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Der Karlshulder Markus Mattes hat aus einem mittelmäßigen Bayernligateam einen Regionalligisten geformt

Bescheidener Meistermacher

Karlshuld
erstellt am 24.05.2017 um 19:10 Uhr
aktualisiert am 08.06.2017 um 03:33 Uhr | x gelesen
Karlshuld/Eichstätt (DK) Immer wieder schüttelt Markus Mattes den Kopf, immer wieder fährt er sich mit den Händen über das Gesicht. Als wolle er sich notfalls selbst wachrütteln, um zu erkennen, ober dieser so unrealistisch wirkende Traum Realität ist oder nicht. Es ist eine Szene nach dem Spiel am vorletzten Spieltag, als der VfB Eichstätt endgültig Meister der Bayernliga Nord wird und der Aufstieg in die vierthöchste deutsche Spielklasse feststeht. Mattes weiß, er erlebt mit dem Aufstieg in die Fußball-Regionalliga gerade den Höhepunkt seiner bisherigen Trainerlaufbahn.
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Eichstätts Trainer Markus Mattes.
Traub
Karlshuld

Als er den VfB nach der Winterpause 2015 als Nachfolger von Jürgen Steib übernahm, war diese Entwicklung nicht absehbar. Die Mannschaft stand in der Bayernliga Süd auf dem zehnten Tabellenplatz und kämpfte gegen den Abstieg. Am Ende wurden die Domstädter immerhin 13. Von Mattes waren damals dennoch nicht alle Fußballinsider überzeugt. Schließlich hatte der Coach einen wenig attraktiven Defensivfußball spielen lassen. "Was nützt es, wenn wir schön spielen, aber absteigen", verteidigte sich der Karlshulder damals: "Das Ziel ist nichts anderes als der Klassenerhalt."

Seine bis dahin versteckt gebliebenen Qualitäten spielte Mattes aber zu Beginn der darauffolgenden Saison aus. In Zusammenarbeit mit Abteilungsleiter Hans Benz baute der Trainer den Kader um und verpflichtete zuvor meist unterklassige Akteure, die erstaunlich schnell zu Stützen der Mannschaft wurden.

Damit war auch der anfängliche Schock, als der Bayerische Fußball-Verband die Eichstätter zwangsweise in die Bayernliga Nord einteilte, bald überwunden. Vor allem aus dem Grund, da die Zwangsversetzung am Ende ein Glücksfall war. Der VfB fühlte sich sportlich sofort wohl in der Nord-Gruppe, dominierte die vermeintlich stärkeren Konkurrenten und schloss die Saison mit einem nie erwarteten zweiten Tabellenplatz ab. Dass diese Platzierung nicht mit defensivem Rumpelfußball, sondern vor allem mit sehenswerter Spielkultur zu erreichen war, verstand sich von selbst.

Nun mögen Skeptiker anmerken, dass Mattes nicht der erste Trainer wäre, der eine Saison lang nur mit viel Glück Erfolg hatte. Umso spannender war die zweite Spielzeit in der Bayernliga Nord. Schließlich stand erneut ein Umbau der Mannschaft an - schon alleine der Weggang von Top-Torjäger Atdhedon Lushi, der 17 Treffer erzielt hatte, riss eine große Lücke in die Offensive.

Doch Mattes gelang es auch diesmal, die Mannschaft trotz der geringen finanziellen Mittel, die in Eichstätt zur Verfügung stehen, nicht nur zu ergänzen, sondern sogar zu verstärken. Es zeigte sich, dass der akribisch arbeitende Coach seine Mannschaft nicht nur spieltaktisch ausgezeichnet auf den Gegner einstellen kann, sondern sich vor allem erneut dadurch auszeichnete, für die schwächeren Positionen im Mannschaftsgefüge stärkeren Ersatz zu finden. Den erstaunlichen Höhenflug der Eichstätter, der letztlich mit dem Aufstieg endete, konnte dennoch niemand vorhersehen. Selbst der Trainer nicht.

Wahrscheinlich wurde Mattes erst nach diesem entscheidenden Spieltag so wirklich bewusst, wie entscheidend er selbst die Entwicklung dieser Mannschaft und damit auch die des ganzen Vereines beeinflusst hat.

Es gibt Menschen, die ihre besonderen Qualitäten meist erst dann erkennen, wenn sie ihnen von außen vor Augen geführt werden. Mit einem unerwarteten Lob - oder, wie in diesem Fall, mit dem nie einkalkulierten Aufstieg. Es ist ein ganz und gar sympathischer Wesenszug. Auch wenn diese Menschen mitunter vielleicht kurz abseits stehen, während die anderen bereits feiern, erstaunt den Kopf schütteln und realisieren, dass es eben kein Traum ist, den sie gerade erleben.

Von Gerhard von Kapff
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