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"Ich bin ein Fan von Andi Buchner"

Ingolstadt
erstellt am 24.09.2010 um 22:01 Uhr
aktualisiert am 01.12.2017 um 11:22 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Er war der "Flankengott" der Bundesliga und stand im Notizbuch von Bundestrainer Helmut Schön. Am Sonntag wird der gebürtige Kipfenberger Horst Blechinger runde 70 Jahre alt.
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Ingolstadt: "Ich bin ein Fan von Andi Buchner"
64 Mal spielte Blechinger für Schalke 04. - Foto: Imago
Ingolstadt
Er musste sich früh durchboxen, und das hat ihn geprägt. Blechinger war acht, als sein Vater 1948 vom Krieg zurückkehrte und bald darauf starb. Er war das zweitjüngste von sechs Kindern. "Mit 13 Jahren war ich gerade mal 1,44 Meter groß", sagt er. Auf Klassenfotos stellte er sich auf ein Grasbüschel, um einige Zentimeter zu gewinnen. "Beim Fußballspielen ließen sie mich nicht mitmachen, weil ich zu klein war. Da dachte ich mir: ,Denen zeig ich es‘". Er trainierte doppelt so viel, wurde gestreckt – und mit 17 schoss er doch noch in die Höhe. "Da spielte ich dann vormittags in der Jugend und schoss fünf Tore, nachmittags traf ich bei der Ersten des VfB Kipfenberg noch drei Mal".
 
Er arbeitete in einer Glasfabrik und wollte schleunigst raus. Der Fußball war seine Chance. Landesligist Rangierbahnhof Nürnberg wurde auf den dribbelstarken Vollblutfußballer aufmerksam und gab ihm die Chance zum Probetraining. Blechinger, gerade 18 geworden, hatte seine Fußballschule daheim vergessen. Vorbei am staunenden Trainer ging er in Socken auf den Rasen und spielte seine neuen Kollegen in Grund und Boden. Doch das Heimweh plagte ihn. Eines Tages – "es war Pfingstmontag" – stand ein Auto vor der Tür. Drin saßen Verantwortliche des ESV Ingolstadt. "Ich hab mich sofort reingesetzt und bin mitgefahren – so bin ich beim ESV gelandet". Dort verdiente er sich mit seinem Hobby 360 Mark hinzu, Prämien und "Nebengeräusche" gab’s oben drauf. "Vor dem Spiel haben mir Geschäftsleute Scheine zugesteckt", kann er sich erinnern. "Das führte dazu, dass ich während der Spiele oft mit 150 Mark in den Stutzen unterwegs war". Das Geld ging in die Mannschaftskasse. "Es gab im Feldmannhaus am Rathausplatz ein Tanzcafé, da waren wir immer". Binnen drei Jahren stieg er mit dem ESV drei Mal auf, und wenn vor der Einführung der Bundesliga 1963 keine Reform stattgefunden hätte, wäre man in der 1. Süddeutschen Oberliga gelandet.

 

Horst Blechinger
Horst Blechinger.
U. Ziegler
Ingolstadt
Blechinger zog es ins nagelneue Fußball-Oberhaus, zahlreiche Angebote flatterten ins Haus und er unterschrieb beim ruhmreichen 1. FC Nürnberg. Doch es sollte nicht zum Wechsel an die Noris kommen. Kurz vor knapp griffen ihn auf Höhe der alten Marienapotheke in Ingolstadt Verantwortliche des ESV auf und überboten das Angebot des Club.
 

"In der Glückauf-Kampfbahn zu spielen war der Wahnsinn"

 

Über die Station Schwaben Augsburg – in der Fuggerstadt heiratete er 1964 seine Frau Anna – ging es 1966 doch noch in die Bundesliga, zum FC Schalke 04. "Dort schätzte man mich, weil ich immer alles gegeben habe. In der Glückauf-Kampfbahn zu spielen, das war der Wahnsinn", kommt er noch heute ins Schwärmen. Der Anfang jedoch war heftig. "Nach dem dritten Trainingstag konnte ich mich kaum noch rühren". Er wollte hinschmeißen, doch seine Frau rieb ihn abends mit einem halben Liter Franzbranntwein ein und spornte ihn an. Bundestrainer Helmut Schön lud Blechinger, der damals in Fachblättern stets unter den besten fünf Außenstürmern der Republik zu finden war, zu Sichtungslehrgängen ein, zum Nationalspieler hat es aber nicht ganz gereicht. "Ich hätte es zu mehr bringen können, hundertprozentig", sagt er heute.

1970 beendete er seine Profikarriere und heuerte als Amateur beim MTV Ingolstadt an, den Job im Eichstätter Landratsamt gab’s obendrein. Etliche Stationen als Spieler und Trainer folgten, seit drei Jahren darf Blechinger sein Dasein als Rentner genießen, Kolumnen über den FC Ingolstadt schreiben ("Ich bin ein Fan von Andi Buchner") und sich um seine Vögel kümmern. Seinen 70. am Sonntag feiert der dreifache Vater und vierfache Großvater im engsten Familien- und Verwandtenkreis.

 

Horst Blechinger im Interview
Von Uwe Ziegler
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