Donnerstag, 18. Oktober 2018
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Florian Bergér holt beim Red Bull Air Race in Indianapolis Gold und hat im Finale Chancen auf den Hattrick

Eichstätter Klasse setzt sich durch

Eichstätt
erstellt am 09.10.2018 um 19:18 Uhr
aktualisiert am 09.10.2018 um 21:33 Uhr | x gelesen
Eichstätt (EK) Florian Bergér ist und bleibt eine Maschine. Rund vier Monate nachdem er sein letztes Red Bull Air Race geflogen ist, siegte er am Sonntag in den USA erneut. Der Eichstätter hat sich damit nicht nur fürs Finale im November qualifiziert, er führt auch erneut das Feld an - und das, obwohl er ein Rennen weniger als alle anderen Challenger geflogen ist.
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Ob er zu Hause überhaupt noch Platz hat? Am Wochenende hat Florian Bergér (l.) sich beim Red Bull Air Race in Indianapolis Gold und damit den dritten Pokal in dieser Saison und den 14. seiner Karriere geholt. Der Eichstätter absolvierte den Track rund 0,26 Sekunden schneller als der US-Amerikaner Kevin Coleman. Dritter wurde Patrick Davidson aus Südafrika.
Ob er zu Hause überhaupt noch Platz hat? Am Wochenende hat Florian Bergér (l.) sich beim Red Bull Air Race in Indianapolis Gold und damit den dritten Pokal in dieser Saison und den 14. seiner Karriere geholt. Der Eichstätter absolvierte den Track rund 0,26 Sekunden schneller als der US-Amerikaner Kevin Coleman. Dritter wurde Patrick Davidson aus Südafrika.
Jörg Mitter, Mihai Stetcu/Red Bull Content Pool
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Er hat Klasse, fliegt auf einem Niveau, das für seine Kontrahenten einfach nicht zu erreichen ist. Das hat Florian Bergér einmal mehr am Wochenende in Indianapolis im US-Staat Indiana bewiesen. Mit 28 Punkten insgesamt hat er in der laufenden Saison in drei Rennen mehr Punkte gesammelt als seine neun Mitstreiter, die alle mindestens vier Mal an den Start gehen durften.

Wegen persönlicher Gründe hatte der Eichstätter das Rennen in der Wiener Neustadt Mitte September abgesagt. Für seine Kollegen in der Challenger-Klasse dürfte das ein echter Glücksfall gewesen sein. Denn bislang hat Bergér es in allen Rennen dieser Saison und fast allen der vergangenen Saison aufs Treppchen geschafft - wäre er vier Mal an den Start gegangen und hätte womöglich noch einen Pokal abgesahnt, er wäre für seine Mitstreiter nicht mehr einholbar gewesen.

So aber bleibt die Saison spannend, im Finale ist alles drin. Die beiden momentan zweit- und drittplatzierten Kenny Chiang und Luke Czepiela liegen mit jeweils 26 Zählern nur zwei Punkten hinter Bergér, der Viertplatzierte bringt es auf 24. "Ich finde das gut, dass alles offen ist", sagt der 29-jährige Eichstätter amüsiert. Immerhin hat er schon 2016 und 2017 den Gesamtsieg in der Challenger-Klasse eingefahren und führte meist schon von Anfang an. "Aufregend" nennt er die knappen Punkteabstände deshalb jetzt. "Und ob ich dann am Ende gewinne oder nicht, ich sag es ganz ehrlich, darüber mache ich mir wenig Gedanken", sagt er.

Es ist nicht zu übersehen: Bergér hat nicht nur seine anfängliche Nervosität abgelegt, er ist auch selbstbewusster geworden in den nun mittlerweile drei Jahren, in denen er für Red Bull fliegt. Er hat seine Schüchternheit eingetauscht gegen einen festen Blick und klare Worte.
 
Jörg Mitter, Mihai Stetcu/Red Bull Content Pool
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Nur die Bescheidenheit, die hat er sich behalten. Denn Bergér ist nicht nur Pilot bei Red Bull, er ist auch frischgebackener Deutscher Meister im Motorkunstflug in der höchsten Kategorie, und das sowohl im klassischen Kunstflug als auch im Freestyle. "Naja", sagt er lächelnd, "da hab ich mich natürlich tierisch gefreut, ein Traum wurde wahr." "Aber bei der EM hätte ich besser sein können",, fügt er dann schnell an.

Dabei hat es Bergér bei den Europäischen Meisterschaften auf den 15. von 35 Plätzen geschafft, als bester Deutscher. Aber auch das ist typisch für den Eichstätter: Er ist unermüdlich, schaut lieber nach vorne als zurück, auf Erfolgen ruht er sich erst gar nicht lange aus. Auch deshalb, weil er findet, dass doch immer wieder auch viel Glück dabei sein muss, um am Ende tatsächlich als Gewinner aus einem Rennen rauszugehen. "Da muss viel stimmen, Wind, Maschine, Wetter und Timing" , sagt er. "Der beste Pilot kann nicht gewinnen, wenn er schlechtes Wetter und zu viel Wind erschwischt oder die Technik spinnt", ist er überzeugt.

Da müsse man sich nur mal seinen Teamkollegen Daniel Ryfa anschauen. Der fliegt bereits länger bei Red Bull, ist ohne Frage ein Weltklassepilot und hatte seinem Freund Bergér das Leben im Wettbewerb immer wieder schwer gemacht. Er war sein stärkster Konkurrent und lange Zeit der einzige, der es überhaupt noch mit dem Eichstätter aufnehmen konnte. Und dann hatte ein Aussetzer in dieser Saison mit dem letzten Platz und Null Punkten alles verändert. Mit gerade einmal 20 Zählern steht der Schwede auf Platz sechs im Gesamtklassement, schaffte es gerade so, sich fürs Finale zu qualifizieren. "Dass er gut fliegen kann, das steht für mich außer Frage, er hatte einfach Pech mit seiner Maschine - oder die anderen mehr Glück, wie man es nimmt", sagt Bergér schulterzuckend.

Auch der Hongkonger Kenny Chiang hatte am Sonntag wohl einfach nur Pech. Der Rookie, der in dieser Saison einen kometenhaften Aufstieg hingelegt und vor dem Rennen in Indianapolis sogar das Feld angeführt hatte, wurde aus unbekannten Gründen disqualifiziert und bekam null Punkte. Glück für Bergér, der sich so wieder an die Spitze kämpfen konnte. Dass er nach vier Monaten Air-Race-Abstinenz - Red Bull bestimmt, welche Rennen ein Pilot mitfliegt - in Indianapolis gewinnen würde, hätte er "allerdings nicht gedacht", wie er zugibt. "Aber ist doch ganz cool", schiebt er grinsend nach.

Das nächste und letzte Rennen dieser Saison findet am 17. und 18. November in Fort Worth in Texas statt. Hier war der Eichstätter 2015 schon einmal an den Start gegangen und hatte es auf den dritten Platz geschafft - sein damals bis dato bestes Ergebnis seiner Red-Bull-Karriere. "Mal sehen, ob ich das heuer toppen kann", sagt er zwinkernd. Gelingt Bergér der Sieg, wäre er der erste Challenger, der den Hattrick schafft und sich und drei Mal hintereinander Worldchampion nennen darf.
 

Gesamtranking

Nach dem siebten Red Bull Air Race im US-amerikanischen Indianapolis ergeben sich in der Challenger-Klasse folgende Punktestände im Gesamtranking: 1. Florian Bergér (DE): 28 Punkte total; +10 Indianapolis2. Kenny Chiang (HK): 26 Punkte total; +0 Indianapolis3. Luke Czepiela (PL): 26 Punkte total; -- Indianapolis4. Kevin Coleman (US): 24 Punkte total; +8 Indianapolis5. Baptiste Vignes (FR): 24 Punkte total; +4 Indianapolis6. Daniel Ryfa (SW): 20 Punkte total; -- Indianapolis7. Patrick Davidson (SA): 20 Punkte total; +6 Indianapolis8. Mélanie Astles (FR): 16 Punkte total; --Indianapolis9. Dario Costa (IT): 14 Punkte total; +2 Indianapolis10. Daniel Genevey (UN): 8 Punkte total; +0 IndianapolisDie sechs besten Piloten haben sich für das Finale in Fort Worth qualifiziert. Für die übrigen vier ist die Saison damit vorbei.
Alexandra Burgstaller
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