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Nach dem Abstieg in die Landesliga muss sich der TSV Aindling neu orientieren

Oberweikertshofen statt Würzburg

Aindling
erstellt am 04.06.2013 um 17:48 Uhr
aktualisiert am 01.02.2017 um 13:22 Uhr | x gelesen
Aindling (SZ) Josef Kigle hat ganz schlecht geschlafen in der Nacht zum Montag. Kein Wunder. Der „bittere Augenblick“, den der Spielbetriebsvorsitzende des TSV Aindling erlebte, als der Nürnberger Schiedsrichter Stevie Albert am Sonntag kurz vor sechs Uhr das zweite Relegationsspiel gegen die DJK Vilzing abpfiff und damit nach 17 Jahren Bayernliga den Abstieg besiegelte, wirkte nach.
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Aindling: Oberweikertshofen statt Würzburg
Der Schock sitzt tief: Der TSV Aindling mit (v. l.) Deniz Schmid und Philip Körner muss nach 17 Jahren Klassenzugehörigkeit nun die Bayernliga verlassen. Ein 1:1-Unentschieden im zweiten Relegationsmatch gegen die DJK Vilzing war zu wenig, um den Abstieg zu vermeiden - Foto: S. Kerpf
Aindling
Dem Präsidenten der Lechrainer erging es nicht anders. Für Ludwig Grammer ist der Absturz in die Sechstklassigkeit ein schwarzes Kapitel in seiner Funktionärslaufbahn. Das schwärzeste hat Grammer schon hinter sich: Das war am 30. November 2011 gewesen, an seinem 62. Geburtstag, als die Steuerfahnder keineswegs zum Gratulieren bei ihm zu Hause aufgeschlagen hatten.

Jetzt, im Frühling 2013, hoffte Grammer vergeblich, dass die verheerend beginnende Saison doch noch ein versöhnliches Ende nehmen würde. „Wir waren ja im Winter schon abgestiegen“, sagt Kigle. Dann aber wurde der Strohhalm, an den sich der TSV klammerte, wieder dicker. Letztlich ist er an der Auswärtstorregel (0:0 in Vilzing, 1:1 in Aindling) aber doch zerbrochen.

Grammer und Kigle machen kein Hehl daraus: Sich nach 17 Jahren aus der Bayernliga zu verabschieden, tue „unendlich weh“. Kigle glaubt, dass die meisten „die Auswirkungen des Abstiegs momentan noch gar nicht wahrnehmen“. Ihnen würden die Dimensionen erst bewusst, wenn der neue Spielplan der Landesliga Südwest erscheine. Ihm sei vor diesem Tag heute schon „himmelangst“, sagt der Eisingersdorfer. Dann werden die Spieler zur Kenntnis nehmen, dass die Ausflüge nicht mehr, wie noch vor zwei Jahren, nach Würzburg, Bamberg oder Hof führen, sondern nach Oberweikertshofen, Bubesheim und gegebenenfalls Wertingen. Kigle fragt sich, wie die Zuschauer die neue Gegnerschaft annehmen werden, mit der sich vor nicht langer Zeit noch zum Teil die Reservemannschaft des Vereins gemessen hat.

Mit Wehmut habe er erst dieser Tage wieder die Tabellen von dereinst studiert, als die Bayernliga noch viertklassig war und der TSV mittendrin, bekennt Grammer. Duelle mit dem FC Memmingen gehörten ehedem zu den Höhepunkten einer Spielzeit. In der kommenden droht den Aindlingern das Punktspiel mit der Reserveelf der Allgäuer.

Außerdem hat der Abstieg der Rotweißen in Kombination mit dem Aufstieg des FC Pipinsried die Hierarchie unter den „großen Vier“ in der hiesigen Fußballregion gehörig durcheinandergewirbelt. Nach dem Aufstieg 1996 war der TSV bis 2012 unangefochten die Nummer eins gewesen. Er hat Meilensteine gesetzt. Der Publikumszuspruch am Schüsselhauser Kreuz hatte bayernweit Erstaunen und Bewunderung ausgelöst. „Wir waren zwei Jahre mit dem FC Augsburg ebenbürtig“, erinnert Kigle. Zwei Mal zog der TSV Aindling sogar in die 1. Hauptrunde des DFB-Pokalwettbewerbs ein (2003 gegen den FC Schalke 04, 2004 gegen Hertha BSC Berlin) – jenen Wettbewerb, den der BC Aichach, der FC Affing und der FC Pipinsried nur aus dem Fernsehen kennen.

Innerhalb eines Jahres ist der TSV jetzt von Rang eins auf vier zurückgefallen. „Es fällt sehr schwer, sich mit der Wachablösung in unserer Region anzufreunden“, sagt Kigle. „Nun hat sich das Ganze halt umgekehrt, damit müssen wir leben. Fußball ist kein Wunschkonzert“, meint Grammer. Letztmals waren die Aindlinger 1989 mit dem Abstieg in die BOL hinter BCA, den TSV Dasing und FCP auf Platz 4 abgestürzt. Damals dauerte es drei Jahre, ehe sie zurückkamen.

An diesem Sonntag rechnete eigentlich alle Welt mit einer Spielabsage. Am Samstagabend hatte der TSV die Vilzinger noch wissen lassen, dass die Partie tendenziell nicht stattfinden werde. Kigle wollte das Thema nun nach dem 1:1 nicht noch einmal aufkochen. „Es ist viel diskutiert worden, und letztlich war es auch der Wunsch der Mannschaft, zu spielen“, erklärt der 58-Jährige. Jetzt müssten „alle miteinander“ die Konsequenzen tragen – zum Beispiel die angesichts der Bedeutung des Matches triste Kulisse von lediglich 391 zahlenden Zuschauern.

Präsident Grammer betonte, er habe am Sonntagmorgen um 9 Uhr eine Entscheidung treffen müssen (die Vilzinger fuhren um 10.30 Uhr ab) – und Ja gesagt. Hätte er geahnt, dass es weiter in Strömen regnet, hätte er abgesagt. Vielen war es unverständlich, dass der TSV Aindling das Spiel auf Gedeih und Verderb durchziehen wollte. Schließlich war das Parallelmatch zwischen dem SV Pettstadt und dem SV Raisting schon am Samstag abgesetzt worden. Ein Nachteil wäre demnach keinem Klub entstanden – allenfalls den Vilzingern, die sich dann unter der Woche auf den gut 200 Kilometer langen Weg an den Lechrain hätten machen müssen.

Im Retourspiel den „letzten Kampf nicht angenommen“ zu haben, kreidet Kigle jetzt seiner Mannschaft an. Der Gegner habe einfach „mehr Power“ gehabt. Vielleicht sei die Nullnummer aus dem Hinspiel auch trügerisch gewesen. Bei der Rückfahrt aus der Oberpfalz hatte er den Eindruck, Akteure und Fans des TSV hätten im Bus das Fell des Bären schon verteilt, noch ehe der erlegt war.

Er und Trainer Roland Bahl hätten als Einzige vor der Gefahr eines 0:0 unterwegs gewarnt, sagt Kigle. Nicht umsonst hatte sich Bahl unbedingt ein Auswärtstor gewünscht. Nachdem Florian Wenger dann am Sonntag postwendend Markus Dietls 0:1 (65.) mit dem Ausgleich beantwortet hatte, vermisste Kigle, dass ein „Ruck durch die Mannschaft ging“.

Am morgigen Donnerstag wird die TSV-Mannschaft ein letzten Mal zusammenkommen – nach dem Kreisliga-Relegationsspiel der Aindlinger Reservetruppe gegen den FC Öz Adeniz Augsburg in Thierhaupten (Anstoß 18.15 Uhr). Als Abgang steht aktuell nur Torhüter Thomas Geisler fest, der zum Landesliga-Absteiger SV Manching wechselt. Ludwig Grammer hofft, dass das Wort derer, die zugesagt haben, auch nach dem Abstieg noch gilt.

„Vielleicht bietet der Abstieg aus der Bayernliga die Chance für einen Neuaufbau“, orakelt Kigle. In Bahl habe der TSV hierfür schon einmal den idealen Trainer, auch das bis auf die Routiniers Tobias Völker und Kilian Huber junge Personal sei vielversprechend. Jetzt gelte es nur noch, ein paar neue Spieler zu verpflichten. Start in die Vorbereitung ist übrigens am Montag, 24. Juni.

Von Heribert Oberhauser
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