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U17-WM: Ingolstädterin Emilie Bernhardt über das Viertelfinal-Aus, Tauschgeschäfte und Busfahrer Pablo

"Das bleibt lange in Erinnerung"

Montevideo
erstellt am 09.12.2018 um 21:27 Uhr
aktualisiert am 25.12.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Montevideo/Ingolstadt (PK) Eigentlich ist die Erklärung ganz einfach: "Pablo hat gefehlt", sagt Emilie Bernhardt mit einem Grinsen.
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"Als er weg war, sind wir ausgeschieden. Das war der Grund", flachst die 16-jährige Ingolstädterin. Wenige Tage nach dem Viertelfinal-Aus mit der U17-Mannschaft des Deutschen Fußballbundes (DFB) bei der WM in Uruguay kann die ehemalige Spielerin der DJK Ingolstadt schon wieder recht locker über ihre erste Weltmeisterschaft plaudern. "Zwei, drei Tage hat es gedauert, aber jetzt hab' ich es ganz gut verdaut", sagt sie gut gelaunt beim Gespräch im elterlichen Haus im Ingolstädter Nordosten. Die vielen Erlebnisse in Südamerika überlagern längst das ärgerliche 0:1 gegen Kanada - und Busfahrer Pablo gehört natürlich dazu.

"Er war einfach lustig und hat es immer wieder geschafft, uns ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern", erinnert sich Bernhardt. Das ritualisierte und meist von gut gelauntem Grinsen begleitete Abklatschen mit ihm gehörte zum Beispiel bei jedem Ein- und Aussteigen dazu. Dass die gesamte Mannschaft an Pablos Geburtstag im Bus gesungen hat, versteht sich von selbst. Nach den drei Vorrundenspielen wurde er jedoch abberufen. Am Ausscheiden der deutschen Elf im ersten K. -o. -Rundenspiel trifft ihn in Wahrheit also keine Schuld.

Für die deutsche Auswahl und für Bernhardt selbst war das Turnier bis dahin sehr positiv verlaufen. "Dass wir unsere Gruppe als Erste beenden, haben vorher die Wenigsten geglaubt", sagt die junge Verteidigerin. Ein 4:1-Sieg gegen Titelverteidiger Nordkorea ("Wir konnten es selbst gar nicht glauben") und die 4:0-Gala gegen die USA ("Die waren richtig gut, wir aber unglaublich effizient") brachten dem DFB-Team aber schließlich Platz eins.

Die unnötige 0:1-Pleite gegen die unorthodox spielenden Kamerunerinnen fiel deshalb nicht mehr ins Gewicht, ist Bernhardt aber dennoch in Erinnerung. "Die hatten mit ihren schnellen Spielerinnen, den vielen langen Bällen und ihrer robusten Gangart schon eine eigene Art Fußball zu spielen", sagt sie. Vor allem körperlich agierten die Afrikanerinnen mit enormer Wucht. "Ich gehöre bei uns zu den großen Spielerinnen. Die waren aber fast alle noch größer, unglaublich", erzählt die 1,69 Meter große Blondine.

Das anschließende Viertelfinale stand lange auf des Messers Schneide, ehe die Kanadierinnen nach einem Konter in der 83. Minute die Partie auf ihre Seite zogen. Bernhardt und Verteidiger-Kollegin Julia Pollak liefen im entscheidenden Moment im vollen Sprint direkt neben Torschützin Jordyn Huitema. Als die Flanke kam, konnten sie aber nicht mehr eingreifen. "Ich dachte, wenn ich jetzt reingrätsche, haue ich die Kanadierin voll um", erinnert sich Bernhardt. Kollegin Pollak versuchte es, kam aber auch zu spät - das Spiel war entschieden. "Wir haben noch mal alles probiert, aber es sollte nicht mehr sein. Schade, denn wir hatten schon das Gefühl, dass wir eine gute Chance haben, richtig weit zu kommen", sagt die Ingolstädterin.

Still, sehr still sei es anschließend in der Kabine gewesen, erzählt sie. Der Trost der Kanadierinnen, viele Gespräche mit den Teamkolleginnen und ein Stadtbummel am nächsten Tag durch Uruguays Hauptstadt hätten schließlich dabei geholfen, die Niederlage zu verarbeiten. "Ich habe ein Weihnachtsgeschenk für meine Schwester gekauft", verrät Bernhardt, die für sich selbst nichts gefunden hat.

Ganz ohne Souvenirs kommt sie dennoch nicht zurück. "Wir haben immer wieder mit den anderen Mannschaften im selben Hotel gewohnt, uns mit den Spielerinnen unterhalten und Trikots oder Trainingskleidung getauscht", berichtet Bernhardt. Sie selbst ist dabei mit einer Neuseeländerin und einer Kanadierin ins Geschäft gekommen. Interessant sei zudem gewesen, wie etwa die Afrikanerinnen ihre Mahlzeiten zelebrieren. "Die Lautstärke war teilweise schon enorm, weil die auch beim Essen gerne singen und feiern. " Die Erklärung, warum nebendran die Nordkoreanerinnen beachtliche Mengen Cola zu sich nahmen, hatten Bernhardt und Kolleginnen schnell gefunden: "Ganz einfach: Weil es bei ihnen zu Hause verboten ist. "

Strandspaziergänge, Stadtführungen, eine Einladung beim deutschen Botschafter sowie der Besuch einer deutschen Schule rundeten das Freizeit-Programm für den DFB-Tross ab. Vor allem der erste Turnierort, die Weltkulturerbe-Stadt Colonia del Sacramento, habe sie beeindruckt, sagt Bernhardt. "Ich würde gerne nochmal zum Urlaub nach Uruguay fahren. "

Pflichtprogramm gab es abseits des Turniers allerdings auch noch, schließlich sind die jungen Spielerinnen bis auf Greta Stegemann alle noch schulpflichtig. "Mit Ausnahme der Spieltage haben wir jeden Tag eineinhalb Stunden mit zwei Lehrern die Aufgaben bearbeitet, die wir mitbekommen haben", erzählt die Schülerin des Apian-Gymnasiums. Am Tag vor dem ersten Spiel hat sie in Uruguay sogar noch eine Englisch-Schulaufgabe geschrieben und diese dann per Mail nach Ingolstadt geschickt.

Auch das habe "gut geklappt", wie sie sagt, weshalb sie das Unternehmen WM in Uruguay so schnell wohl nicht vergessen wird. "Das war bislang auf jeden Fall der Höhepunkt meiner Karriere", sagt Bernhardt, die erst im vergangenen Sommer in Spanien EM-Silber mit der DFB-Auswahl geholt hat. "Eine WM ist noch mal besser organisiert, die Aufmerksamkeit ist höher und die Spiele gegen Mannschaft von anderen Kontinenten sind natürlich etwas ganz Besonderes. " Deshalb ist für sie klar: "Das bleibt auf jeden Fall lange in Erinnerung. "
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