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Juristisches Nachspiel

Eichstätt
erstellt am 11.10.2018 um 20:40 Uhr
aktualisiert am 29.10.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Eichstätt (sze) Das Spiel gegen den FC Schweinfurt am vergangenen Wochenende hat man zwar mit 0:3 verloren, doch die Partie geht auf juristischer Ebene in die "Verlängerung": Der VfB Eichstätt hat beim Bayerischen Fußballverband (BFV) Beschwerde wegen "rassistischer Fangesänge" aus dem Fanblock der Gastgeber Beschwerde eingelegt.
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Will einfach nur gut Fußball spielen: Yomi Scintu (rechts).
Will einfach nur gut Fußball spielen: Yomi Scintu (rechts).
Traub
Eichstätt


Während des Spiels sei es zu deutlich vernehmbaren Rufen aus den Reihen der Gästefans gekommen, die auch Teile der Mannschaft des VfB gehört hätten. Die richteten sich offenbar gegen VfB-Außenstürmer Yomi Scintu, den einige Schweinfurter Fans "sehr diskriminierend und rassistisch verbal attackiert" und unter anderem als "Neger" bezeichnet hätten, so Fritz Schäffler, der Zweite Vorstand des VfB Eichstätt. Er habe nach dem Spiel daher Kontakt mit dem Sicherheitsbeauftragten und dem Verantwortlichen für Stadionverbote gesucht und das Thema zur Sprache gebracht, sei dabei aber auf keinerlei Interesse gestoßen, die Sache aufzuklären und die Verantwortlichen zu ermitteln. Deswegen habe man sich offiziell an den Verbandsanwalt Fritz Reisinger gewandt, der nun ermittelt. "Ich kann nichts dazu sagen. Ich habe das selbst nicht wahrgenommen", sagt VfB-Trainer Markus Mattes. Auch Scintu selbst hatte die Schmährufe gegen ihn auf dem Platz nicht gehört und wollte sich auch nicht dazu äußern. Nach dem Schlusspfiff sei das auf dem Platz aber durchaus ein Thema gewesen, so Mattes. Teile der Mannschaft hätten die Rufe vernommen, und die Mannschaft habe das natürlich "alles andere als gut gefunden", erzählt Mattes. "Die Vereine sind da aber oft machtlos, wenn irgendjemand etwas reinruft", sagt er diplomatisch.

"Wir wollen mit der Beschwerde nicht dem FC Schweinfurt schaden", betont auch VfB-Vorstand Thomas Hein. "Aber wir wollen damit ein Zeichen setzen. So etwas hat auf dem Fußballplatz nichts verloren. " "Befremdlich" findet er, dass der Linienrichter vor der Gegengerade in der Nähe der Fans nichts gehört haben wolle. BFV und DFB jedenfalls kennen beim Thema Rassismus keinen Spaß und haben daher bereits Kontakt mit dem FC Schweinfurt aufgenommen, um die betreffenden Personen zu ermitteln. Die "Schnüdel" sind mit ihren heißblütigen Fans auch längst keine Unbekannten in der Rechtsabteilung des Fußballverbandes: Ihre Spiele werden regelmäßig als "Hochrisikospiele" eingestuft. Zuletzt war es etwa im April nach einer Partie gegen den TSV 1860 München zu Fanausschreitungen in Schweinfurt gekommen.

Während im aktuellen Fall noch ermittelt wird, sind in einem anderen bereits Stadionverbote ausgesprochen worden: Fans des FC Bayern München II hatten zum Saisonauftakt in Eichstätt Kartoffeln auf das Spielfeld geworfen, dazu Schmähgesänge ( "Die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartenpreise") angestimmt und damit gegen angeblich zu hohe Eintrittspreise protestiert. Auch daraufhin habe man sich an den BFV gewandt, so Schäffler - mit Erfolg: Fünf der "Kartoffelwerfer" müssen nun mit einem Stadionverbot leben. Das gilt übrigens nicht nur für die Regionalliga, sondern hinauf bis zur Bundesliga.
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