Dienstag, 16. Oktober 2018
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Trainerlegende Karsten Wettberg ist von der deutschen Fußballnationalmannschaft überzeugt

"Der Kader ist stark wie nie"

Pfaffenhofen
erstellt am 12.06.2018 um 18:08 Uhr
aktualisiert am 29.06.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (PK) Unter den Sportbegeisterten in der Region gibt es nur noch ein Thema: die Fußballweltmeisterschaft in Russland, die morgen startet. Trainerlegende Karsten Wettberg wird das Turnier wieder mit einer Kolumne in unserer Zeitung begleiten. Zum Auftakt setzt er sich diesmal mit dem Kader der deutschen Nationalmannschaft auseinander. Und seine Einschätzung ist durchaus vielversprechend.
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?Die WM wird spannend?: Trainerlegende Karsten Wettberg rechnet mit einem interessanten Turnierverlauf. Die deutsche Mannschaft sieht er durchaus in einer vielversprechenden Verfassung, um ihren Titel zu verteidigen. Der Kader sei so stark besetzt wie noch nie. Als weitere Favoriten sieht er Frankreich und Brasilien.
"Die WM wird spannend": Trainerlegende Karsten Wettberg rechnet mit einem interessanten Turnierverlauf. Die deutsche Mannschaft sieht er durchaus in einer vielversprechenden Verfassung, um ihren Titel zu verteidigen. Der Kader sei so stark besetzt wie noch nie. Als weitere Favoriten sieht er Frankreich und Brasilien.
Foto: DK (Archiv)
Pfaffenhofen
Wer muss von den 27 ins Trainingslager nach Eppan in Südtirol eingeladenen Nationalspielern den bitteren Heimweg antreten und kann den wohlverdienten Urlaub antreten und wer gehört zu denen, die die Reise zur Weltmeisterschaft in Russland antreten dürfen? So lautete auch die in der Öffentlichkeit in den vergangenen Wochen viel diskutierte Frage für das Trainerteam um Bundestrainer Joachim Löw. Ich finde den nominierten Kader fachlich nachvollziehbar, bis auf Leroy Sané, dessen Saisonleistung bei Manchester City mit der Auszeichnung als bester Nachwuchsspieler in England gewürdigt wurde und der durchaus seinem Konkurrenten Julian Brandt hätte vorgezogen werden können.

Der Kader ist meiner Meinung nach stark wie nie, der Bundestrainer setzt in erster Linie auf seine "Weltmeister" von 2014. Der von manchen Experten geforderte Sandro Wagner vom FC Bayern München hatte gegen einen Mario Gomez vom VfB Stuttgart das Nachsehen, weil dieser großen Anteil am Höhenflug seines Vereins in der Bundesliga hatte und sicher auch teamfähiger erscheint als der doch sehr eigenwillige Wagner. Diese Einschätzung hat Wagner mit seinem sofortigen Rücktritt aus der Nationalmannschaft nach seiner Nichtnominierung auch sofort bestätigt. Sein Verhalten nach dem Pokalendspiel gegen Eintracht Frankfurt, als er seine Silbermedaille in die Zuschauerränge warf, ist ebenfalls einfach unentschuldbar und eines deutschen Nationalspielers nicht würdig.

Die Angelegenheit rund um Mesut Özil und Ilkay Gündogan wird uns und damit die Öffentlichkeit noch lange beschäftigen - besonders den DFB und den Bundestrainer. Es sind nicht wenige, die Löw den Vorwurf machen, er würde mit zweierlei Maß messen. Und dies ist auch nicht gänzlich von der Hand zu weisen. Ich denke an Michael Ballack, Lukas Podolski, Kevin Kuranyi und Max Kruse.

Das Risiko, mit Manuel Neuer und Jérôme Boateng vom FC Bayern München zu planen, obwohl beide mit langwierigen Verletzungen zu kämpfen hatten und hinter ihrer Einsatzfähigkeit zwischenzeitlich ein großes Fragezeichen stand, finde ich richtig. Der Bundestrainer setzt auf Blockbildung - bis auf die linke Abwehrseite wird er die komplette Münchner Verteidigung nominieren. Welches Team kann Ähnliches aufbieten? Sollte das Risiko mit Boateng im ersten Spiel gegen Mexiko noch zu groß sein, stehen mit Niklas Süle und Antonio Rüdiger adäquate Ersatzleute zur Verfügung.

Davon unabhängig bleibt festzuhalten: So eine lange Vorbereitungszeit hatte eine deutsche Nationalmannschaft überhaupt noch nie. Wenn auch nach vielen Turnieren unser "Physiopapst" Klaus Eder wegen seiner Reha ausfällt, kann dennoch kein Team mit dem technischen Stab um unsere Mannschaft herum mithalten: Wie immer nur das Allerbeste und das Allerteuerste, denn das Ziel ist eindeutig die Titelverteidigung.

Für die 32 Nationalteams, die bei der WM in Russland dabei sind, geht es nicht nur um Ruhm und Ehre, sondern auch um viel Geld. Der Weltverband Fifa wird an die Teilnehmer 344 Millionen Euro ausschütten! Bemerkenswert ist, dass etwa Spanien bei einem Titelgewinn je Spieler 800000 Euro, dagegen der DFB bei eine Titelverteidigung "nur" 350000 Euro für jeden Spieler ausschütten würde.

Der Austragungsort Russland ist aus politischen Gründen durchaus umstritten. Ein Boykott dieser Großveranstaltung würde nichts an der Politik des veranstaltenden Landes ändern, das lehrt uns die Geschichte. Die Verlierer waren immer die betroffenen Sportler - und die politischen Fronten haben sich verhärtet. Kritisch sehe ich auch die nicht gegebene Nachhaltigkeit bei den Sportstätten, weil dann der Bedarf in dieser Größenordnung nicht mehr besteht.

Aber nun zum Thema Sport: Wer sind bei dieser WM die Favoriten? Spanien, Brasilien, Frankreich und Titelverteidiger Deutschland werden auch von den meisten Experten genannt. Mein Top-Favorit ist Frankreich, einfach vom Potenzial her. Wer es sich leisten kann, auf einen Anthony Martial (Manchester United) und einen uns bestens bekannten Kingsley Coman vom FC Bayern zu verzichten, muss sehr, sehr stark sein. Nationaltrainer Didier Deschamps hat viele Einzelkönner in seinen Reihen, wie etwa Antoine Griezmann und Kylian Mbappé oder auch Paul Pogba. Wenn es dem Coach gelingt, aus diesen Klassespielern ein echtes Team zu formen, hat Frankreich hervorragende Chancen auf den Titel.

Mit dem fitten Neymar und einer sehr spielstarken und disziplinierten Mannschaft gehören auch die Brasilianer zu den Teams, die sich Hoffnungen auf den Titel machen können. Man muss aber sehen, wie sich die 7000 Kilometer Reisestrapazen für die drei Spiele von und nach Sotschi auf Fitness und Stimmung auswirken. Die Seleção muss in Rostow am Don gegen die Schweiz, in St. Petersburg gegen Costa Rica und in Moskau gegen Serbien antreten. Interessant: Theoretisch könnten Titelverteidiger Deutschland und Mitfavorit Brasilien schon im Achtelfinale aufeinandertreffen. Voraussetzung ist, dass eines der beiden Teams Erster und der andere Zweiter wird.

Spanien war, ist und wird wohl auch in naher Zukunft ein heißer Titelkandidat sein. Das Team um Trainer Julen Lopettegui hat im Testspiel gegen Deutschland einfach famos gespielt.

Dem Europameister Portugal, den mit vielen Talenten gesegneten Belgiern und auch England traue ich den Titel noch nicht zu. Ich weiß natürlich, dass für Argentinien relativ wenig spricht, doch ihr Superstar Lionel Messi ist endlich einmal fit bei einer WM und für ihn spricht immer noch sehr viel. Gönnen würde ich diesem Dribbelkünstler, dass seine überragende Karriere endlich die Krönung bekäme. Es ist angerichtet!
 
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