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Fußball-Kreistag lehnt B-Klassen ab

Hilpoltstein
erstellt am 16.03.2010 um 19:16 Uhr
aktualisiert am 01.02.2017 um 12:47 Uhr | x gelesen
Hilpoltstein (HK) Die Vereine des Fußballkreises Neumarkt/ Jura widersetzen sich ihren Führungskräften: Trotz der Plädoyers von Verbandspräsident Rainer Koch und Bezirksspielleiter Ludwig Beer hat sich der Kreistag am Montag mit großer Mehrheit gegen die Einführung der B-Klassen ausgesprochen.
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Für einen Fall, in dem er sich streng genommen gar nicht zuständig fühlen müsste, hat sich der Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) erstaunlich stark ins Zeug gelegt. Obwohl er immer wieder betonte, dass ihn die Einführung der B-Klassen und die Eingliederung der Reserven im Fußballbezirk Mittelfranken grundsätzlich gar nichts angeht und ihm eigentlich auch ganz egal sein könnte, versuchte Rainer Koch den Kreis Neumarkt/Jura auf den richtigen Kurs zu bringen. "Hier steht ein Präsident, der sich für Minderheiten und kleine Vereine einsetzt. Und so lange ich Präsident bin, wird es keinen Zwang zur Eingliederung geben. Jeder kann, aber keiner muss", rief der BFV- Präsident den 325 Vereinsvertretern beim Kreistag zu. Doch bei den B-Klassen sieht er den Kreis Neumarkt/Jura auf dem Holzweg. "Überlegt euch deshalb bitte gut, wer eure Freunde sind und wer gegen euch ist."

Das leidenschaftlichste Plädoyer für die Einführung der B-Klassen kam allerdings nicht von Koch, dem hauptberuflichen Richter am Münchener Oberlandesgericht, sondern von Bezirksspielleiter Ludwig Beer. "Das ist doch ein Beschiss ohne Ende", schimpfte er über das aktuelle Spielsystem des Fußballkreises Neumarkt/Jura. Bereits bei der Fusion vor vier Jahren sei es versäumt worden, die B-Klassen einzuführen. Und diese Versäumnisse müssten jetzt beseitigt werden. "Wer konnte schon vor vier Jahren vorhersagen, dass sich die Anmeldungen bei den eingegliederten Reserven so stark erhöhen", sagte Beer. Nirgendwo in ganz Bayern gebe es deshalb so viele zweite Herrenmannschaften unter den Kreisklassisten und nirgends fünf reine A-Klassen mit Reserveteams. "Da müssten die ersten Mannschaften unter den A-Klassisten doch endlich aufstehen. Was ist denn die A-Klasse im Moment noch wert" Nur mit der Einführung der B-Klassen sei künftig ein geordneter Spielbetrieb zu garantieren. Doch Beers Bitte um Zustimmung verhallte ebenso ungehört wie der Appell des BFV-Präsidenten.

"Stellt ruhig den Antrag gegen die B-Klassen und beschließt ihn, aber die Stimmungslage in Bayern ist zu 90 Prozent für die B-Klassen", so warnte Rainer Koch letztmals vor einer Klatsche beim Bezirkstag. Doch die Vereinsvertreter aus dem Fußballkreis Neumarkt/Jura wollen es wissen: Mit eindeutiger Mehrheit stimmte der Kreistag für die Anträge des FC Möning, des TSV Wolfstein und des SV Höhenberg gegen die Einführung der B-Klassen, über die nun der Bezirkstag am Freitag, 7. Mai, in Röthenbach/Pegnitz endgültig entscheiden muss. Darüber hinaus forderten die Vereinsvertreter mit einer Drei-Viertel-Mehrheit auch noch die Reaktivierung des reinen Reservenspielbetriebs auf Kreisebene. Dieser Antrag wird ebenfalls an den Bezirkstag weitergeleitet. Die entscheidende Instanz ist hier aber erst der Verbandstag.

Seine Wut über die Wahl des Kreistags konnte Bezirksspielleiter Ludwig Beer kaum verbergen: "Ich bin enttäuscht von meinen Neumarkter Vereinen. Die haben heute ein großes Eigentor geschossen", sagte der langjährige Vorsitzende des Altkreises Neumarkt. "Da war heute jedes Wort umsonst. Aber das zahle ich alles mit barer Münze zurück", drohte Beer, der als Bezirksspielleiter künftig keine fünf A-Klassen mehr dulden will, die ausschließlich aus Reservemannschaften bestehen. "Das war heute keine gute Entscheidung für unseren Spielbetrieb", sagte auch Kreisschiedsrichterobmann Hans Jäger, der noch die Warnung von Verbandsspielleiter Jürgen Faltenbacher im Ohr hatte: "Ihre Anträge sind gefährlich", sagte er vor der Abstimmung.

Doch das hatte Michael Hollweck vom SV Höhenberg, der Wortführer der Antragsteller in Hilpoltstein, ganz anders gesehen: "Wenn der Weg in die falsche Richtung geht, muss man den Mut zur Umkehr haben. Die Reserven im aufstiegsberechtigten Spielbetrieb bringen sportlichen und wirtschaftlichen Schaden", sagte er und erntete dafür großen Applaus. "Und ich auch glaube nicht das Märchen vom BFV, dass in den B-Klassen tatsächlich 60 Prozent Vorspiele der ersten Mannschaften möglich sind. Stattdessen zerreißt die Einführung der B-Klassen die Gemeinschaft in unserer ersten und zweiten Mannschaft und damit unsere Vereinskultur", sagte Hollweck und rief nochmals zum Widerstand auf. "Setzen wir ein Signal, was wir wollen." Am Ende war es ein eindeutiges Zeichen.

Von Jochen Münch
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