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Die 16-jährige Melike Pekel schießt in ihrer ersten Bayernligasaison den Gegnern die Bude voll – und träumt vom FC Bayern

"Fußball gehört ganz einfach zu meinem Leben"

Schrobenhausen
erstellt am 18.11.2011 um 21:07 Uhr
aktualisiert am 01.02.2017 um 13:21 Uhr | x gelesen
Schrobenhausen (SZ) Sie schießt Tore am Fließband, dribbelt die Gegner schwindlig, und eine Einladung des FC Bayern hat sie auch schon in der Tasche: Melike Pekel besitzt ein großes Fußballtalent – und ein mindestens genauso großes Selbstbewusstsein.
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Schrobenhausen: "Fußball gehört ganz einfach zu meinem Leben"
 
Schrobenhausen
14 Tore hat sie 2011/12 bereits geschossen, und das an nur neun Spieltagen. Da kann selbst ein Mario Gomez mit 13 Toren in zwölf Partien nicht mithalten. „Fußball gehört ganz einfach zu meinem Leben“, sagt Melike Pekel. Die 16-jährige Schrobenhausenerin spielt aktuell in ihrer ersten Saison bei den U17-Juniorinnen des TSV Schwaben Augsburg in der Bayernliga.

Mit sechs Jahren hatte sie in der Jungenmannschaft des FC Schrobenhausen begonnen, Fußball zu spielen. „Am Anfang hätte ich eigentlich noch bei den Kleineren spielen müssen, aber dafür war ich zu gut. So musste ich eine Altersklasse höher gegen Leute kicken, die zwei, drei Jahre älter waren als ich. Ich glaube, dass ich deswegen auch so gut geworden bin.“

An Selbstbewusstsein mangelt es der 16-Jährigen nicht, Sie weiß, was sie kann, und sie weiß, wem sie das zu verdanken hat: Auch ihr Vater nämlich hatte als Stürmer in Schrobenhausen gespielt, das Toreschießen liegt ihr wohl im Blut. Lange Zeit war sie das einzige Mädchen in der Jungenmannschaft. Probleme, sich durchzusetzen, hatte sie nicht: „Ich bin sofort anerkannt gewesen, ich war immer in der Stammmannschaft.“ Mit zwölf Jahren musste sie zum Mädchenteam wechseln, mit dem Wechsel einher ging die Umstellung vom Großfeld auf das Kleinfeld. „Das Spiel mit den Jungs hat mir dann sehr gefehlt. Auf dem Kleinfeld war es voll einfach, und die Schüsse waren auch ganz anders. Das war am Anfang voll lustig für mich, wie die gespielt haben.“

Bei den Mädchen fiel Melike vor allem durch ihre aggressive Spielweise auf. „Da sagten sie: 'Ja, was ist denn das für eine, die spielt immer voll aggressiv'. Und dann haben sie voll rumgeheult.“ Im ganzen Landkreis sei sie für ihre Spielweise bekannt und gefürchtet gewesen. „Ich fand das immer witzig, denn bei den Jungs hätte da keiner gemeckert.“

Ihre beiden Lieblingsvereine sind der FC Bayern München und Fenerbahçe Istanbul. In ihrem Zimmer finden sich Poster von Cristiano Ronaldo, Bastian Schweinsteiger, Ronaldinho und Philipp Lahm. Melike ist in Deutschland geboren und besitzt die türkische Staatsbürgerschaft. Und auch zwei Fußballherzen schlagen in ihr: Auf ihrer Bettwäsche ist die türkische Nationalelf abgebildet, ein Bild der deutschen Frauennationalmannschaft hängt an der Wand. Wenn die Türkei gegen die Deutschen spielt, drückt sie dem türkischen Team die Daumen. Trotzdem ist ihr Ziel, eines Tages in der deutschen Nationalmannschaft zu spielen, ihr großes Vorbild ist Fatmire Bajramaj. „Lira macht auch abseits des Platzes viel für den Fußball, war zum Beispiel bei einem Mädchenfußballtag dabei. Außerdem hat sie ein Patenkind in Afrika und macht Werbung für Schönheitsprodukte. Das könnte ich mir auch gut vorstellen.“

Nach einem Pokalspiel mit dem FC Schrobenhausen wurde Melike einst zum Probetraining nach Augsburg eingeladen, zur Saison 2011/12 wechselte sie dann in die Fuggerstadt. Zwei Mal pro Woche trainiert Melike dort mit ihrer Mannschaft, die Strecke nach Augsburg fährt sie alleine mit dem Zug. Die Spiele am Wochenende finden in ganz Bayern statt, bei den meisten davon ist ihr Vater mit von der Partie. „Mein Vater unterstützt mich ganz besonders dabei, dass ich noch höher komme“, sagt Melike, und der stolze Papa ergänzt: „Sie hat den Traum, eines Tages beim FC Bayern zu spielen, und ich hätte da nichts dagegen. Wenn sie so weiter spielt, dann kann sie dort mithalten und später vielleicht sogar bei der deutschen Nationalmannschaft spielen“.

Einen Platz in der Nationalmannschaft hat Melike sogar schon angeboten bekommen, allerdings von der aserbaidschanischen. „Nach einem Freundschaftsmatch gegen unser Team sagten sie, dass sie sich freuen würden, wenn ich mal bei ihnen trainieren und dann vielleicht auch in ihrer Nationalmannschaft kicken würde“, erzählt Melike: „Aber mein Vater sagte ihnen gleich, dass nur die deutsche Nationalmannschaft für mich infrage kommt.“ Die Entfernung nach Aserbaidschan wäre für Melike kein Problem gewesen, für einen guten Verein würde sie sofort ins Ausland wechseln. „Aber die haben keine großen Namen in der Mannschaft und sind nicht erfolgreich. Die deutschen Frauen sind da viel erfolgreicher.“

In Augsburg musste sie erst einmal um ihre Trikotnummer kämpfen. „Am Anfang hatte ich ein bisschen Angst, dass ich eine blöde Nummer bekomme. Aber ich sprach mich mit einer anderen Spielerin ab, und so bekam ich die Neun. Die Neun und die Zehn sind einfach die berühmtesten Trikotnummern, das war mir schon wichtig.“ Noch schwieriger war allerdings die Umstellung auf das Großfeld. „Bei den Mädchen bin ich durchgerast und habe immer alle ausgespielt. Jetzt musste ich mir wieder angewöhnen, auch mal den Ball abzugeben. Aber das war leicht, denn in der Bayernliga sind gute Spielerinnen, die wissen, wie man passt und den Ball annimmt.“

In ihrem neuen Team seien alle gut, aber sie sei „auch jetzt noch die beste Spielerin der Mannschaft. Wenn wir Zweikämpfe üben, will keiner gegen mich spielen, das ist dann schon voll lustig.“

Ihr Trainer Günter Beyrle sieht das kritischer: „Wir sind froh, dass Melike bei uns spielt, denn sie ist technisch stark. Aber sie muss noch viel lernen. Sie hat bisher nur bei einem sehr kleinen Verein gespielt, und die taktische Umstellung auf das Großfeld ist schwer für sie, das hat sie noch immer nicht ganz verstanden.“ Melike sei eine von vielen guten Mädchen, die alle auf gleichem Niveau kicken. „Sie spielt in einem Team, das genauso auf die Melike angewiesen ist wie die Melike auf die Mannschaft.“

Mit der Schule kann sie ihr Fußballleben locker vereinbaren. Die Lehrer und Schüler der Michael-Sommer-Schule wissen um ihr Talent. „Nicht nur in der Klasse, auch andere Jungs in Schrobenhausen wissen das. Sie rufen dann immer ,Hey Fußballstar!’“, erzählt Melike. Im nächsten Jahr steht die Abschlussprüfung an. Ob sie danach weiter zur Schule geht oder einen Beruf erlernt, das steht noch nicht fest. „Bei mir steht an erster Stelle immer der Fußball. Aber man kann sich natürlich auch verletzen, dann braucht man eine Ausbildung.“

Auf YouTube oder im Fernsehen schaut sich Melike gerne Tricks von Lionel Messi ab, um noch besser zu werden. „Ich habe schon tolle Tricks drauf. Und wenn ich mal Pässe bringe, dann sind das auch super Pässe“, sagt sie. Scheinbar macht sie das erfolgreich, denn sogar der große FC Bayern ist bereits auf sie aufmerksam geworden. „Ich schoss die meisten Tore in der Liga, so hat sich mein Name verbreitet. Und die Bayern-Trainerin kennt ihn eben auch schon.“

Jetzt hofft Melike, dass das vereinbarte Probetraining beim FCB im Frühjahr 2012 stattfindet. „Ich glaube, dass das klappt, weil ich weiß, dass ich eine gute Spielerin bin“, sagt die 16-Jährige. „Und wenn sie sehen, dass ich gut bin, dann komme ich gleich in die A-Mannschaft. Aber es kann auch sein, dass sie mich am Anfang noch in der zweiten Mannschaft kicken lassen, um zu beobachten, wie gut ich spiele. Aber ich denke, sie würden mich gleich in die erste Mannschaft holen.“ Die bessere Torquote im Vergleich zu Mario Gomez könnte ihr da sicher helfen.

Von Julia Pickl
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