Mittwoch, 16. Januar 2019
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Handball: Der zu kleine MTV-Kader bekommt beim 18:34 gegen Heidingsfeld Grenzen aufgezeigt

Lehrstunde statt Aufbruchstimmung

Ingolstadt
erstellt am 10.12.2018 um 21:33 Uhr
aktualisiert am 25.12.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Die Hoffnung der Landesliga-Handballer des MTV Ingolstadt, mit einem Sieg gegen Spitzenreiter TG Heidingsfeld im Aufstiegsrennen noch einmal einen wichtigen Schritt nach vorne machen zu können, wurde am vergangenen Samstag derb enttäuscht. Noch schwerwiegender als die erschreckend deutliche 18:34(8:13)-Niederlage war die Tatsache, dass die Partie einige grundlegende Probleme der Mannschaft brutal offenlegte.
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Fassunglos: MTV-Coach Jiri Smolik (rechts) und seine Spieler Matei Serban (Mitte) und Vlad Stoica während der Partie gegen Spitzenreiter TG Heidingsfeld.
Fassunglos: MTV-Coach Jiri Smolik (rechts) und seine Spieler Matei Serban (Mitte) und Vlad Stoica während der Partie gegen Spitzenreiter TG Heidingsfeld.
Rimmelspacher
Ingolstadt
Der sportliche Leiter Norbert Hartmann, Motor des MTV-Handballs, hielt es gar nicht mehr bis zum Schlusspfiff aus. Nachdem er zuvor schon mehrfach vergeblich aufs Feld gerufen, mit den Armen gerudert und gestikuliert hatte, griff er sich zwei Minuten vor dem Spielende seine blaue Tasche und marschierte durch die erstbeste Tür schnurstracks aus der Halle. "Ich war, naja, etwas angesäuert", erklärte der 47-Jährige, als er sich am nächsten Tag wieder etwas beruhigt hatte. "Dabei ging es mir nicht um die Niederlage. Es war schlimm zu sehen, wie die Mannschaft eingebrochen ist und sich hat gehen lassen. Das konnte ich irgendwann nicht mehr mit anschauen."

Sein Trainer Jiri Smolik, selbst als Aktiver lange Jahre unter anderem in der Bayernliga aktiv und im ersten Jahr beim MTV, stand vor einem Rätsel. "Wir spielen zehn Minuten, dann war Schluss. Das verstehe ich nicht. Sobald wir auf eine Mannschaft treffen, die mit Begeisterung kommt, haben wir Probleme." Der kleine Kader - Smolik standen nur zehn Feldspieler und ein (!) Torhüter zur Verfügung - hatten die Erfolgsaussichten von vornherein schon deutlich reduziert.

Denn neben Begeisterung und spielerischer Qualität brachte der Tabellenführer aus Heidingsfeld vor allem auch einen deutlich größeren Kader mit nach Ingolstadt. Immerhin rund 18 Minuten, bis zum Zwischenstand von 7:7, konnten die Gastgeber dank einiger gelungener Einzelaktionen von Dino Sabljakovic und Matei Serban noch mithalten. Nicht zuletzt weil aber MTV-Spielmacher und Top-Torschütze, Andrei Macovei, mehr mit sich als mit dem Spiel zu tun hatte, ging den Gastgebern zunehmend die Luft aus. Zur Halbzeit lagen sie bereits mit 8:13 im Hintertreffen.

Nach dem Seitenwechsel ein kurzes Aufbäumen. Macovei, ehemaliger rumänischer Erstliga- und Jugendnationalspieler, deutete einige Minuten seine überdurchschnittlichen Fähigkeiten an, warf binnen sieben Minuten seine ersten drei Tore und lieferte mit einem sehenswerten "No-look-pass" über fünf Meter auf Teamkollege Serban auch den handballerischen Höhepunkt des Spieles. Nach dem Serban-Treffer zum 12:14 zerfiel das dünn besetzte MTV-Team dann jedoch. Und spätestens als Serban bei einer Abwehraktion das Gesicht des Gegenspielers traf und mit Rot vom Feld musste, hatte Heidingsfeld leichtes Spiel. Wie gut sich der Primus fühlte, konnte man nicht zuletzt am provokativen rhythmischen Klatschen der Spieler erkennen, wenn sie am eigenen Kreis die nur noch lustlos vorgetragenen Angriffe der Ingolstädter erwarteten. Am Ende der Lehrstunde hatte der MTV mit 18:34 seine höchste Saisonniederlage kassiert.

"Ich will keine Entschuldigungen suchen. Ich bin der Trainer, also ist das mein Problem", zeigte Smolik beim anschließenden Gespräch trotz des Debakels Charakter. Erst wenn man nachbohrte, deutete der 37-Jährige an, dass die Lage beim MTV derzeit alles anderes als vielversprechend ist. Das größte Problem: Es fehlen Spieler. "Seit Sommer trainiere ich mit zehn Feldspielern und einem Torhüter. Das habe ich im Handball noch auf keiner Ebene erlebt. Wenn du Spielzüge trainieren und vernünftige Konkurrenz im Team haben willst, brauchst du 16 oder 18 Leute."

Hartmann weiß um das Problem, will aber gerade jetzt "Kurzschlussreaktionen" vermeiden. Man schaue sich um, sagt der 47-Jährige, der um seine Aufgabe nicht zu beneiden ist. Schon vor der Saison hätten diverse Spieler aus der Region sein Angebot, beim MTV zu spielen ausgeschlagen, "Das ist die Wahrheit, das will aber keiner hören", sagt Hartmann. Aktuell lassen ihn auch die Spieler aus der zweiten Mannschaft des Vereins im Stich. Während Smolik "sofort fünf Jungs nehmen würde", zogen die Reservespieler am Samstag das gemeinsame Weihnachtsessen einem möglichen Landesliga-Einsatz vor. "Die wollen mehr Spaß-Handballspielen und scheuen den Aufwand", hat Hartmann festgestellt.

Also braucht es weitere Verstärkung von außen, wenn der vor der Saison anvisierte Aufstieg in die Bayernliga über Relegationsplatz zwei vielleicht doch noch realisiert werden soll. "Ein oder zwei Feldspieler" könnte sich Hartmann als Zugänge vorstellen. Mit einem "jungen Spieler mit hoher Qualität" stehe man bereits in engem Kontakt. Torhüter Marek Bokuvka, ein Tscheche, trainiert seit Kurzem bereits mit der Mannschaft, für ihn fehlt nur noch die Spielberechtigung.

Lichtblicke. Ob es für den MTV, dem aktuell vier Zähler auf Rang zwei fehlen, in dieser Saison noch einmal zu mehr reicht, ist aktuell schwer vorstellbar. Hartmann selbst bleibt dran: "Ich bin der Letzte, der aufgibt. Auch wenn es nach so einer Niederlage vielleicht blöd klingt: Solange wir eine Chance haben, kämpfen wir weiter", verspricht er. Soll sein Vorhaben noch gelingen, wird er dringend Verstärkung brauchen.

MTV Ingolstadt: Csiki (Tor), Macovei, Sabljakovic, Serban, Lesak (alle 4 Tore), Stoica, Almasi (beide 1), Achhammer, Balasz, Calin, Broz.
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