Sonntag, 22. Juli 2018
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Teil 4 der Triathlon-Kolumne: Mit dem ersten Koppeltraining beginnt die heiße Vorbereitungsphase

Der Teufel steckt im Detail

Ingolstadt
erstellt am 29.06.2018 um 18:06 Uhr
aktualisiert am 17.07.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Die entscheidende Vorbereitungsphase auf den Bühler Beilngries Triathlon hat für DK-Journalist Christian Missy mit einer Kombi-Einheit aus Fahrradfahren und Laufen begonnen. Trotz ungeahnter Herausforderungen zeigt die Formkurve nach oben.
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Probesitzen auf einem Rennrad: Bislang trainiert DK-Journalist Christian Missy noch auf einem Crossrad, beim Triathlon führt an einem Rennrad aber kein Weg vorbei.
Probesitzen auf einem Rennrad: Bislang trainiert DK-Journalist Christian Missy noch auf einem Crossrad, beim Triathlon führt an einem Rennrad aber kein Weg vorbei.
Foto: Budy
Ingolstadt
Es sind komische Schritte, so als wäre man gerade dabei, das Joggen zu lernen. Die Beine fühlen sich taub an, die Laufbewegung irgendwie fremdgesteuert. So als ob zwischen Gehirn und dem Muskelapparat unterhalb der Gürtellinie die Leitung gekappt wurde. Ich befinde mich mitten in meinem ersten Koppeltraining, auf eine gerade absolvierte Einheit Radfahren folgt nun direkt eine Jogging-Runde. Nach rund 90 Minuten auf dem Fahrrad sind meine Oberschenkel schwammig, aber Gerhard Budy, Organisator des Bühler Beilngries Triathlons und Personaltrainer, kennt kein Erbarmen. Er rennt einfach los, und ich hinterher - nur eben mit Beinen, die irgendwie über den Autopilot laufen, ohne willentliche Steuerung. Auf dieses Gefühl war ich nicht vorbereitet. Das ist der Moment, in dem mir endgültig klar wird, dass es beim Triathlon auf die kleinen Dinge ankommt.

Wäre ich aufmerksamer gewesen, hätte mir das schon am Vorabend auffallen können. Da ich für das Koppeltraining mit Coach Budy in der Nähe von Ingolstadt verabredet bin, fällt mir wenige Tage vorher siedend heiß ein: Das Fahrrad muss zum Zielort. Nett gemeinter Tipp meiner Mutter: "Du kannst ja hinradeln." Die Wahl fällt auf einen Dachträger. Drei Personen, zwei Inbusschlüssel, ein Auto - 20 Minuten an der Grenze nervlicher Belastbarkeit später ist das Auto abfahrbereit. Gut vorbedacht - schon halb gemacht, heißt es im Volksmund. Mitten in der sportlichen Vorbereitung merke ich, wie wenig ich bislang an Logistik und Organisation gedacht habe.

Am nächsten Morgen wird es wieder sportlich. Koppeltraining, sagt Coach Budy, ist für die Vorbereitung auf einen Triathlon unabdingbar. "Entweder man macht eine intensive Radtour und direkt danach einen lockeren Lauf oder man gibt beim Laufen mehr Gas", erklärt er. "Man sollte in der entscheidenden Vorbereitungsphase in jedem Training entweder Schwimmen und Radfahren oder Radfahren und Laufen kombinieren." Ich habe die Disziplinen bislang einzeln trainiert, bis auf das eine Mal, als ich zwar zwei Disziplinen koppelte, aber eben die falschen: Ich war im Freibad schwimmen und bin nach Hause gejoggt. Großartig.

Der Sinn des Koppeltrainings ist es, die Muskulatur an den Belastungs-Wechsel zu gewöhnen. Schließlich erfordert jede Disziplin einen komplett anderen Bewegungsablauf. "Du solltest auf dem Rad in einem tiefen Gang mit einer hohen Tretfrequenz fahren", rät Budy. "Ansonsten macht der Muskel zu, übersäuert und du hast Probleme beim Laufen."

Bei unserer Radtour muss ich anfangs dem konstanten Reiz, in einen höheren Gang zu schalten, widerstehen. Davon abgesehen läuft es aber gut. Wir fahren 30 Kilometer durch das Ingolstädter Umland: Winden, Lichtenau, Weichering, Karlshuld. 30 Kilometer vorbei an Feldern, immer mit einer Geschwindigkeit im Bereich von 22 und 25 Kilometern pro Stunde. "Die Spitzenathleten auf der Sprintdistanz fahren doppelt so schnell", weiß Budy. Was für mich viel wichtiger ist: Die halten offensichtlich auch Abstand. "Zu den Radfahrern, die vor einem fahren, muss man eine Distanz von zwölf Metern halten, seitlich sind es drei Meter", erklärt Budy. Abstand zum Vordermann wird mir nicht sonderlich schwerfallen, denke ich mir. Der Griff zur Trinkflasche könnte mich dagegen vor größere Herausforderungen stellen.

Denn bislang bin ich immer auf dem Crossrad meines Vaters gefahren. Ich soll so früh wie möglich auf dem Rennrad trainieren, warnt Budy. "Man muss auch üben, die Trinkflasche aus der Halterung zu nehmen." Ungeübte würden häufiger das Gleichgewicht verlieren. Da sind sie wieder, die Kleinigkeiten, die ich bisher nicht auf dem Schirm hatte. Ich greife zur Trinkflasche, die mir der Triathlontrainer vorbereitet hat. "Da ist Natrium und Koffein drin", sagt Budy. Es gibt also auch Nachrichten, die mich positiv überraschen.

Wir steigen, angekommen in Zuchering, vom Fahrrad, keine drei Minuten später beginnt die Laufeinheit. Und damit das eingangs beschriebene, taube Gefühl in den Oberschenkeln, das vergleichbar ist mit den ersten Schritten nach einem langen Skitag. Doch anstatt in eine lauschige Hütte zu stapfen, rennen wir drei Kilometer entlang eines Feldwegs. Nach wenigen Minuten fühle ich mich wieder gut. Vielleicht ist es das Koffein, vielleicht das regelmäßige Lauftraining der vergangenen Wochen - jedenfalls absolvieren wir die Strecke in 15 Minuten. "Das war ordentlich", sagt Budy. Ich müsse aber in nächster Zeit noch das Umziehen in der Wechselzone üben. "Gute Athleten brauchen ungefähr eine Minute." Im Vorfeld sollte man sich überlegen, was man anziehen will. Dazu habe ich mir bislang noch keine Gedanken gemacht. Es kommt halt auf die kleinen Dinge an.
 
Christian Missy
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