Montag, 10. Dezember 2018
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Zweite Triathlon-Trainingswoche: Swolf, irritierende Rundenzeiten und schmeichelhafte Bestwerte

Das erste Date mit der Pulsuhr

Riedenburg
erstellt am 04.05.2018 um 19:55 Uhr
aktualisiert am 19.05.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Riedenburg (DK) DK-Journalist Christian Missy bereitet sich auf seinen ersten Triathlon vor und berichtet in regelmäßigen Abständen von seinen Trainingseindrücken. Heute: vorsichtiges Kennenlernen eines neuen Trainingspartners.
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Schwimmen mit Pulsuhr: Der Athlet kann sich die Anzahl und die Effizienz der Schwimmzüge anzeigen lassen.
Schwimmen mit Pulsuhr: Der Athlet kann sich die Anzahl und die Effizienz der Schwimmzüge anzeigen lassen.
Foto: Schifferer
Riedenburg
Wie cool sieht man bitte mit einer Pulsuhr aus? Sie macht aus einem Mittzwanziger in einer verwaschenen Badehose einen echten Sportler. Mindestens. Denn sie zeigt an: Da will jemand nicht einfach nur schwimmen. Da hat jemand die Sache gehörig im Griff. Der hat einen Plan. Der überprüft nicht einfach nur seinen Herzschlag, der will wissen, wie lange sein Schwimmzug ist - auf den Zentimeter genau.

Gerhard Budy, der mich auf meinen ersten Triathlon vorbereitet, hat mir eine Pulsuhr geliehen. Und als ich mit diesem unverwechselbaren Symbol des Leistungssports am Handgelenk an das Schwimmbecken trete, fühle ich mich bereit. Die Pulsuhr soll mich bei der Vorbereitung auf den Bühler Beilngries Triathlon aber nicht nur emotional beflügeln - sie hat auch einen sportwissenschaftlichen Sinn: Man bekommt einen ziemlich detaillierten Überblick über den eigenen Leistungsstand. Neben trivialen Kenngrößen wie Trainingsdauer, Anzahl der geschwommenen Bahnen und Gesamtdistanz, gibt das Programm die durchschnittliche oder maximale Geschwindigkeit an und verrät, wie lange man während der Trainingszeit tatsächlich in Bewegung war.

Für eine bessere Übersicht lade ich mir nach dem Training die zugehörige App auf mein Tablet. Ich bin 26 Jahre alt geworden, ohne mir jemals Gedanken darüber zu machen, wie viele Schwimmzüge ich wohl im Schnitt pro Minute mache. Es sind 19. Das weiß jetzt nicht nur ich, sondern auch die Firma, die die Pulsuhr hergestellt hat. Beim Blick auf die genauen Angaben über Kalorienverbrauch und am Tag zurückgelegte Schritte fühle ich mich leicht gläsern, dann fällt mir ein, dass mein Handy diese Daten ebenfalls kontinuierlich erhebt.

Nach meinem eleganten Pulsuhr-Auftritt beim Gang von der Kabine zum Schwimmbecken läuft es insgesamt solide. Ich ziehe meine Bahnen, Coach Budy gibt der Trainingsgruppe regelmäßig Instruktionen, welche Übung als nächstes absolviert werden muss. Schon bei diesem zweiten Training überrascht mich kaum noch etwas. Schwimmen in seitlicher Lage, eine Hand am Oberschenkel angelegt mit einem Kunststoffbrett zwischen den Beinen eingeklemmt? Ich hinterfrage nichts mehr. Zuhause angekommen fällt mir in der Leistungsanalyse der App eine bislang unbekannte Kategorie ins Auge: Swolf. Diese Messgröße gibt die Effizienz des Schwimmens an, indem die Zahl der Züge mit der gerundeten Zeit für eine Bahn addiert wird. Im Schnitt habe ich einen Swolf-Wert von 40. Will heißen: Bei 10 Zügen brauche ich 30 Sekunden auf der 25-Meter-Bahn. Dieser Kennwert könnte für mich besonders interessant werden. Mir geht es nicht darum, den Triathlon in einer bestimmten Zeit zu schaffen, aber ich würde das Schwimmen gerne möglichst kraftsparend gestalten. Vor dem Schwimmen habe ich am meisten Respekt. Der Schlüssel zum Erfolg könnte also darin liegen, möglichst wenige, aber dafür technisch saubere Schwimmzüge zu benötigen, um so den Swolf-Wert zu reduzieren.

Diese Erkenntnis motiviert mich. Deswegen geht es in dieser zweiten Trainingswoche auch noch zum Joggen, natürlich mit der Pulsuhr. Nach 500 Metern merke ich: So ganz habe ich die Funktionalität noch nicht begriffen. Ich bin noch keine fünf Minuten gelaufen, da vibriert mein neuer Begleiter. Auf der Anzeige leuchtet das Wort 'Ziel' auf. Ich weiß nicht, ob ich mich geschmeichelt oder veralbert fühlen soll, und ignoriere die irritierende Information. Also weiter durch den Wald.

Taktisch reichlich unklug laufe ich in der prallen Mittagssonne, Spaß fühlt sich anders an. Die Uhr meldet sich mit einer aufdringlichen Vibration erneut zu Wort: 'Runde 1: 6:32,5 Minuten.' "Welche Runde?", frage ich mein linkes Handgelenk gereizt. Schließlich laufe ich - offenbar seit etwas mehr als sechs Minuten - kontinuierlich geradeaus. Später soll ich erfahren, dass die Pulsuhr nach jedem gelaufenen Kilometer eine Rundenzeit ermittelt.

Es ist ein vorsichtiges Kennenlernen zwischen uns beiden, aber die Uhr weiß, wie sie mich packen muss. Zum Abschluss meiner ersten Laufeinheit mit der Pulsuhr steht auf dem Display: 'Persönlicher Rekord. Schnellste Zeit auf 5 Kilometer.' Rund vier Monate vor dem Start beim Beilngrieser Triathlon hoffe ich, dass meine erste Trainingsbestzeit nicht die letzte sein wird.
Christian Missy
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