Mittwoch, 12. Dezember 2018
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Ein Kampf mit offenem Visier: Karl Straub verliert Boxfight gegen Karl Ettinger, ist aber zufrieden

"Mehr war nicht drin"

Ingolstadt/Pfaffenhofen
erstellt am 17.06.2018 um 11:52 Uhr
aktualisiert am 03.07.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (PK) Kein Sieg, dafür aber ganz viel Anerkennung und Respekt: Der CSU-Landtagsabgeordnete Karl Straub hat den Boxkampf bei der zweiten Gladiator-Fight-Night am Samstagabend gegen den Ingolstädter FDP-Stadtrat Karl Ettinger einstimmig nach Punkten verloren. Am Ende aber war Straub zufrieden. Auch weil er durchgehalten hat.
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Einstecken und austeilen: Karl Straub (rechts) musste sich nach Punkten gegen Karl Ettinger geschlagen geben.
Einstecken und austeilen: Karl Straub (rechts) musste sich nach Punkten gegen Karl Ettinger geschlagen geben.
Reichelt
Ingolstadt/Pfaffenhofen
Was alles in acht Wochen Vorbereitung möglich ist, haben die beiden Politiker am Samstagabend im Ring gezeigt. Als Promikampf tituliert, war der Fight der Politiker natürlich einer mit einem Augenzwinkern. Beide sind Quereinsteiger, auch wenn Straub seit einiger Zeit zum Kickboxtraining geht. Große technische Künste und spektakuläre Schlagkombinationen hatte niemand erwartet. Für Straub und Ettinger ging es vor allem um einen guten Zweck. Beide dürfen einen Betrag der Eintrittsgelder an eine Organisation spenden: Ettinger wird den Tierschutzverein Ingolstadt unterstützen, Straub wird seinen Betrag dem Verein Familien in Not geben. "Mir ist wichtig, dass das Geld dort für Kinder genutzt wird", sagte er.
Ettinger dominierte den Kampf, setzte immer wieder Wirkungstreffer.
Ettinger dominierte den Kampf, setzte immer wieder Wirkungstreffer.
Reichelt
Ingolstadt/Pfaffenhofen



Zu einem sportlichen Wettkampf gehört aber natürlich auch ein Gewinner. Und beide Politiker zeigten sich ehrgeizig, schon vor dem Kampf. Das bewies die Nervosität. Beide versuchten diese zwar kleinzureden, aber vor 1250 Zuschauern im ausverkauften Ingolstädter Stadttheater zu boxen, war auch für die beiden alten Hasen Neuland. Straubs Trainer Maik Hofmann von der Oyakata-Kampfsportakademie, versuchte seinen Schützling deshalb vorab in der Kabine bestmöglich vorzubereiten: "Er wird dich hart angehen, dich sofort beeindrucken wollen. Er wird dir zeigen: ,Hier, ich bin die FDP.' Aber nichts da." Hofmann hatte noch einen weiteren Tipp: "Was du mit den Händen nicht klären kannst, musst du mit den Beinen machen." Sprich: Laufarbeit ist sehr wichtig.
In den Ringpausen betreuten Maik Hofmann (rechts) und Christoph Seitfeld (links) den Landtagsabgeordneten.
In den Ringpausen betreuten Maik Hofmann (rechts) und Christoph Seitfeld (links) den Landtagsabgeordneten.
Reichelt
Ingolstadt/Pfaffenhofen



Aber vier Runden à zwei Minuten sind lang. Sehr lang sogar. Straub dachte sich das wohl auch und ging zum Start des Kampfes direkt in die Offensive. der Landtagsabgeordnete traf auch gut, doch Ettinger konterte ebenfalls stark. Der Ingolstädter dominierte mit dem Publikum im Rücken die erste Runde, bearbeitete Straub immer wieder mit Schlägen. Straub hing teilweise gar in den Seilen, versuchte aber auch immer wieder, selbst für Treffer zu sorgen. Was für die Zuschauer unbemerkt blieb, verriet Trainer Hofmann nach dem Kampf: "Karl hat seine Kontaktlinsen in der ersten Runde verloren." Hofmann und Betreuer Christoph Seitfeld redeten Straub in der Pause gut zu, ans Aufgeben dachte dieser aber nach einer zunächst starken, aber am Ende schwierigen ersten Runde nicht: "Das gibt es für mich nicht. Solange ich stehe, stehe ich."
Mehrmals gelang es Ettinger, Straub in die Ecke zu drängen und dort mit Schlägen zu bearbeiten.
Mehrmals gelang es Ettinger, Straub in die Ecke zu drängen und dort mit Schlägen zu bearbeiten.
Reichelt
Ingolstadt/Pfaffenhofen



Und das tat Straub. Auch in den nächsten drei Runden war Ettinger immer der kontrollierende Boxer. Vor allem setzte der Ingolstädter seinem CSU-Kontrahenten mit Schlägen auf den Körper sichtlich zu. Mehrfach schaffte es Ettinger auch, Straub in die Seile oder die Ecke zu drängen, um ihn dort mit Schlägen zu bearbeiten. Ettinger bewies seine Unterhaltungsqualitäten, reckte schon nach der zweiten Runde die Arme in die Höhe und ließ sich feiern. Zu recht, der Ingolstädter lieferte einen starken Kampf. Straub hielt gut dagegen.
Nach dem Kampf fielen sich Ettinger und Straub in die Arme und posierten gemeinsam, beide waren mit ihrer Leistung zufrieden
Nach dem Kampf fielen sich Ettinger und Straub in die Arme und posierten gemeinsam, beide waren mit ihrer Leistung zufrieden
Reichelt
Ingolstadt/Pfaffenhofen



Wie zu erwarten war, ließ bei beiden über den gesamten Kampf die Deckungsarbeit zu wünschen übrig, sodass es auf beiden Seiten zu mehreren klaren Treffern kam. Mit der Zeit ließen die Kräfte immer mehr nach: Der Druck hinter den Schlägen wurde geringer, die Präzision fehlte fast komplett. Hüben wie drüben wurde mit offenem Visier gekämpft, manche Fäuste fanden doch den Weg ins Ziel. Straub versuchte es immer wieder mit Schwingern, Ettinger wich meist gekonnt aus. "Ich hatte immer das Gefühl, dass ich ihn doch noch kriegen kann", erklärte Straub hinterher, sprach aber wie Hofmann von einem absolut verdienten Sieg Ettingers.
 

Gladiator-Fight-Night

 
Umso überraschter war ein im Gesicht gezeichneter Straub, als der Ringrichter bei der Entscheidung seinen Arm in den Himmel reckte - ein kurzer Irrtum des Unparteiischen. Ettinger ließ sich den Siegergürtel anlegen und von seinem Publikum feiern. Gleichzeitig lobte er seinen Kontrahenten: "Was der Straub alles einstecken kann, ist ja wahnsinnig. Er ist halt ein Politiker", meinte Ettinger. Der 50-jährige Sieger und sein vier Jahre jüngerer Kontrahent erhielten von allen Seiten Lob, auch von Organisator Dardan Morina. Der Kickbox-Weltmeister bedankte sich bei beiden für ihren Einsatz für einen guten Zweck. Auch Hofmann war trotz Niederlage stolz auf seinen Schützling: "Was er geleistet hat und welche Fortschritte er gemacht hat, ist bemerkenswert. Er hat es richtig gut gemacht." Auch Straub zeigte sich am Ende zufrieden: "Ich habe vier Runden Dampf gemacht, mehr war nicht drin. Aber ich habe durchgehalten."

An den Kampf und seinen Gegner wird Straub noch lange denken, vor allem in den nächsten Tagen. Der Kopf brummte nach dem Kampf ein wenig, wie Straub erklärte. Hofmann und Seitfeld kühlten in der Kabine anschließend sein Gesicht. schlimmer verletzt hatte sich Straub nicht. "Aber die Augen könnten anschwellen. Und die Nase nimmt alle möglichen Farben an. Die wird schön bunt", meinte der Trainer. Aber damit kann Straub leben. Denn auch darauf war er ja vorbereitet.
Kevin Reichelt
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