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Türkische Nationalstürmerin Melike Pekel möchte FC Metz-Algrange zum Klassenerhalt führen

Neue Herausforderung in Frankreich

Metz
erstellt am 09.02.2017 um 20:14 Uhr
aktualisiert am 25.02.2017 um 03:34 Uhr | x gelesen
Metz (SZ) Weg aus Bayern, auf nach Lothringen: Melike Pekel aus Schrobenhausen geht ab sofort für den FC Metz-Algrange in der Division 1 Féminine, der höchsten Damen-Spielklasse Frankreichs, auf Torejagd.
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Metz: Neue Herausforderung in Frankreich
Selfie in neuer Arbeitskleidung: Melike steht nun bis zum Sommer beim FC Metz-Algrange in der französischen Division 1 Féminine unter Vertrag. - Foto: kx
Metz

Nichts gegen die Zweite Bundesliga Süd in Deutschland, auch nichts gegen den großen FC Bayern - aber die 21-Jährige Angreiferin suchte nun einfach eine neue Herausforderung. Den Durchbruch im türkischen Nationalteam hatte sie ja schon vor einiger Zeit geschafft, mittlerweile bestritt Pekel bereits neun Länderspiele. Nur bei ihrem Verein in München ging's zuletzt irgendwie kaum voran.

Eine echte Chance in der ersten Garnitur des FCB, in der Ersten Bundesliga? Sie gab's für die Schrobenhausenerin überhaupt nicht. Lediglich einmal wurde sie hier in der laufenden Saison eingewechselt, im Heimmatch gegen den SC Freiburg (1:1) durfte die 21-Jährige dadurch 13 Minuten auf dem Rasen stehen. Das sonstige Betätigungsfeld von Pekel: eben die Zweite Bundesliga Süd, als Stürmerin in der zweiten FCB-Vertretung. Bereits 2014/15 hatte sie für diese zwölfmal eingenetzt, 2015/16 waren's dann sieben Saisontore von ihr - und in der aktuellen Spielzeit brachte es die Schrobenhausenerin auch schon wieder auf drei Treffer in der zweithöchsten Spielklasse Deutschlands.

Kein Wunder, dass Pekel zuletzt immer wieder auf den Wunschzetteln von diversen Klubs landete. Eine aktuelle Nationalspielerin, stark im Abschluss - eine solche kann in der Tat überall in Europa gut gebraucht werden. Bloß wohin sollte es dann wirklich gehen? "Ich hatte einige Angebote auf dem Tisch, sogar bis aus Norwegen", erzählt die 21-Jährige. Dass es schließlich der FC Metz geworden ist - das habe aus ihrer Sicht schließlich zwei Gründe gehabt: "Erstens ist Frankreich nicht ganz so weit weg von Bayern, und außerdem halte ich die Division 1 in Frankreich für extrem stark."

Exakt 482,1 Kilometer sind es von Schrobenhausen aus in die Hauptstadt des Départements Moselle. "Ich teile dort aktuell mit unserer Keeperin eine echt starke Wohnung, Metz selbst ist sehr schön und besitzt eine sehr interessante Altstadt. Kurzum, ich fühle mich echt wohl", berichtet Pekel - wobei ihre Begeisterung für ihre neue Heimat auch ein bisschen an Mevlüt Erdinc liegt. Der 35-fache türkische Nationalspieler kickt ja aktuell für die Herrenmannschaft des FC Metz in der Ligue 1 - "und er hat sich sofort um mich gekümmert", verrät die 21-Jährige: "Er schreibt mir auch jetzt noch oft, ob ich irgendetwas brauche oder ob er mir helfen kann. Das ist schon etwas Besonderes."

Nur mit der Verständigung ganz allgemein sei es für sie in Metz noch so eine Sache: "Ich kann hier nur mit zwei Leuten englisch reden - die anderen beherrschen es nicht beziehungsweise haben keine Lust dazu. Ich finde das zwar irgendwie unlogisch, aber naja."

Ob es sich für Pekel lohnt, nun ihre eigenen Französischkenntnisse schnellstmöglich zu erweitern? Fakt jedenfalls ist, dass sie beim FC Metz-Algrange lediglich für die Restsaison 2016/17 einen Vertrag unterschrieben hat, also nur für ein halbes Jahr bis zum Sommer. "Was dann passiert, wird sich zeigen", sagt die Schrobenhausenerin: "Auf jeden Fall schaue ich mich in alle Richtungen um. Ich möchte neue Sachen, neue Herausforderungen erleben. Und wer weiß, vielleicht bleibe ich in der neuen Saison ja doch in der französischen Division 1"

Dass dies beim FC Metz-Algrange der Fall sein wird, hierfür spricht freilich nicht viel. So liegt dieser Klub zurzeit auf der allerletzten Position - immer noch sieglos, mit erst einem mickrigen Remis auf dem Konto. Vorbei also die Zeiten für Pekel, sich im vorderen Tabellendrittel aufhalten zu dürfen. Für sie ist ab sofort, in ihrem neuen Betätigungsfeld, knallharter Abstiegskampf angesagt - also bedingungsloses Fighten ums sportliche Überleben. "Es ist jetzt in der Tat alles komplett anders als noch beim FC Bayern", gibt die 21-Jährige zu: "Und auch, wenn ich nach dem Saisonende wahrscheinlich nicht mehr für den FC Metz spielen werde - natürlich gebe ich nun alles, was in meiner Macht steht, um meinem neuen Team irgendwie noch zum Klassenerhalt zu verhelfen."

Der erste Schritt dahin ging jedenfalls schon daneben - denn in ihrem Premierenspiel in der Division 1, im Kellerduell bei ASPTT Albi, setzte es am vergangenen Sonntag eine bittere 0:1-Pleite. "Wir kassierten das entscheidende Tor erst in der 90. Minute", berichtet die Schrobenhausenerin: "Und ich selbst besaß auch einige Torchancen - aber man kann im Fußball halt leider nicht immer treffen."

Seine vier nächsten Punktspiele - gegen ASJ Soyaux, EA Guingamp, Olympique Marseille und Juvisy FCF - darf der FC Metz-Algrange nun allesamt zu Hause austragen. Spätestens dann weiß der Klub wohl endgültig, wo seine Reise hingehen dürfte - in die Division 2 hinunter oder doch Richtung Klassenerhalt. Wohin Pekels Reise nach der Saison 2016/17 führen wird, steht dagegen vermutlich noch ein kleines bisschen länger in den Sternen.

Von Roland Kaufmann
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