Glücklich in Glasgow: Anna Knauer (links) posierte gestern mit ihrer Silbermedaille bei den European Championships. Die Schernfelderin musste sich nur der Britin Laura Kenny (Mitte) geschlagen geben. Jewgenia Augustinas aus Russland kam bei dem Ausscheidungsrennen auf Platz drei.
Glücklich in Glasgow: Anna Knauer (links) posierte gestern mit ihrer Silbermedaille bei den European Championships. Die Schernfelderin musste sich nur der Britin Laura Kenny (Mitte) geschlagen geben. Jewgenia Augustinas aus Russland kam bei dem Ausscheidungsrennen auf Platz drei.
Foto: Walton/dpa
Glasgow
Glasgow scheint für die Schernfelderin Anna Knauer ein gutes Pflaster zu sein. An dem Ort, an dem die 23-Jährige vor fünf Jahren Junioren-Weltmeisterin im Omnium wurde, holte die Bahnradfahrerin gestern im Ausscheidungsrennen bei den European Championships die Silbermedaille. "Ich wollte die Medaille unbedingt. Ich wusste schon, dass ich gut drauf bin und im Ausscheidungsfahren wahrscheinlich die besten Chancen habe. Aber sicher war es nicht, aber das ist im Ausscheidungsfahren eigentlich nie sicher", sagte Knauer gestern nach ihrem Triumph. "Ich glaube, da ist heute alles zusammengekommen."

Der Erfolg ist vor allem eine Bestätigung nach einer langen Pause, schließlich hatte Knauer nach den Olympischen Spielen in Rio 2016 nicht mehr zu ihrer Form gefunden. Die Schernfelderin bestritt von April 2017 bis April dieses Jahres kein Rennen und setzte sechs Monate mit dem Training aus. Umso beeindruckender gestaltete sie nun ihr Comeback. "Sowohl vor fünf Jahren als auch jetzt bin ich aus einen Phase dorthin gekommen, wo mich eigentlich viele schon abgeschrieben hatten. Das tut dann richtig gut, so eine Kulisse zu erleben. Das ist echt etwas besonderes", sagte Knauer.

Sie musste sich im Sprint nur der vierfachen Olympiasiegerin Laura Kenny aus Großbritannien geschlagen geben. Bronze ging an die Russin Jewgenia Augustinas. "Wenn ich noch ein bisschen ruhiger geblieben wäre, hätte ich das Ganze vielleicht sogar noch mal anders gestalten können", berichtete Knauer. Dennoch war sie mit ihrer silbernen Ausbeute mehr als zufrieden. "Die letzten sechs Jahre ist Laura Kenny ganz, ganz selten in einem letzten Sprint bei einem Ausscheidungsfahren geschlagen worden, ich weiß gar nicht, ob überhaupt mal. Daher darf man da echt verlieren. Allein schon am Schluss gegen sie fahren zu können, ist schon etwas Besonderes."

Das Rennen verlief für die 23-Jährige "extrem hektisch und schnell". Zwischendurch musste sie sogar um ihren Platz zittern. "Ich wusste vorher schon, dass ich in dem Rennen mehr investieren muss als sonst. Aber ich habe mich dann gefangen, und gegen Ende war es dann richtig kontrolliert. Ich hatte eine gute Position, da hat es nur noch Spaß gemacht."

Das lag vor allem auch an der großartigen Kulisse im Sir-Chris-Hoy-Velodrome in Glasgow. "Der Bahnradsport in Großbritannien hat einen ganz anderen Stellenwert als bei uns, da ist eine Wahnsinnsstimmung. Beim letzten Sprint gegen Laura Kenny bebte die Halle. Das hört man sogar, obwohl man im Tunnel ist", erzählte Knauer lachend.

Die deutschen Bahnradfahrer haben in Glasgow bereits acht Medaillen geholt. Lisa Brennauer gewann gestern in einem fast schon verloren geglaubten 130-Kilometer-langen Straßenrennen Platz drei. Für die Allgäuerin war es nach Gold in der Einerverfolgung am Samstag und Bronze in der Mannschaftsverfolgung bereits die dritte Medaille in Glasgow. Den Titel holte im Sprint Marta Bastianelli aus Italien vor Titelverteidigerin Marianne Vos aus den Niederlanden.

"Ich hätte nicht gedacht, dass wir noch mal rankommen", sagte Brennauer ausgepumpt, aber glücklich im Ziel am Glasgow Green. "Ich bin jetzt aber mega-happy. Das war heute vor allem eine tolle Mannschaftsleistung", sagte die 30-Jährige, die von der Verfolgungsarbeit ihrer Teamkolleginnen im Finale profitierte.

Gestern Abend machte Domenic Weinstein mit seiner Goldmedaille in der Einerverfolgung über 4000 Meter das Wochenende für die deutschen Bahnradfahrer perfekt, nachdem er sich am Morgen mit deutschem Rekord von 4:13,073 Minuten als Schnellster des Vorkampfes für den Endlauf qualifiziert hatte. Der 23-Jährige aus Villingen-Schwenningen schlug im Finale in 4:13,363 Minuten den Portugiesen Ivo Oliveira, Bronze ging an den Schweizer Claudio Imhof.

Am Samstag hatte der 28 Jahre alte Joachim Eilers aus Chemnitz noch Silber im 1000-Meter-Zeitfahren zum deutschen Abschneiden beigesteuert. In 1:00,361 Minuten musste sich der Chemnitzer nur dem Niederländer Matthijs Büchli geschlagen geben.

Für Anna Knauer bleibt nun wenig Zeit zum Feiern. Schon heute fährt die Schernfelderin das Omnium, morgen steht Madison auf dem Programm. "Ich gehe jetzt ganz entspannt ran. Klar, es sind die ersten Rennen von der Olympia-Qualifikation, aber ich habe jetzt meine Medaille. Ich bin einfach locker mit der ganzen Geschichte umgegangen, und wenn man so an die Rennen rangeht, dann könnte auch etwas dabei rausspringen", berichtete die 23-Jährige.

Die Silber-Party will sie aber auf jeden Fall nachholen. "Ich denke am Dienstagabend werde ich mit dem Rest, der von den Bahnfahrern noch da ist, und mit den Mountainbikern ein bisschen weggehen."