Eine Grobfassung des Kooperations-Vertrages zwischen DEB und DEL, der auch die Auf- und Abstiegsregelung enthält, lag den Gesellschaftern der DEL, die sich gestern trafen, vor. Eine Einigung mit dem DEB wurde aber laut Ingolstadts Geschäftsführer und Sportmanager Stefan Wagner, der die Panther bei der Sitzung vertrat, noch nicht erzielt. DEB-Vizepräsident Bodo Lauterjung aus Ingolstadt, der ebenfalls an der Ausarbeitung des Kontrakts beteiligt ist, wollte sich nicht zu den Inhalten äußern. Klar scheint aber, dass der sportliche Aufstieg künftig abgeschafft werden soll. Lediglich finanziell potente Klubs, die zudem die sportliche Qualifikation aufweisen, könnten sich · im Falle des positiven Votums der DEL-Klubs · gegen eine Summe von 800 000 € in die Liga einkaufen.

Rod Aldoff bejubelt den Aufstieg in die DEL
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Wir veröffentlichen den Brief des Aktionsbündnisses, der im Internet unter der Adresse www.pro-aufstieg.de komplett zu finden ist, in Auszügen."Demnächst soll mit den Unterschriften von Gernot Tripcke, Herbert Frey, Gerd Schröder (alle Deutsche Eishockey-Liga), Hans-Ulrich Esken, Bodo Lauterjung (beide Deutscher Eishockey-Bund), Oliver Seeliger, Norbert Lehmann und Birgit Fend (Eishockey-Spielbetriebs-Gesellschaft) der neue Kooperationsvertrag zwischen der DEL, dem DEB und der ESBG sowie deren Clubs ratifiziert werden. Damit sind Sie, die den Kontrakt unterschreiben sollen, auch für die Folgen dieses Vertrages, der bis zum 30. April 2011 datiert sein wird, verantwortlich.

Hier die Fakten und Argumente, warum das Aktionsbündnis "Pro Aufstieg" gegen eine Isolierung der DEL ist.1. Die DEL würde im Rahmen ihres Spielbetriebes ab der Saison 2006/2007 keinen sportlichen Absteiger mehr ausspielen.

· Damit ist klar, dass die sportliche Verzahnung, also der sportliche Auf- und Abstieg zwischen den beiden höchsten Ligen im deutschen Eishockey, aufgrund wirtschaftlicher Interessen abgeschafft wird! Dadurch wird die Seele des Sports vernichtet.

· Für die Fans sportlich abgeschlagener DEL-Teams schwindet frühzeitig in der Saison der Anreiz, die Spiele ihrer Teams zu besuchen. Diese Fans wollen kein Eishockey sehen, bei dem es nur um die "Goldene Ananas" geht. Dies wird dazu führen, dass die Zuschauerzahlen dieser Teams signifikant zurückgehen werden.

· Die 2. Eishockey-Bundesliga als ehemals sportlicher Unterbau der DEL würde an Attraktivität verlieren, da es künftig keine DEL-Absteiger mehr in der zweiten Liga gäbe.

· Die Amerikanisierung des deutschen Eishockeys würde fortschreiten. Noch immer wird verkannt, dass das deutsche Sportpublikum andere Ansprüche, Wünsche und Bedürfnisse hat als das Publikum in den amerikanischen Major Leagues.2. Um in die DEL aufzusteigen, muss ein sportlich qualifizierter Club der ESBG laut Kooperationsvertrag ab der Saison 07/08 eine Lizenzvergütung an die DEL in Höhe von 800 000 € bezahlen.

· Damit ist das sportliche Aufstiegsrecht als Meister für nahezu alle ESBG-Klubs in der 2. Bundesliga finanziell nicht machbar. Von ein oder zwei Ausnahmen abgesehen kann kein Zweitligaklub diese Summe aus dem Cash Flow, dem Eigenkapital oder fremdfinanziert (Kredit) aufbringen.

· Aufsteiger, die die finanzielle Belastung trotzdem stemmen, wären nach einem DEL-Aufstieg nicht konkurrenzfähig, da aufgrund der Lizenzvergütung das Geld für die Mannschaft fehlt. Das Leistungsgefälle zwischen starken und schwachen Teams in der DEL würde zunehmen.

· Fehlendes Solidaritätsprinzip. In der Fußball-Bundesliga manifestiert sich dieses Solidaritätsprinzip in einem Finanzausgleich, der bei der Verteilung der TV-Erlöse angewandt wird. Im deutschen Eishockey würde damit genau das Gegenteil praktiziert. Wir von "Pro-Aufstieg" weisen darauf hin: Ein Solidaritätsprinzip ist kein romantisches Sozialgelaber, sondern sportökonomisch sinnvoll. Denn: Eine ausgeglichene Liga bedeutet Spannung und volle Stadien. Eine Lizenzvergütung von 800 000 € bewirkt dagegen spannungsarme Spiele, leere Hallen und Langeweile. Falls Sie, verehrte Funktionäre des deutschen Eishockeys, diesen Vertrag unterschreiben, werden Sie das deutsche Eishockey in die 90er Jahre zurück katapultieren. Sie werden einen Fehler begehen, der die Fans aus den Stadien treiben wird. Sie werden dem Eishockey in Deutschland immensen Schaden zufügen. Noch bleibt Ihnen Zeit, diesen Fehler zu vermeiden!"