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Das Pom-Pom-Problem

Gaimersheim
erstellt am 30.06.2017 um 23:13 Uhr
aktualisiert am 17.07.2017 um 03:33 Uhr | x gelesen
Die Red Hot Chilis aus Gaimersheim gehören zu den zehn besten Cheerleading-Teams in Deutschland. Dennoch sehen sie sich oft mit dem Vorurteil konfrontiert, dass Cheerleader nur ihre bunten Tanzwedel schwingen.
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Gaimersheim: Das Pom-Pom-Problem
First Lady: Daniela Christmann ist die Mannschaftskapitänin der Red Hot Chilis. - Foto: Sonnenberger
Gaimersheim

Gaimersheim (DK) Seit die Red Hot Chilis aus Gaimersheim vor elf Jahren mit dem Cheerleading angefangen haben, hat sich einiges geändert. Die heutige Teamkapitänin Daniela Christmann (19) erinnert sich noch an die Anfänge: "Die Fußballer des TSV Gaimersheim haben gegen den FC Bayern gespielt und wünschten sich Unterstützung", erzählt sie. So kam es zum ersten Auftritt der Red Hot Chilis. Damals haben sie noch mehr mit den Pom-Poms gewedelt als richtig getanzt. Heute sieht das anders aus: Ihre Auftritte bestehen aus akrobatischen Hebefiguren und Menschenpyramiden. Die Pom-Poms kommen nur noch selten zum Einsatz. "Wir brauchen sie fast nie", sagt die Trainerin der Red Hot Chilis, Lisa Koitka (46).

Dennoch tragen die bunten Tanzwedel dazu bei, dass Cheerleading mit vielen Vorurteilen behaftet ist. "Viele denken, es ist nur das Rumgewedel mit den Pom-Poms", sagt Christmann. Doch Cheerleading ist ein ernst zu nehmender Sport, und die Red Hot Chilis sind eines der besten Teams in ganz Deutschland. Bei der deutschen Meisterschaft in Hamburg am 20. und 21. Mai belegten sie den zehnten Platz.

Viele der Cheerleaderinnen haben einst als Turnerinnen angefangen. Für beide Sportarten braucht man ähnliche Talente: "Man muss sportlich und beweglich sein, Kraft und Taktgefühl haben und dazu noch ein Teammensch sein", erklärt Koitka. Wenn jemand nämlich nicht zum Training komme, könnten die anderen nicht trainieren. Außerdem brauche man eine Portion Mut. Es sei schon vorgekommen, dass Mädchen mit einem blauen Auge nach Hause gegangen sind, weil bei den Hebefiguren etwas nicht geklappt hat. Insgesamt bestehen die Red Hot Chilis aus fünf Teams, von denen sich das jüngste Juniors und das älteste Seniors nennt. Das Alter der etwa 100 Cheerleaderinnen reicht von sechs bis 22.

In Ingolstadt sind die Red Hot Chilis auch durch ihre Auftritte bei den American-Football-Spielen der Dukes bekannt. Dort sollen sie das Publikum animieren, die Mannschaft anzufeuern. Mit den Football-Spielern gebe es aber nur wenig Kontakt, sagt Christmann. Immerhin: "Nach dem Aufstieg haben wir gemeinsam auf dem Feld gefeiert."

Als Teamkapitänin ist es Christmanns Aufgabe, Konflikte im Team zu lösen. Außerdem leitet sie das Training der Juniors. So kommt sie auf etwa zehn Stunden Training pro Woche. Hinzu kommen noch die dreistündigen Auftritte bei den Dukes. Zurzeit studiert Christmann im zweiten Semester Digital Business an der TH Ingolstadt. Als Studentin findet sie noch genügend Zeit für ihr Hobby. Doch nach der Schule verlassen immer wieder Cheerleaderinnen das Team, weil sie wegziehen oder nicht mehr so viel Zeit haben.

Darum veranstalten die Red Hot Chilis einmal im Jahr sogenannte Tryouts, bei denen sich neue Cheerleaderinnen bewerben können. Im Probetraining sollen die Neuen ihr Können unter Beweis stellen. Da die Teams auf maximal 25 Mitglieder begrenzt sind, kann nicht jede aufgenommen werden. Nur in der Nachwuchsgruppe, in der Mädchen bis acht Jahre tanzen, gibt es kein Limit.

Der Erfolg ist für die Red Hot Chilis von großer Bedeutung. Bei Wettkämpfen achten sie genau darauf, dass die akrobatischen Elemente auch zum optimalen Zeitpunkt in die Show eingebaut sind. Eine Pyramide wird von der Jury am Ende zum Beispiel höher bewertet als am Anfang. "Man muss genug Zeit für die wichtigen Sachen einplanen", sagt Koitka.

Christmann und Koitka wünschen sich, dass Cheerleading endlich von der Gesellschaft ernst genommen wird. "Wir müssen von den Klischees wegkommen, dass die Mädels nur sexy mit den Pom-Poms rumwedeln", bekräftigt Koitka. Auch Christmann nervt es, dass sie immer wieder erklären muss, dass Cheerleading ein richtiger Sport ist. "Sobald ich den Leuten Videos zeige oder sie einen Auftritt von uns sehen, ändert sich die Reaktion sofort", erzählt sie. Kein Wunder: Durch ihre harte Arbeit gehören die Red Hot Chilis mittlerweile zu den Top Ten unter den deutschen Cheerleading-Teams.

Von Georg Sonnenberger
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