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"Die 3. Liga ist für uns nicht machbar"

Eichstätt
erstellt am 07.12.2018 um 19:09 Uhr
aktualisiert am 08.12.2018 um 18:14 Uhr | x gelesen
Seit 2014 steht Hans Benz beim VfB Eichstätt in der Verantwortung und erlebte seitdem vier erfolgreiche Jahre. Vorläufiger Höhepunkt war die Eroberung der Tabellenspitze in der Regionalliga Bayern. Im Interview mit dem EICHSTÄTTER KURIER zieht der Tauberfelder Bilanz.
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Veni, vidi, vici ? ?ich kam, sah und siegte?, scheint Hans Benz hier anzuzeigen ? allerdings nur vermeintlich. Eigentlich grüßt er nur einen Zuschauer und hält auch abseits des Spielfeldes den Ball flach: Nichtabstieg laute weiter das Saisonziel für das Team um Kapitän Benni Schmidramsl (unten links) und Trainer Markus Mattes, mit dem Benz gerne verlängern würde.
Veni, vidi, vici - "ich kam, sah und siegte", scheint Hans Benz hier anzuzeigen - allerdings nur vermeintlich. Eigentlich grüßt er nur einen Zuschauer und hält auch abseits des Spielfeldes den Ball flach: Nichtabstieg laute weiter das Saisonziel für das Team um Kapitän Benni Schmidramsl (unten links) und Trainer Markus Mattes, mit dem Benz gerne verlängern würde.
Traub
Eichstätt
Eichstätt (EK) Als der Tauberfelder Hans Benz Anfang 2014 zum Fußball-Abteilungsleiter des VfB Eichstätt gewählt wurde, gab er im Gespräch mit dem EICHSTÄTTER KURIER als mittelfristiges Ziel den Verbleib in der Bayernliga aus. Nun, fast fünf Jahre später, muss er sich mit Fragen zur Dritten Liga auseinandersetzen. Unser Mitarbeiter Norbert Dengler hat sich mit dem 59-Jährigen aber nicht nur darüber, sondern auch über das bevorstehende Winter-Wechselkarussell oder seinen bisherigen Saison-Höhepunkt unterhalten. Hans Benz über . . .
  •  den schwachen Saisonstart mit nur sechs Punkten aus fünf Spielen: "Man muss sich nur die Namen der Gegner anschauen, dann sieht man, dass es ein sehr schweres Auftaktprogramm war. Bei der Pleite gegen die Bayern-Amateure waren wir zudem wohl den Rahmenbedingungen und dem ganzen Tohuwabohu rund um das Live-Spiel nicht gewachsen. Die Mannschaft hat aber schon beim Unentschieden in Ingolstadt am zweiten Spieltag eine Reaktion gezeigt. Ich will an dieser Stelle betonen und klarstellen, dass es in der Regionalliga Bayern keine schlechten Mannschaften gibt. Kein Spiel ist ein Selbstläufer. Wir müssen uns die Erfolge Woche für Woche hart erarbeiten."
  •  das Verletzungspech: "Die schweren Verletzungen von Lucas Schraufstetter, Jens Förtsch, Sebastian Graßl oder Julian Kügel waren echt harte Rückschläge, die man erst einmal verkraften muss. Auch aufgrund anderer Verletzungen oder Abstinenzen waren wir gezwungen, fünfmal hintereinander die komplette Verteidigungskette umzubauen. Das ist der Wahnsinn. Respekt, wie die Spieler das als Team hinbekommen haben."
  •  die Verstärkungen zu Saisonbeginn: "Unser Credo war, den Stamm - mit dem wir aufgestiegen waren - weiterhin zu halten und uns nur punktuell zu verstärken. Mit Atdhedon Lushi im Sturm, Michael Zant in der Verteidigung, Defensivspieler Markus Steinhöfer und Mittelfeldspieler Marcel Schelle haben wir das eindrucksvoll geschafft. Alle vier sind Stammspieler, bringen sehr viel Qualität mit und machen dadurch auch ihre Nebenspieler noch besser. Davon profitiert die ganze Mannschaft."
 
Traub
Eichstätt

 
  •  sein ganz persönliches Highlight:"Unabhängig vom Last-Minute-Sieg gegen die Augsburger U23 und dem 3:0-Coup bei den kleinen Bayern, war für mich das Derby gegen den FC Ingolstadt 04 II ein absoluter Höhepunkt. Wir lagen bei Luca Woloszyns Torwart-Debüt nach kurzer Zeit 0:1 hinten. Den Gegentreffer musste er - auch wenn er schuldlos war - erst einmal verkraften. Aber die komplette Mannschaft hat ihn mitgerissen und mit einer Ruhe und Abgeklärtheit sowie einem Selbstverständnis und der Überzeugung weitergespielt, dass wir das Spiel drehen werden. Das war wirklich a la bonheur, was die Jungs an diesem Tag auf dem Platz abgeliefert haben. Da hat man gesehen, zu was das Team im Stande ist. Nach dem 3:1-Sieg habe ich mir nur gedacht: ?Wow, wow, wow!'"
  • mögliche Abgänge in der Winterpause: "Bis jetzt ist kein einziger Spieler an mich herangetreten und hat einen Wechselwunsch geäußert. Es gibt auch keine Abwerbungsversuche anderer Vereine. Unabhängig davon werden wir in der Winterpause niemanden gehen lassen. Das wäre fatal. Denn selbst wenn der eine oder andere manchmal den Kopf hängen lässt oder beleidigt ist, weil ihn Trainer Markus Mattes nicht so oft berücksichtigt, die Mannschaft richtet ihn schon wieder auf. Und dass wir jeden Mann brauchen, hat man am bisherigen Verletzungspech gesehen. Nur so können wir gut auswechseln. Unser Plus war bislang, dass nicht irgendeiner reinkommt, sondern richtig gute Qualität. Und das soll auch so bleiben."
 
Traub
Eichstätt

 
  • potenzielle Neuzugänge: "Logischerweise halten wir die Ohren und Augen grundsätzlich immer offen. Das betrifft also nicht nur die Winterpause, sondern geht über die Saison hinaus. Da sind wir immer ?online' und schauen, was sich auf dem Transfermarkt tut. Alleine wenn unsere Langzeitverletzten zurückkehren, haben wir ein paar qualitativ hochwertige Spieler mehr in unseren Reihen. Auch der erfahrene Torwart Mustafa Özhitay dürfte bis zum Saisonauftakt wieder fit sein."
  • den Teamgeist: "Die Abwehrarbeit fängt bei uns im Angriff bei Fabian Eberle an und geht über die Außenbahnspieler Lushi und Yomi Scintu weiter. Umgekehrt ist es natürlich genauso. Das Angriffsspiel beginnt im Spielaufbau von hinten heraus. Obwohl wir verschiedene Freigeister im Team haben, sind wir eine eingefleischte Truppe. Jeder arbeitet für den anderen und stellt sich in den Dienst der Mannschaft. Das Kollektiv macht uns stark und erfolgreich."
  •  das neue, korrigierte Saisonziel: "Die Gazetten haben sich nach dem Sensationssieg von München und eine Woche später mit dem Sprung an die Tabellenspitze überschlagen. Da hat der eine oder andere Spieler bei Interviews mit seinen Aussagen - was aber auch menschlich und verständlich ist - ein bisschen über das Ziel hinausgeschossen. Der Verein wird allerdings keine vollmundigen Ziele rausposaunen. Wir haben immer gesagt, dass das Saisonziel Klassenerhalt solange nicht verändert wird, bis 41 Punkte eingefahren sind. Von daher gibt es jetzt zu Weihnachten schon ein bisschen etwas zu feiern. Mehr aber auch nicht. Wir denken weiterhin nur von Spiel zu Spiel. Lassen wir uns überraschen, was am Ende dabei rauskommt!"
  •  die Qualifikation für die 1. Hauptrunde DFB-Pokal: "Natürlich wissen wir, dass Bayern als einer der mitgliederstärksten Verbände neben Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen einen zusätzlichen Startplatz im DFB-Pokal vergeben darf. Neben dem Toto-Pokalsieger ist das in der Regionalliga Bayern die beste Nicht-Profireserve. Bei uns ist das bislang aber trotzdem kein Thema."
  •  die Dritte Liga: "Wenn ich lese, wie der derzeit fünftplatzierte FC Memmingen seinen Etat für die Dritte Liga aufstocken würde, dann muss ich klipp und klar sagen, dass das für uns nicht machbar ist. Der FCM will nämlich seine bisher angesetzten 800.000 Euro mit Fernsehgeldern verdoppeln und zusätzlich 200.000 Euro an Mehreinnahmen generieren. Das sind dann gesamt 1,8 Millionen, die für den VfB Eichstätt einfach Utopie sind. Natürlich würde es vielleicht - was ein 10.000 Zuschauer fassendes Stadion betrifft - eine Übergangs- oder Ausnahmeregelung geben. Aber wir sind nicht blauäugig in unserem Tun. Ich jedenfalls beschäftige mich in keinster Weise mit dem Lizenzierungsverfahren für die Dritte Liga. Denn es ist sowohl wirtschaftlich als auch technisch-organisatorisch nicht machbar."
  •  das Sponsoring mit Liqui Moly: "Die Vertragsverlängerung ist ein starkes Zeichen und gibt uns enorme Planungssicherheit. Auch wenn Geschäftsführer Ernst Prost nicht so oft im Stadion ist, gefällt ihm, was wir machen. Er weiß unsere Arbeit und die Leistung der Jungs auf dem Feld sowie den Zusammenhalt abseits des Platzes sehr zu schätzen. Dass auch jede Jugendmannschaft seit Beginn dieser Saison mit dem Emblem dem Schmierstoffherstellers auf der Brust aufläuft, hat zusätzlich einen Hype ausgelöst."
  • die weitere Zusammenarbeit mit Trainer Markus Mattes: "Dass wir mit seiner Arbeit sehr zufrieden sind und über den Sommer hinaus verlängern möchten, versteht sich von selbst. Wir tauschen uns regelmäßig aus und stehen folglich auch diesbezüglich in guten Gesprächen. Eine Entscheidung wird in diesem Jahr allerdings nicht mehr fallen. Wenn es soweit ist, geben wir es rechtzeitig bekannt."
  •  den Winterfahrplan: "Nach dem anstrengenden Jahr hat sich das Team die Pause redlich verdient. Jeder soll jetzt einmal vom Fußball abschalten und die Zeit genießen. Anfang Januar wird es zur Einstimmung einen Laufwettbewerb unter den Spielern geben, ehe das Trainerteam mit Markus Mattes, Co-Trainer Dominik Betz und Torwarttrainer Norbert Scheuerer die Arbeit wieder aufnimmt. Wir wollen gut vorbereitet in die restlichen zwölf Saisonspiele gehen."
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