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Drei Nachwuchstriathleten vom SC Delphin Ingolstadt machen derzeit deutschlandweit von sich reden

Die Besten ihres Fachs

Ingolstadt
erstellt am 30.08.2013 um 18:58 Uhr
aktualisiert am 01.02.2017 um 12:42 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Ein Trio vom SC Delphin Ingolstadt mischt derzeit die Triathlonszene auf. Pirmin Frey, Sophia Saller und Anabel Knoll zählen deutschlandweit zu den besten Nachwuchsathleten. An diesem Wochenende steht für zwei von ihnen ein weiterer Saisonhöhepunkt an.
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Ingolstadt: Die Besten ihres Fachs
 
Ingolstadt

„Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen.“ Hermann Hesses Spruch dient heutzutage vielen Leistungssportlern als Motivation. Sei es, um die Leistungsgrenze zu erreichen oder um den inneren Schweinehund beim täglichen Training zu überwinden. Die Lebensweisheit des Nobelpreisträgers hat sich auch Sophia Saller auf die Fahne geschrieben. „Das passt perfekt zu mir“, sagt sie – und das zu Recht. Die 19-Jährige studiert in Oxford an einer der renommiertesten Universitäten der Welt Mathematik, während sie zudem die ersten Schritte für eine mögliche Profikarriere im Triathlon wagt.

Saller begann erst vor drei Jahren mit dem Mehrkampf aus Schwimmen, Radfahren und Laufen. „Wenn mir vor drei Jahren einer gesagt hätte, dass ich die deutsche Meisterschaft gewinne, hätte ich womöglich noch gelacht“, sagt die gebürtige Münchnerin, nachdem sie im Juli die deutsche Meisterschaft in der Junioren-Klasse gewonnen hatte. Ihre ersten Wettkämpfe und schnell auch Erfolge feierte sie allerdings im Schwimmen. Damals noch in Fürth, wo sie bedingt durch die Arbeit ihres Vaters aufgewachsen ist.

Schnell entdeckte die Studentin aber auch die Passion fürs Laufen, ehe sie nach dem Umzug nach London auch schon ihren ersten Swim-and-Run bestritt, eine Kombination aus Schwimmen und Laufen. Die Premiere im Triathlon feierte sie bei den britischen Meisterschaften in Wales – wenngleich Saller keine guten Erinnerungen an ihr erstes Rennen hat. „Es hat geregnet, war nur 12 Grad warm und mich hat’s mit dem Rad gleich einmal hingelegt“, sagt sie. Heute lacht sie darüber, ein verheißungsvoller Start sieht aber freilich anders aus.

Doch Saller versuchte das Unmögliche. Sie trainierte Tag ein, Tag aus. Und lernte bei einem Wettkampf schließlich Roland Knoll kennen. Seitdem trainiert Saller beim SC Delphin Ingolstadt mit dem zweifachen deutschen Triathlonmeister (1991 und 1997), den sie als „ruhigen Typen“ beschreibt. Beide sehen sich zwar nur bei Wettkämpfen oder in den Trainingslagern mit dem bayerischen Landeskader, in dem Saller ist. „Aber dank Skype und E-Mail ist das kein Problem“, sagt sie. So flattern wöchentlich die Trainingspläne Knolls, der an diesem Sonntag Geburtstag feiert, ins virtuelle Postfach. „Das funktioniert richtig gut, er hat immer ein offenes Ohr für mich und ist sofort da“, sagt die Triathletin.

Den Spagat zwischen Leistungssport und Studium schafft Saller dank des britischen Bildungssystems. „In England ist der Sport mehr in die Uni integriert. Es gibt auch einige Olympioniken, die in Oxford waren oder noch sind“, erklärt sie. So kann es schon einmal vorkommen, dass in der Mensa plötzlich ein Student mit einer Olympia-Medaille um den Hals neben einem sitzt, wie Saller berichtet.

Ob die Erfolgsgeschichte der Münchnerin auch einmal zu Olympia führt, mag die 19-Jährige sich nicht ausmalen. Zunächst einmal habe ihr Studium Vorrang. „Das will ich auf alle Fälle beenden“, sagt sie. Im kommenden Jahr hat sie den Bachelor in der Tasche. Und dann? „Es würde mich echt reizen, nur Triathlon zu machen oder halbtags zu arbeiten. Wobei ich schon glaube, dass ich auch was für den Kopf brauche“, sagt sie.

Zunächst einmal geht Saller an diesem Samstag in Hannover bei der deutschen U-23-Meisterschaft in Hannover an den Start. Mit einer Prognose hält sich die Mathematikerin zurück. „Ich hoffe einfach nur, dass ich ein gutes Rennen habe.“ Wenn sie das Unmögliche möglich macht, wird sie das schaffen.

Nicht weniger ehrgeizig ist Pirmin Frey. Während andere Jugendliche in seinem Alter an jenem sonnigen Nachmittag in den Sommerferien im Ingolstädter Freibad vom Fünf-Meter-Turm ins Wasser springen, zieht der 17-Jährige einsam seine Bahnen. „Unter der Woche gibt’s nur Schule und Sport“, sagt der Schüler. Er tut das aber nicht mit Wehmut, sondern aus Überzeugung. Wie Saller belohnte sich der Neuburger bei den deutschen Meisterschaften am Schluchsee vor wenigen Wochen mit dem Titel in der Jugend-A-Konkurrenz. Bei diesem soll es aber noch lange nicht bleiben. „Er könnte es auf die internationale Bühne schaffen“, attestiert ihm sein Trainer Roland Knoll.

Dabei ist Frey wie die zwei Jahre ältere Saller noch gar nicht so lange dabei. Erst vor zwei Jahren absolvierte er seinen ersten Triathlon bei den deutschen Meisterschaften in Braunschweig. Dort wurde er auf Anhieb Sechster. Zuvor probierte der 1,92 Meter große Schlacks fast alles aus: Leichtathletik, Fußball, Laufen, Schwimmen. Auch wenn Frey in der Leichtathletik durchaus beachtliche Erfolge feierte, fühlt er sich im Triathlon inzwischen am wohlsten. „Es hat mir von Anfang an richtig getaugt“, sagt er, „aber die Leichtathletik werde ich nicht aufgeben.“

Frey profitiert im Triathlon von seiner guten, sportlichen Grunderziehung. Vor allem im Laufen ist er deutschlandweit seinen Konkurrenten überlegen. Vielmehr noch: Selbst ältere Athleten können das Tempo des Nachwuchsathleten nicht mitgehen. „Er hat schon ein außergewöhnliches Lauftalent“, sagt deshalb auch Knoll, der den 17-Jährigen seit zwei Jahren unter seinen Fittichen hat.

„Pirmin ist ein sehr ruhiger Typ, der den großen Hype um seine Person gar nicht so sehr mag“, sagt Knoll, der den kommenden zwei Jahren skeptisch entgegenblickt. Dann nämlich komme auf seinen Schützling durch das Abitur zusätzlicher Stress zu, wodurch der Sport leiden könnte. „Die kommenden Jahre werden hart, aber man muss schon auch sagen, dass der Trainingsaufwand und der Erfolg in einem vernünftigen Rahmen bleiben sollen“, sagt Knoll, der Frey an diesem Sonntag nach Großbritannien begleitet. An diesem Samstag feiert der Neuburger in Eaton Dorney nämlich seine Premiere im Europa-Cup. Rund um das Gelände der olympischen Ruderstrecke wird der 17-Jährige erstmals internationale Wettkampfluft schnuppern.

Diese fehlt Anabel Knoll noch. Die 17-Jährige wird in diesem Jahr aber auch kein Rennen mehr bestreiten – auch auf Empfehlung ihres Trainers und Vaters Roland Knoll. Das hat Gründe. Die Schülerin hatte nämlich während der gesamten Saison mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, infolge derer sie immer wieder mit dem Training aussetzen musste. Umso überraschender war daher der dritte Platz bei den deutschen Nachwuchsmeisterschaften in der Jugend-A-Konkurrenz. „Das konnte ich selbst gar nicht so richtig fassen“, erinnert sie sich.

Wie Frey hat Knoll ihre Stärken im Laufen – eine Folge des Trainings mit Birgit Nixdorf von der DJK Ingolstadt. Anders wie ihre Vereinskollegen Saller und Frey sucht die Gymnasiastin nämlich auch den Rat von anderen Trainern. „Ich glaube, es ist normal, dass man auf seinen Vater vielleicht ein bisschen weniger hört, als wenn einem jemand anderes etwas sagt. Auf der anderen Seite profitiere ich aber auch von seiner Erfahrung“, erklärt sie und schmunzelt.

Ganz beendet ist das Wettkampfjahr 2013 aber auch für Anabel Knoll noch nicht. In zwei Wochen will sie in Dinkelsbühl auf der Bahn ihre Bestzeit über 3000 Meter verbessern, nachdem sie das zuletzt bei einem Wettkampf in Neustadt verpasst hatte. „Ich würde gerne unter zehn Minuten bleiben“, sagt sie, deren Bestmarke derzeit bei 10:16,94 Minuten liegt. Wenn auch sie Hesses Lebensweisheit im Hinterkopf hat, wird von ihr wie von ihren beiden Mitstreitern auch in Zukunft noch einiges zu hören sein.

 

Von Julian Schultz
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