Mitglied drei Euro. „Die Vereine machen eine unabhängige Meldung an den Landessport-Verband und eine unabhängige Meldung an den Triathlon-Verband. Das ist aber in jedem Bundesland so“, sagt Zöll. Allerdings kursieren unterschiedliche Mitgliederzahlen. „Wir haben knapp 6000 Triathleten, die in unserem Verband gemeldet sind“, sagt BTV-Präsident Peter Pfaff (kleines Foto) aus Ingolstadt. Rund 12 000 Sportler sind beim Bayerischen Landessportbund registriert. Aber die DTU legt laut Satzung die Zahlen des jeweiligen Landessport-Verbandes für ihre Beiträge zugrunde. Da dort aber rund doppelt so viele Sportler gemeldet sind, müsste der BTV auch deutlich mehr bezahlen. So entsteht in Bayern pro Jahr eine Diskrepanz von rund 18 000 Euro. Zudem bestehen laut DTU Nachforderungen für die vergangenen drei Jahre in etwa der gleichen Höhe. Insgesamt also 50 000 Euro. Der BTV mit Peter Pfaff an der Spitze erkennt diesen Punkt der Satzung nicht an – trotz zweimaligen Nachfragens am Sonntag und etlicher Gespräche im Vorfeld der Verbandsversammlung. Und so begründeten die anderen Landesverbände den Ausschluss des BTV damit, dass Bayern als einziger Landesverband die satzungsmäßigen Beitragspflichten nicht vollständig anerkennt.

 

  • Warum stellt sich nur Bayern quer? „Da gibt es persönliche Verstrickungen mancher Präsidenten“, sagt Pfaff. Andere Verbände hätten Bonbons von der DTU, wie ein Trainingszentrum, bekommen, deshalb würde nur Bayern diesen Weg wählen. „Mich überrascht trotzdem, dass da jeder mitmacht“, sagt Pfaff. Die DTU hat auch dafür eine Erklärung: „Das Problem der Diskrepanz der Mitgliederzahlen hat, wie auch am Sonntag zur Sprache kam, wohl jeder Landesverband“, sagt Zöll. „Andere Verbände haben aber schon lange nach Wegen gesucht, diese Meldedifferenzen zu nivellieren oder zu kompensieren.“ Alternativ hätte der BTV auch versuchen können, die DTU-Satzung an der Stelle auf „demokratischem Wege zu ändern, wenn er sie für ungerecht hält, anstatt mit Verweigerung zu reagieren.“

 

  • Warum gab es eine so einschneidende Reaktion der Verbände? „Unser Ziel und Wunsch ist es, alle Triathleten unter unserem Dach friedlich zu vereinen. Deshalb hat sich unser Präsident am Sonntag als einziger der Stimme enthalten“, sagt Zöll. Befeuert hat der Ausschluss aber offenbar ein Nebenkriegsschauplatz. Der BTV klagte vor Monaten vor dem Landgericht Frankfurt gegen die DTU. Es wäre dabei um Gebühren im Verwaltungsbereich gegangen, die „drastisch angehoben worden sind“, sagt Pfaff. „2010 haben wir 120 000 Euro bezahlt und jetzt 188 000 Euro. Dieses Geld müssten wir nun beim Sportler holen. Der muss es bezahlen.“ Die Klage wurde allerdings in erster Instanz abgewiesen. Der BTV zog daraufhin vor das Oberlandesgericht. Die Berufungsverhandlung ist am 22. Oktober. Zöll dementiert allerdings, dass die Klage der alleinige Grund für den Ausschluss gewesen sei. Klar aber ist: „Die weiteren Landesverbände wollten anscheinend ein klares Zeichen setzen. Das zeigt auch der einstimmige Beschluss“, sagt Zöll. Pfaff geht aber einen Schritt weiter: „Im Prinzip wollen die nur, dass wir die Klage zurücknehmen. Wenn wir dies getan hätten, hätten wir nun die Probleme nicht. Das ist der wahre Grund, warum so mit uns umgesprungen wird.“

 

  • Was hat der Ausschluss für Konsequenzen? „Den Schaden haben vermutlich die Sportler zu tragen, wobei wir alles tun werden, dies zu vermeiden. Wir hoffen nun, dass die Sportler die Führung des BTV dazu bewegen können, wieder in den Dachverband zurückzukehren“, sagt Zöll. Die DTU warnt aber vor den Folgen: Sowohl Startpässe als auch die auf Bundesebene betriebene Nachwuchsförderung würden für Athleten und Vereine des BTV verwehrt bleiben. Teilnahmen an deutschen Meisterschaften, die einen Startpass erfordern, seien für bayerische Triathleten nicht möglich. Quasi die letzte Möglichkeit wäre ein Wechsel zu einem Verein außerhalb Bayerns. BTV-Präsident Pfaff sieht das anders: „Die Sportler können überall starten.“ Eine Möglichkeit wäre der Kauf einer Tageslizenz. Allerdings gibt er zu, dass es doch ungelöste Fragen gibt: „Betroffen sind unsere Spitzensportler. Wir werden klären, ob diese nicht bei einer deutschen Meisterschaft starten können, wenn sie aus Bayern sind.“

 

  • Wie geht es mit dem BTV weiter? Das jetzige Präsidium stellt sich am 13. Oktober in Emsing zur Wiederwahl. Dort will Präsident Pfaff auch die Richtung des BTV vorgeben. Aus sieben Bezirken besteht der BTV. Keine Rückendeckung gibt es aus Mittelfranken. „Das ist der Problembezirk. Dieser steht voll hinter der DTU und ist dafür, dass die hohen Gebühren bezahlt werden“, sagt Pfaff. „Die wollten am Freitag die Klage zurückziehen. Sonst war aber keiner der Mitglieder des Verbandsrates dafür.“ Existenzängste um den BTV hat Pfaff indes nicht: „Es wird immer einen bayerischen Triathlonverband geben. Da sehe ich überhaupt keine Gefahr.“

 

Von Timo Schoch
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