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Regionalliga: Der FC Pipinsried muss um den Klassenerhalt bangen - Suche nach zweitem Trainer

Zu gut für den Abstiegskampf?

Pipinsried
erstellt am 07.12.2018 um 16:55 Uhr
aktualisiert am 07.12.2018 um 21:21 Uhr | x gelesen
Pipinsried (PK) Der FC Pipinsried steckt in der Fußball-Regionalliga im Abstiegskampf - trotz der Qualität im Kader. Es wird ein interessanter Winter beim Dorfklub - auch was die Trainerposition angeht.
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Steht in der Kritik: Auf dem Platz ist Spielertrainer Fabian Hürzeler nicht zu ersetzen. Weil er dem FC Pipinsried aber aufgrund seiner Trainertätigkeit bei den DFB-Junioren oft fehlt, häufen sich kritische Stimmen.
Steht in der Kritik: Auf dem Platz ist Spielertrainer Fabian Hürzeler nicht zu ersetzen. Weil er dem FC Pipinsried aber aufgrund seiner Trainertätigkeit bei den DFB-Junioren oft fehlt, häufen sich kritische Stimmen.
Kramer
Pipinsried
"Mit dem Kader habt Ihr da unten eigentlich nichts zu suchen!" Diesen Satz bekam Roman Plesche, der Manager des Regionalligisten FC Pipinsried, in den vergangenen Monaten mehrfach zu hören. So jüngst auch vom Coach des FC Ingolstadt II, Tobias Strobl, wie der FCP-Kaderplaner berichtet.

Einerseits ein Lob für Plesches Arbeit, andererseits eine Anklage. Denn eine derartige Aussage besagt: Irgendetwas läuft grundsätzlich schief beim Dorfklub, der auf dem vorletzten Tabellenplatz überwintern muss. Mit mageren 19 Zählern aus 21 Partien und einer deprimierenden Anzahl an Gegentoren: 43. Nur Schlusslicht SV Heimstetten hat noch mehr kassiert: 46.

Den Manager beschleicht seit einigen Wochen ein schlimmer Verdacht: Das Team ist einfach zu gut für den Abstiegskampf. Offensivkräfte wie Marian Knecht, Amar Cekic und Kasim Rabihic seien überall gefragt, so Plesche. Ebenso ein Kicker wie Kapitän Thomas Berger oder ein Tormann wie Thomas Reichl-mayr. Von Fabian Hürzeler ganz zu schweigen. "Sofern Fabian austrainiert ist", setzt Plesche hinzu. Eine Einschränkung, die Bände spricht. "Die Mannschaft weiß, dass sie jeden schlagen kann", analysiert der Manager. Ein Wissen, das wohl bei einigen Kickern zu einem gefährlichen Selbstbewusstsein geführt hat - im Sinne von: "Eigentlich kann uns gar nichts passieren."

Die vielen Spektakelspiele im vergangenen halben Jahr bestärkten das Gefühl: das 3:3 gegen Viktoria Aschaffenburg nach einem 0:3-Halbzeitrückstand, ebenso wie ein 2:2 gegen die SpVgg Bayreuth nach 0:2-Rückstand, das 2:1 beim FC Augsburg II oder jüngst das 1:1 beim FC Bayern II. Dazu der Höhepunkt: der 5:0-Triumph gegen den damals ungeschlagenen Ligazweiten 1. FC Schweinfurt 05. Doch schon diese Aufzählung zeigt: Zu oft wurden Unentschieden als Erfolge gefeiert, zu selten wurde gegen die Abstiegskonkurrenz gepunktet: In Garching verlor das Team sang- und klanglos mit 0:2, in Heimstetten wurde ein sicherer Sieg vergeigt - 2:2 hieß es am Ende.

Die Wurzel allen Übels ist indes der verpatzte Start in die Saison: Fünf Niederlagen am Stück folgten zwei magere Remis. "Der neue Kader musste sich erst einspielen", rechtfertigt sich Plesche. Zur Erinnerung: Rund ein Dutzend Kicker der Vorsaison nahmen ihren Hut, noch mehr Neue kamen hinzu. "Dass die anderen Teams eingespielt waren, konnten wir nicht kompensieren, auch wenn jeder unserer Spieler Viertliga-Niveau hat", hat der Manager mittlerweile erkannt.

Dazu kamen hausgemachte Probleme auf der Trainerbank. Und damit zurück zu Hürzeler. Dessen Engagement als DFB-U20-Co-Trainer erwies sich zunehmend als Belastung. Unter anderem, weil er im Grunde die einzige Führungsfigur auf dem Platz ist. Fehlt er, ist die Mannschaft in Krisensituationen führungslos. Ein Umstand, der auch dem Vereinsvorstand nicht verborgen geblieben ist, ebenso wenig wie den Fans. Seit dem Herbst steht Hürzeler daher ständig in der Kritik. Eine Situation, die dem selbstbewussten 25-Jährigen durchaus zu schaffen macht, wie er zuweilen erkennen lässt.

Die oben genannten Edelkicker können ihn dabei nicht entlasten: Sie werden eher selten laut auf dem Platz - im Gegensatz zu Torwart Reichlmayr, der allerdings in dieser Saison bedeutend ruhiger geworden ist, zum Wohle seiner selbst und des Vereins. Aber auch gestandene FCP-Veteranen wie Andreas Schuster oder Markus Achatz machen kaum ihren Mund auf. Michael Denz hätte vielleicht eine Führungsfigur werden können, verbaute sich aber durch seinen Konflikt mit Trainer Manfred Bender selbst den Weg. Bender, der im September als zweiter Trainer installiert wurde, hatte bis zur 2:4-Niederlage gegen die SpVgg Greuther Fürth II am 3. November eigentlich alles richtig gemacht. Die Doppelauswechslung von Denz und Achatz nach nur 23 Minuten vergiftete wohl nachhaltig die Chemie zwischen ihm und dem Team. "Mit dieser Aktion war auch ich nicht einverstanden", erklärt Plesche nun. Dass er von Benders Flirt mit Fortuna Köln wenig angetan war, versteht sich von selbst.

Die Trennung schien unvermeidlich. Denz wird dennoch kein Comeback im gelb-blauen Leiberl feiern. Aus beruflichen Gründen, wie Plesche andeutet. Er erläutert: "Sein Pass bleibt bei uns, im allergrößten Notfall könnte er einspringen."

Mit welcher Trainerkonstellation geht es nun weiter? "Alles ist offen", betont der Kemptener. Er bestätigt zwar Gespräche mit dem jungen Coach des Südost-Landesligisten SpVgg Landshut, Peter Gaydarov (27) aus Vohburg, der vor einigen Jahren beim SV Manching als B-Jugend-Übungsleiter aktiv war. Doch seit die Trennung von Bender öffentlich wurde, klingelt beim FCP-Manager das Telefon ohne Unterlass: "In den vergangenen Tagen haben sich über 30 Trainer bei uns gemeldet." Darunter viele bekannte Namen, Trainer wie Ex-Profis. Auch aus Österreich und der Schweiz. "Die Stelle beim FC Pipinsried scheint sehr attraktiv zu sein", meint Plesche. Das Hauptkriterium des neuen Manns sollte jedoch sein, ob er Abstiegskampf kann. Ob das jeder beim FCP begriffen hat, muss sich erst noch zeigen.

Horst Kramer
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